Die Welt deprimiert sich…


In meinem Leben lernte ich schon sehr, sehr viele Menschen kennen.

Zumeist ist es so dass die Menschen nur die Schokoladenseite des Charakters präsentieren, vor allem in den sozialen Medien.

Die Realität sieht leider anders aus.

Das, was in den privaten Gemächern bleibt, ist Leere, Einsamkeit, Trost- und Perspektivlosigkeit.

Auch in Beziehungen merken Partner oft nicht den wahren Charakter oder den wahren Gedanken des Anderen.

Medien, Politik und Pädagogik sprechen leider eine andere Sprache. Deren Botschaft ist immer positiv: DU bist der Beste, DU bist die Schönste, DU bist das Allergrößte in deinem Universum.

Überall, ob auf Plakaten, im Fernsehen, im Radio oder in der eigenen Clique – nur Schönheit und Erfolg wird suggeriert. Ist man nicht schön und erfolgreich, zählt man nicht. So wird es uns jeden Tag in das Gehirn getrommelt.

Die Neuro-Wissenschaft weiß es besser.

Deren empirische Werte zeigen, dass vor allem Hormone und unsere Umwelt auf unser Wohlbefinden wirken.

Der Dopamin- oder Serotonin-Spiegel ist unbestechlich.

Leidet unsere CPU zwischen den Schultern an dopaminmangel ist die Depression nicht weit.

Auch Vitamin D, das Vitamin, das wir aus der Sonne ziehen, ist kein unerheblicher Faktor für unser geistiges Wohlbefinden.

Doch leider wurde unsere Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten gnadenlos. Wo früher der Familienverband einen melancholische Menschen auffing, sitzt dieser heute zumeist alleine in seiner Single-Wohnung, wo sein wo befinden verkümmert.

Außer, dass wir uns bei 40 bis 60, manchmal bei 80 Stunden Arbeit körperlich oder geistig zerreißen, vereinsamen wir langsam in immer größeren Dimensionen.

Die Verstädterung unserer Gesellschaft spielt eine andere Karte aus. Der Widerspruch, dem man permanent ausgesetzt ist…nämlich alleine zu Hause zu sein und nur über soziale Medien oder maximal das Telefon zu kommunizieren, während wir, wenn wir rausgehen und in Menschenmassen quasi erdrückt werden, zehrt an unserem Hirn-Potential und macht uns im Laufe der Jahre müde.

In den Städten ist das ziemlich leicht zu beobachten.

Man muss sich nur aufmerksam umsehen. Die meisten Menschen, unabhängig des Geschlechts, zwischen 35 und 40 Jahren haben viel des Leuchtens ihrer Augen verloren. Viele sind schon verhärmt zerbrochen desillusioniert.

Aktuelle Zahlen bieten nicht unbedingt ein optimistisches Bild.

Die Landflucht steigt exorbitant, parallel dazu steigt die relative Zahl an Single-Haushalten in den Großstädten.

Doch dem nicht genug!

Ständig steigender Druck in der Arbeitswelt, Geld- und Existenz-Sorgen, Scheidungen, Isolation…enorm viele Faktoren drücken auf unser Gemüt.

Ich merke gerade den Unterschied!

Nach 45 Jahren Leben in der Stadt begann ich im Mai mit einer geplanten Weltumwanderung für 10 Jahre, um auf die Schönheit unseres Planeten aufmerksam zu machen und die Mitmenschlichkeit zu propagieren.

Abgesehen von den persönlichen Niederlagen, die ich währenddessen durch viele Menschen meiner Heimat leider Gottes erleiden musste (aber das ist ein anderes Thema), erlebte ich den riesigen Unterschied zwischen Großstadt und Land.

Schon in den letzten Jahren wurde mir bewusst, dass der permanente Verkehrslärm im Hintergrund immer belastender wurde.

Auch meine Jugendfreunde, die mich das ganze Leben hindurch begleiteten, zogen nach und nach von den inneren Bezirken an den Stadtrand oder gar aufs Land.

Unabhängig voneinander bestätigte mir jeder, dass der Stadtlärm, die Menschenmassen, die Hektik und Unruhe in den Menschen als auch die Enge immer schlimmer für sie wurden.

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Da helfen keine Grünflächen, mögen sie noch so großzügig angelegt sein! Ist man auch auf optimalen Plätzen einer Großstadt, wie der Donauinsel oder dem grünen Prater in Wien…im Hintergrund braust leise und permanent der Straßenverkehr dahin.
Das Gehirn gewöhnt sich zwar daran, wird aber rund um die Uhr von einer Geräuschkulisse begleitet.

Ich weiß nicht ob es empirische Studien-Daten dazu gibt, doch bin ich mir sicher dass diese mich bestätigen: mit den Jahren ist der Stadtlärm für das älterwerdende Gehirn ein regelmäßig ansteigender Stressfaktor!

Der Vergleich macht mich sicher: Während der Turbomodus in den Städten (nämlich die Erfindung des Verbrennungsmotors und die dafür nötigen Fahrzeuge) erst seit knapp über hundert Jahren vor sich geht, der Lärmpegel nach wie vor permanent steigt, kann unsere eigene Evolution mit diesem Quantensprung nicht mithalten.
Die biologische CPU zwischen unseren Schultern benötigte viele Millionen Jahre, um sich in die heutige Richtung zu entwickeln.
Hundert Jahre sind eine vergleichsweise lächerliche Zeit.

Doch nicht nur der Lärmpegel der KfZ, Motorräder, LKW’s etc. belastet uns rund um die Uhr.

Auch die Lichtverschmutzung, die dauernde Berieselung durch Geräusche wie Musik, Bilder aus dem Fernsehen oder Internet, Computerspiele usw. gönnen dem menschlichen Gehirn keine Pause.

Wir sind in den Städten 24 Stunden lang Reizen ausgesetzt, ob wir wollen oder nicht.

Wien ist ein gutes Beispiel für eine weitere fatale Entwicklung: dem Single-Haushalt!

Dieser bietet zwar auf der Habenseite ein persönliches Refugium, doch fordert er auch seinen Preis.
Lässt die Berieselung durch Medien, Verkehr und Menschenmassen schon Spuren in uns, ist der Single-Haushalt in Städten in mehrerlei Hinsicht bedenklich:

.) Die Kosten: Kaum noch ist es in Großstädten möglich, mit einem Job allein einen funktionierenden Single-Haushalt zu bewirtschaften.
Mieten, die in astronomische Höhen steigen, verlangen von immer mehr Menschen einen inneren Paradigmenwechsel.

.) Vereinsamung: Der Mensch ist ein soziales Tier.
Durch die Isolierung inmitten von hunderttausenden von Menschen beginnen die sozialen Interaktionen zu verkümmern.
Je länger jemand alleine wohnt, desto höher das Risiko, dass die „Kompatibilität“ zu anderen im Laufe der Zeit abnimmt.

Die Zahl der Single-Haushalte in Österreich steigt alarmierend:

https://oesterreich.orf.at/stories/2832763/

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Triste Zukunft

Als Vater zweier erwachsener Kinder beobachtete ich einen anderen besorgniserregenden Trend: steigende Depressionen bei Jugendlichen!

Ich denke, nicht nur ich beobachte mit Sorge, wie das „Ritzen“ und Selbstverstümmeln Jugendlicher keine Ausnahme, sondern eher schon die Regel ist.

In den 1980er-Jahren ritzte sich niemand.
Kein Mensch wäre auf die Idee gekommen, sich selbst Schmerzen zuzufügen, um sich zu spüren.

Das kann man jetzt verdammen oder nicht, es ist nur das Symptom.

Bei der Suche nach den Ursachen finden sich mehrere Möglichkeiten, eine nach der Anderen unausweichlich und damit wie ein flächendeckender Fluch über unserer Gesellschaft.

.) Kinder werden immer weniger im Elternhaus mit der nötigen Geborgenheit ausgerüstet.
Mama und Papa sind gezwungen, sehr viel zu arbeiten, um den Lebensunterhalt zu bestreiten.
Befindet sich die Familie zu Hause, wird die Freizeit mit Programm vollgestopft: Klavierunterricht da, Pfadfinder dort…Kinder leben heute schon früh mit einem brechend vollen Terminkalender.

.) Druck in der Schule: Im Vergleich zu früher stieg das naturwissenschaftliche Wissen unvergleichlich an.
Ebenso die Anforderungen der Arbeitswelt, fertige und hochqualifizierte Jugendliche in den Arbeitsprozess einzugliedern.

Da ist keine Zeit für schlechte Noten!

Der Stoff in manchen Fächern wurde im Laufe der letzten Jahrzehnte immer voller, das Tempo radikal gesteigert.
Nachzügler finden immer schwerer Anschluss, dazu ist es unabdinglich für viele Eltern, zum kargen Einkommen noch Budget für regelmäßige Nachhilfe zu erarbeiten.

Das nötige Pensum an Freizeit bleibt oft auf der Strecke.
Ein durchschnittliches Kind in der Oberstufe des Gymnasiums kommt unter einer 60-Stunden-Woche (Schule, Lernen, Hausübungen) kaum mehr aus.

In der Freizeit wird aber…

.) zu wenig Freizeit konsumiert.

Hier ist wieder das menschliche Gehirn überfordert:

Früher (nein, ich bin ganz sicher keiner dieser „Früher war alles besser!“-Verfechter, im Gegenteil) ging man raus.
Viele Vorteile für den heranwachsenden Menschen wurden dadurch erzielt: Bewegung, frische Luft, soziale Interaktion.

Jetzt, in den 2010er-Jahren, hockt der durchschnittliche Teenager die meiste Zeit in den eigenen vier Wänden.

Kommuniziert wird über soziale Medien und Whatsapp, die Freizeit wird damit verbracht, fern zu sehen oder mit Konsolen/Computern zu spielen.
Wieder wird das Gehirn nicht entlastet, im Gegenteil.

.) Das Internet:

Schon früh werden Kinder heute auf das alles dominierende neue Medium „Internet“ losgelassen.
Youtube und Co. bieten meist harmlose Kost.

Schlimmer aber ist es, dass Kinder im Vergleich zu früher durch die Medienflut – wo das World Wide Web dominiert – wesentlich mehr von der Welt kennenlernen.
Schon im Volksschulalter kennen Kinder jede Menge Bilder von Kriegen, Gewaltexzessen und Nöten aus aller Welt.

Wieder der Zeitvergleich: Früher konsumierten Menschen meist die Frühstückszeitung und sahen am Abend eventuell die Nachrichten.
Um diese Zeit war das Fernsehen für uns Kinder tabu, wir bekamen nicht wirklich die Welt mit.

War uns auch lieber, denn wir hatten viel Spaß dabei, unsere Umwelt selbst zu entdecken, unsere Grenzen auszuloten und unsere sozialen Fähigkeiten zu verbessern.

All diese Faktoren ergeben ein erschreckendes Resultat: Schon als Teenager sind immer mehr junge Menschen völlig desillusioniert.
Die Lust zum Radikalisieren ist höher als früher.
Teenies ritzen sich, sind oft Cybermobbing ausgesetzt.

Die Selbstmordquote junger Menschen ist weit höher als noch vor dreißig Jahren.

All diese Trends steigen exorbitant.

Hier denke ich, ist die biologische Sachlage eindeutig: Das heranwachsende Gehirn, noch lange nicht vollständig entwickelt, wird von klein auf mit Eindrücken vollgerieselt.
Da die intellektuellen Fähigkeiten in den Kinderjahren noch nicht zur distanzierten Aufnahme eignen, wird das junge Gehirn schlicht mit der Reizflut dauerhaft überfordert.

Langfristige Studien zu diesem Thema wären interessant, denn ich befürchte, die nächsten Generationen werden durch diesen Trend im schlimmsten Fall geistig degenerieren.
Es gibt nämlich für die Evolution nicht nur Fortschritte…nur Veränderungen!

Weshalb ich im Kommentarfeld zur Diskussion anregen will: Beobachten Sie ebensolche Trends? Was tun Sie dagegen?
Wie kann man die schleichende Auslaugung der Psychen von uns allen stoppen oder zumindest diesem Trend entgegenwirken?

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Der gordische Knoten „Weltwirtschaft“ – ein dickes Problem


Wirtschaft.
Ökonomie.
Business.

Egal, wie der Begriff lautet, den man dafür verwendet, am Ende geht es nur um eines: Geld.

Wirtschaft ist ein unverzichtbarer Faktor für eine Zivilisation.
Ohne den Handel untereinander hätte der Mensch niemals den Sprung aus der Steinzeit geschafft.
Nur die Erfindung eines neutralen Tauschmittels ermöglichte es den Menschen, sich zu spezialisieren, um die Produktivität für eine wachsende Zahl von Individuen zu gewährleisten.

Wirtschaft unter zwei Parteien funktioniert simpel: Ein Dienst wird simpel durch einen adäquaten Gegendienst abgegolten.
Hier benötigt es kein Geld, das neutrales Zahlungsmittel ist.

Die direkte Dienstleistung beherrscht in unserem Alltag nach wie vor kleinste Strukturen und funktioniert prächtig.

Komplexer wird es allerdings, wenn mehr Personen an einem Kreislauf teilnehmen.
Hier greift „Quid pro quo“ nicht mehr durch direkte Dienstleistung.

Wenn ein Handwerker einen Hammer braucht, fehlt ihm meist die Zeit, um diesen herzustellen.
Also wendet er sich an einen Baumarkt.
Dieser ist darauf spezialisiert, Werkzeuge feilzubieten.
Erledigt dieser Handwerker seine Arbeit, finanziert er sich damit seine Grundbedürfnisse wie Nahrung, Kleidung, Wohnung.
Deren Erzeugnisse werden wiederum von anderen Spezialisten (Bauern, Supermärkten, Baufirmen, Textil-Erzeugern etc.) bereitgestellt.
Um sich deren Produkte zu besorgen, wäre der Handwerker heillos überfordert, würde er es mit seiner Profession bezahlen.

Also gibt es Geld.

Geld dient dafür, neutral für jeden gleich wertvoll zu sein, wobei die Wertschätzung von der Produktivität einer Volkswirtschaft, also der Vernetzung vieler Menschen in überschaubaren Regionen, als Basis dient.

Diese Volkswirtschaft interagiert untereinander.
Geld wechselt daher ständig den Besitzer.
War ein Geldschein gestern noch im Besitz eines Millionärs, wandert er vielleicht am nächsten Tag in die Hände eines Obdachlosen, der seine Bedürfnisse wiederum im Supermarkt ums Eck befriedigt.

Mit der Erfindung der Währung (schon in der Antike wurden dafür Edelmetalle wie Silber verwendet) vereinfachte sich der Handel unter den Menschen schlagartig.

Wirtschaftssysteme sind ein Hauptgrund dafür, dass unsere Zivilisation die Möglichkeit bekam, ständige Weiterentwicklung zu erleben.

Wie alles im Universum hat aber auch ein System wie die über tausende von Jahren entwickelte Wirtschaft eine andere Seite der Medaille.
Auch ist die Weltwirtschaft und deren Volkswirtschaften Grenzen ausgesetzt.

Mittlerweile wurden die Grenzen des Möglichen schon längst überschritten.

Im September 2017 wurde eine aktuelle Studie über das Weltvermögen publik gemacht.
Der Spiegel als eines von vielen Medien berichtete: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/reichtum-weltweites-vermoegen-waechst-auf-169-billionen-euro-a-1170114.html

Letztes Jahr betrug das Vermögen der Menschheit also geschätzte 169 Billionen Euro.

Diese Studie hat aber einen Haken.

Einberechnet werden Bankeinlagen, Wertpapiere, Versicherungen und Pensionsfonds.
Faktoren, die in der dritten Welt keinerlei Relevanz in der Mehrheit der Bevölkerung besitzt.

Einen Viehbauer in Somalia interessieren keine Fonds.
Sein Vermögen wird in der Zahl der von ihm gehüteten Tiere gemessen, deren Wert je nach Nahrungslage in der Umgebung steigt oder fällt.

In dieser Statistik, die natürlich auf Grund der Komplexität unseres globalen Geldsystems nur grob geschätzt werden kann, fällt eines auf: Die Schulden betragen nicht einmal ein Viertel des Vermögens.

Schulden ergeben das Vermögen anderer, schließlich kann man Geld nur menschgemachten Institutionen schulden.

Einen Laien wie mich überrascht der Faktor 1:4 von Schulden und Vermögen dann doch.
Ich stelle mir eine ethische Frage: Scheinbar ist vier Mal soviel Geld vorhanden, um die Schulden abzugleichen respektive jenen, die eine Chance auf materielles Vermögen niemals bekommen, die Geldvermögen vorenthalten.

1:4 heißt für mich – man möge mich berichtigen – dass vier Mal soviel Geld vorhanden ist wie nötig.

Dies fügt sich wunderbar in die Verschwendungsthematik ein.
Regionen, die es sich leisten, Produkte einfach wegzuwerfen, vor allem Nahrung, die woanders dringend fehlt, leben auf zu großem Fuß.
Schließlich zeigt die Statistik nur eines: Geld ist genug da. Es gibt einen eklatanten Überschuss.
Wäre dieser gerechter verteilt, würde zwar eine Minderheit ihren Status verlieren, die Mehrheit jedoch bekäme die Chance, menschenwürdig zu leben.

Hier präsentiert sich eines der massivsten Probleme des Kapitalismus: Am Ende schöpft ein kleiner Teil den Wert, den die große Masse produziert.
So ist Schieflagen finanzieller wie in Folge sozialer Natur Tür und Tor geöffnet.
Aktuell in (fast) allen Staaten der Erde ein prekäres Problem.

Um die Schieflage, die schon beinahe kippt, darzustellen, ein paar aktuelle Beispiele aus der ganzen Welt.

In Österreich, einem der reichsten Länder der Welt, besitzt das reichste Prozent (grob gerechnet also die reichsten 80.000 Menschen) 40,5% des Vermögens.
Währenddessen muss sich die ärmere Hälfte der Bevölkerung, also ca. 4 Millionen Menschen, mit knapp über einem Zwanzigstel des Vermögens, abfinden. [1]

50:1 ist das Verhältnis der Menschen, aber die Summe, die zum Leben vorhanden ist, beträgt 1:20

VermoegensverteilungQuelle: DerStandard.at

Der Trend tendiert eher zu größeren Schieflagen denn zu besserer Verteilung.

Nun, man könnte jetzt argumentieren, dass trotzdem niemand verhungern muss.
Stimmt!
Das ist Glück, denn wunderbarerweise gibt unsere Region mehr Ressourcen her, als die Bevölkerung braucht.
In anderen Ländern der Welt sieht es nicht so rosig aus.

Ein Problem, das durch eine derartige Schieflage aufkommt, ist der Fluss des Geldes.
Funktioniert eine Wirtschaft, wäre immer soviel Geld im Umlauf, wie eine Bevölkerung gerade braucht.
Unabhängig von der Person ist das wirklich gebrauchte Gut weit weniger variabel wie die Real-Abschöpfung.

Da ein Großteil der reichsten Menschen auf der Welt ihr Vermögen allerdings in Fonds, Wertpapieren etc. parkt, es damit aus dem Kreislauf nimmt und „arbeiten“ lässt, verschärft sich die Lage.

Um reicher zu werden, wird Geld platziert.
Dieses kann sich nur vermehren durch Zinsen.
Zinsen jedoch haben keinen praktischen Gegenwert, sie basieren auf keine produzierten Güter, die Produktivität und Wertschöpfung auf der Habenseite ausgleichen.

Also muss mehr Geld in den Kreislauf rein.
Der Zwang nach Wirtschaftswachstum entsteht…

Unser Nachbar und unmittelbarer Handelspartner, Deutschland, weist ähnliche Zahlen auf.
Deren Schlüssel zeigt, dass die 45(!) reichsten Haushalte genauso viel Besitz vereinen wie die ärmeren 50% Deutschlands. [2]

Ein Median von 60.000€ wurde errechnet, nur kann man davon ausgehen, dass dieser Durchschnittswert real nur von wenigen erreicht wird.
Die große Masse an Menschen besitzt weit weniger, so sie überhaupt etwas auf dem Habenkonto aufweisen kann.

Schon bei einem durchschnittlichen Vermögen von 60.000€ stellt sich die Frage: Braucht der Mensch ein derartiges Vermögen?
Dies ist immerhin ein Überschuss, der sich sammeln konnte, während das Leben jede Sekunde fortschritt.

Dieser Überschuss fehlt genau jenen, die vorwiegend in den Städten nicht wissen, wie sie sich ein neues Haushaltsgerät leisten können, wenn das alte den Dienst verweigert.

Menschen mit derartigem Vermögen argumentieren gerne mit „das habe ich mit Fleiß erwirtschaftet“.
Mag sein.
Ebenso aber kann man jedem „Leistungsträger“ ein Heer an Menschen gegenüberstellen, das wesentlich aufwändiger seinen Lebensunterhalt bestreitet, aber trotzdem nie die Gelegenheit bekommt, Überschüsse zu erwirtschaften.

Das Geld, das ein paar reichen Menschen nur noch als Status Quo dient, fehlt viel mehr Individuen dringend.

Geld allein macht allerdings nicht satt.
Dieses Geld muss in entsprechende Gegenwerte investiert werden, um persönliche Bedürfnisse befriedigen zu können.
Parken ein paar Wenige allerdings dieses Geld, kommt es nicht mehr in den täglichen Kreislauf des Geldtausches.
Diese Summen fehlen den Bevölkerungen der Welt.
Weshalb wiederum – der Teufelskreis schließt sich – die gesamte Wirtschaftsleistung wachsen muss.

Überschüsse gibt es weltweit sowohl monetär, als auch produktiv.
Der Umgang mit diesen ist das Problem.
Wir können es uns schon längst nicht mehr leisten, Überproduktion zu leisten, die immer nur das selbe Perpetuum mobile der Weltwirtschaft bedient…ihr erzwungenes Wachstum.

Global sieht die Lage übrigens nicht anders aus:

globale-vermoegensverteilung-davos-2018
Globale Vermögensverteilung 2017 – Quelle: Oxfam.de

Das „Jahoda Bauer Institut“ hat auf seiner Homepage einen interessanten Artikel dazu, die Ungleichheit in der Welt beschreibend.

Kennen Sie den „Fat Cat Day“?
Dieser Tag bezeichnet den Tag, an dem TopmanagerInnen im Kalender das jährliche Einkommen durchschnittlicher ArbeitnehmerInnen erwirtschafteten.
In Großbritannien beging man ihn am 3. Jänner, also dem dritten(!) Tag des Jahres.
Top-ManagerInnen im vereinigen Königreich haben also drei Tage nach Silvester das Selbe verdient, wozu durchschnittliche Arbeiter oder Angestellte bis zum nächsten Silvester benötigen.
In Deutschland ist dieser Tag am 5. Jänner, in Österreich immerhin am 10. Jänner.

Quelle: http://jbi.or.at/neue-daten-zur-vermoegensverteilung-in-globaler-perspektive/

Globale Zahlen sind ernüchternd.

An nackten Zahlen und darstellenden Grafiken wird so ziemlich alles erklärt, das der heutigen Welt Probleme verursacht.

Das Vermögen der Superreichen und Reichen weltweit floriert und wächst.
Nicht, weil diese so hart anpacken, sondern, weil sie schon längst dem Wirtschaftssystem so entwachsen sind, dass deren Geld von alleine mehr wird.

Ein Beispiel: 1% jährliche Zinsen auf 1000€, also 10 Euro, sind nicht viel. Bei einer jährlichen Inflation von durchschnittlich 2-3% in Österreich verliert dieser Zinssatz an Realwert.

1% Zinsen bei einer Milliarde Euro bedeutet allerdings, dass dieses Vermögen um 10 Millionen wächst.
10 Millionen sind eine Produktionsleistung, wofür viele Menschen in diesem Jahr harte Arbeit leisten müssen.

Reiche und superreiche können sich also gemütlich zurücklehnen und keinen Finger mehr rührer.
Ihnen könnte nichts mehr passieren, sollte das System nicht kollabieren.

Deren Gier sorgt jedoch dafür, dass der Kollaps unweigerlich kommt.
Die Frage lautete nicht „ob“, sondern „wann“.

Durch harte Arbeit wird heute niemand mehr reich.
Harte Arbeit garantieren beim mittlerweile verbreiteten Leistungsdruck höchstens Depressionen, Burn-Outs, private Probleme, Herzinfarkte usw.
Alle diese Effekte steigern das Risiko, aus dem Wirtschaftssystem rauszufallen – sei es durch Arbeits- oder Antriebslosigkeit.

Das Leben in diesem Wirtschaftssystem gleich einer Wippe auf Spielplätzen.
So lange beide Seiten im Einklang sind, haben beide viel Spaß.
Kippt jedoch eine Seite, weil auf ihr zuviel Gewicht ist, schleudert das Gegenüber in die Höhe und verletzt sich.

Der Oxfam-Studie nach besitzt das reichste Prozent der Weltbevölkerung, also das reichste Hundertstel, 82% des gesamten Vermögens der Welt! https://www.oxfam.de/ueber-uns/aktuelles/2018-01-22-82-prozent-weltweiten-vermoegenswachstums-geht-reichste-prozent
Solch ungeheure Zahlen verdeutlichen, warum unsere Art vor Probleme gestellt wird, die vielleicht nicht mehr regulierbar sind.

Um die Reichen in ihrem Geldfluss – immerhin bedeutet in unseren Breiten Mammon zugleich Macht – zu unterstützen, wird die Politik von diesen auf Linie getrimmt.
Es wird von Kürzungen für die Ärmsten gesprochen, welche auch oft exekutiert werden.
Hier in Österreich wehren sich diese Cliquen erfolgreich gegen eine Besteuerung dieses obszönen Besitzes.
Warum? Weil sie Geld besitzen. Mit Geld kann man alles kaufen, auch die ideologischen Richtungen von Parteien.

Politische Parteien fürchten ein Ende der willkommenen Zusatzeinnahmen, weshalb sie – NLP-geschult – in blumigen Worten der Öffentlichkeit beibringen, warum man sparen muss.
So kommuniziert, dass die armen Massen noch ein schlechtes Gewissen bekommen könnten.
Um diese Massen ja nicht dazu zu provozieren, dass ihre Aussagen hinterfragt werden, werden ihnen in schönster Regelmäßigkeit Knochen in Form von Hetze gegenüber fremden Menschen (die sich bekanntlich am Wenigsten wehren können) vorgeworfen.
Ganz viele schlucken diese Knochen und empören sich daraufhin gegen eine Gruppe von Menschen, die wie ein Boxer wehrlos taumelnd in den Seilen hängen.

Ganz oben sitzen die „Leistungsträger“, schon längst wie fettgefressene Parasiten an den Geldhähnen der Allgemeinheit saugend, und reiben sich auf Grund der Simplizität der Ablenkungsmanöver die Hände.

In der Praxis wirkt sich dies gerade in Österreich in Arbeitszeitverlängerung, gestrichene Förderungen für Minderheiten, Sündenbock-Politik und täglich steigenden Druck auf die Massen aus.
Wenn Menschen allerdings zu kaputt sind von den Änderungen, die durch reiche Lobbyisten vorangetrieben wurden, fehlt ihnen auch die Kraft zum Aufstehen gegen diese Willkür-Gesetzgeber.

Wie man es dreht und wendet -> am Ende büßen es viele, wenn wenige profitieren.

Gemeingefährlich wird es, wenn die Machthaber Gebiete regieren, die große Auswirkungen auf die Welt haben, wie die USA.

Wenn ein Donald Trump Reiche bevorzugt, ziehen diese weiter völlig ungeniert Kapital aus anderen Ländern oder den eigenen Landsleuten.
Fördert dieser Umweltsünder wie die Kohle- oder Autoindustrie, resultiert dies in Umweltkatastrophen, die weit über die Landesgrenzen hinaus Wirkung zeigen.

Aufschluss über das Ungleichgewicht der Erde erhält man deshalb weniger noch durch die Verteilung nach Personen, sondern nach Regionen.

Es lässt sich ein globales Ungleichgewicht erkennen, das allen Vergleichen spottet.
Während in der Schweiz jeder Zehnte ein Vermögen von über 1.000.000$ besitzt, kann mehr die Hälfte der restlichen Staaten der Erde kaum einen Millionär vorweisen.
Da die Schweiz als Beispiel aber garantiert nicht die geographische Größe und verhältnismäßig gigantische Rohstoff-Vorkommen besitzt, ein groteskes Ungleichgewicht. [4] [5] [6] [7] [8] [9] [10] [11] [12]

Nennen wir die Dinge beim Namen: Die Industrieländer sollten schon längst die Wippe der globalen Gesellschaft wieder in die Balance bringen, denn sie haben die Mittel dazu.
(Immerhin profitieren sie auch am Meisten von der Globalisierung)
Doch diese werden von Verbrechern an der Menschheit regiert, deren einzige Motivation das eigene Wohl ist.
Auf Kosten aller. Vor allem aber verstärkt auf Kosten unserer unmittelbaren Nachkommen…

Eine funktionierende Wirtschaft ist die Basis einer funktionierenden Gesellschaft.
Unsere Weltwirtschaft hat sich aber schon längst aus vernünftigen Höhen verabschiedet.
Sie mutierte zu einem Spielball einiger weniger, die auf Kosten der Anderen stets mehr an sich raffen.

Die größte Gefahr ergibt sich aus deren Gier, Geld für sich „arbeiten“ zu lassen.
Konsequenz dieser Vorgehensweise ist es, dass ständig mehr produziert werden muss, obwohl schon längst ausreichend genug produziert wäre.

Wir alle dürfen also „danke“ sagen zu den Reichen und Superreichen.
Deren Verhalten, leider nach wie vor durch ein undurchsichtiges Zinssystem protegiert, trägt die Hauptschuld daran, dass unser Planet ächzt und unsere Spezies Gefahr läuft, sich selbst zu überholen.
Nicht die ganze Schuld! Denn Schurken können – vor allem in Unterzahl – nur so agieren, wie es die Masse zulässt.

Wir alle können uns auf Grund unserer Inkonsequenz, die uns durch die Jahrhunderte verfolgte, auch stolz auf die Brust klopfen, dass unsere Kinder und Enkel das Ergebnis mit aller Wucht erdulden müssen.

Es ist unsere Pflicht, unsere Ansicht von „Leistung“ zu hinterfragen.

Die Wirtschaft profitiert nämlich von Mechanismen, die ausgesprochen tief in die Volksseelen gepflanzt wurden.

Es reicht dazu, sich im engsten Kreis umzuhören oder den sozialen Medien zu stöbern.Menschen zählen umso mehr in einer Gemeinschaft, desto mehr sie arbeiten.
Ob sie die ganze Woche stöhnen und mit ihrem Leben unzufrieden sind…einerlei, denn wenn es um die Arbeit geht, wird gleichzeitig mit der Intensität der persönlichen Anstrengung geprahlt.
Wenig Verdienst, keine Arbeitnehmerrechte? Egal: „Ich hackle so viel, dass ich keine Zeit habe, um darüber nachzudenken“.

Klingt paradox, wenn man so darüber nachdenkt, oder?
Ist es auch.

Nehmen wir mal an, nur zum Spaß, dieses Leben wäre als einziges Leben bewiesen.
Würden die Menschen noch immer stolz darauf sein, sich krumm zu arbeiten?
Wären sie immer noch selig mit dem Zustand, nach dem Renten-Antritt körperlich invalid durch überbordende Anstrengungen über lange Zeiträume zu sein und einfach nur auf den Tod zu warten?

Bei einem geschätzten Vermögen von 1.300 Milliarden Euro – abzüglich Schulden – würde der durchschnittliche Österreicher, wäre dieses Geld fair verteilt, ungefähr 150.000€ besitzen.
Säuglinge und Greise inkludiert.

Jetzt soll mir wer erklären, wir müssten die Produktion erhöhen bei einem durchschnittlichen Vermögen wie diesem.
Vor allem, da das Gros der Wertschöpfung aus der gesteigerten Produktivität (die Effizient vervielfachte sich durch die Ära der Digitalisierung exponentiell) wiederum nur den Reichsten zu Gute kommt.

Zahlen wie diese lässt sich ein Industrieller natürlich nicht gerne vorlegen.
Schließlich muss er seine Aktionäre mit ausreichend Dividenden füttern, bevor der Börsenkurs flattert.
Also verlangt der typische Anleger Wertsteigerungen, um an Aktien etwas zu verdienen – langfristig!
(Wiederum werden Papiere dazu genutzt, Wachstum zu befeuern)

Also verlangt er von der Politik Schritte, die diametral zu den nötigen Maßnahmen stehen.
Aktuell darf sich Österreich ja ab 1. September über eine Arbeitszeitverlängerung statt –verkürzung durch markant gesteigerte Effizien „freuen“.

Dass es die Arbeitnehmer bevorzugt, kann kategorisch ausgeschlossen werden.
Diese stellen sich aber hinter die Maßnahmen, frei nach obigre Mentalität: „Je mehr man arbeitet, desto mehr ist man wert“.
Tja, nur diese eine Existenz ist garantiert. Ein Leben nach dem Tod nicht.
Weshalb also bei eindeutig vorhandenem Überschuss das eigene Leben schwerste Reduktionen wichtiger Faktoren wie Freizeit, Zeit mit der Familie oder Erholung erleiden muss und von jenen, die sie erleiden, legitimiert wurde, entzieht sich meiner Logik.

Wir arbeiten uns kaputt und sind auch noch stolz darauf…

Nur, wie entkommen wir dieser unnötigen Endlosschleife eines Wirtschaftswachstums als höchstes Gut?
Es wird schwierig.

Selbstverständlich könnte man die Selbstregulierung abwarten, entweder durch die fortschreitenden Umweltprobleme oder durch immer wiederkehrende Wirtschaftskollapse wie 1929 oder kleiner im Jahre 2008.

Diese Ereignisse haben aber leider immer großes Leid zur Folge.
Ausgerechnet bei jenen, die eben keine angehäuften Vermögen besitzen.

Menschen, die nichts haben, können sich nicht wehren.
Die Geschichte lehrt uns jedoch, dass die Wehrlosen es sind, die die Suppe langfristig und schwer leidend auslöffeln müssen.

Also müssen Alternativmodelle her.

Doch wie man es dreht und wendet…geht man nicht radikal gegen das wirtschaftliche Ungleichgewicht vor, profitieren am Ende wieder jene, die den Besitz schon zuvor horten konnten.

Gerade in den Modellen der weltweiten Ökonomie und ihrer undurchdringlich scheinenden Komplexität zeigt sich die große Problematik, die ein längst etabliertes Schmiermittel wie Geld entfesselt hat.
Ohne Geld scheint nichts mehr zu gehen.
Dieses wird uns aber beinahe gönnerhaft von denen bereitgestellt, die daran fleißig verdienen, die Notlagen der Menschen „großherzig“ zu lindern – Banken.

Einzige Herausforderung aktueller Wirtschafts-Herausforderungen in Einklang mit dem Schutz unserer Umwelt bleibt daher das finanzielle Ungleichgewicht auf der Welt.
Diese Schieflage zu Gunsten weniger Menschen bewirkt kausal viele Probleme, derer wir uns momentan oft sogar nicht einmal bewusst sind, die aber schon längst vor der Tür stehen.

Bevor sich gewalttätige Eskalationen in bewährter Form der französischen Revolution im Jahr 1789 wiederholen, sollten Parlamente in aller Welt reformiert werden.

So lange Geld gleich Macht ist, ist die Menschheit machtlos.

[1] https://derstandard.at/2000064958312/Neue-Schaetzung-Das-reichste-Prozent-hat-40-5-Prozent-des

[2] http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/vermoegen-45-superreiche-besitzen-so-viel-wie-die-halbe-deutsche-bevoelkerung-a-1189111.html

[3] https://www.oxfam.de/ueber-uns/aktuelles/2018-01-22-82-prozent-weltweiten-vermoegenswachstums-geht-reichste-prozent

[4] http://www.wider.unu.edu/publications/working-papers/discussion-papers/2008/en_GB/dp2008-03/

[5] http://publications.credit-suisse.com/tasks/render/file/index.cfm?fileid=AD6F2B43-B17B-345E-E20A1A254A3E24A5

[6] http://www.lisproject.org/publications/lwswps/1.pdf

[7] http://economics.uwo.ca/faculty/davies/workingpapers/thelevelanddistribution.pdf#51

[8]http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Veroeffentlichungen/Monatsberichtsaufsaetze/2016/2016_03_vermoegen_finanzen_private_haushalte.pdf

[9] http://publications.credit-suisse.com/tasks/render/file/index.cfm?fileid=C26E3824-E868-56E0-CCA04D4BB9B9ADD5

[10] http://publications.credit-suisse.com/tasks/render/file/index.cfm?fileid=AD6F2B43-B17B-345E-E20A1A254A3E24A5

[11] http://www.economist.com/news/business/21694555-lessons-100-years-familys-industrial-empire-nordic-pyramid

[12] https://www.credit-suisse.com/de/de/about-us/research/research-institute/publications.html

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Kickl redet im Parlament. Und sagt nichts…


Der Innenminister Herbert Kickl, mittlerweile mehr berüchtigt als berühmt, stellte sich am 26. September bezüglich der internen Weisungsmail, bestimmte Medien auszugrenzen, dem Nationalrat.

Das Protokoll findet sich übrigens hier

Nehmen wir seine Aussagen her und zerpflücken sie mal.
Wegen der inneren Sicherheit warats.
Es geht nämlich um den Schutz der Bevölkerung.

Vor Attentaten oder Amokläufern?
Wie hier beschrieben (Ausschnitt der heutigen „Kronen-Zeitung“. Nein, es will natürlich nicht von der Affäre abgelenkt werden…

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Bundesminister für Inneres Herbert Kickl: Herr Präsident! Meine sehr geehrten
Damen und Herren! Ich bin froh, dass wir heute über diese Dinge diskutieren können,
dass wir uns vielleicht auch einmal darüber verständigen können, was denn tatsächlich
Pressefreiheit ist, denn ich habe manchmal das Gefühl, wenn Sie über Pressefreiheit
reden, dann reden Sie über alles Mögliche, nur nicht über Pressefreiheit, Herr Scherak.
(Beifall bei der FPÖ.)
Zuerst wird natürlich der Kritiker angesprochen. Erster Schritt: Man drehe dem Kritiker das Wort im Mund um.
Aufgepasst, der Gauleiter Kickl zeigt, wie’s geht!
Ich glaube, dass das auch einmal ein wichtiger Aspekt der Debatte ist. Sie haben sich
zwar sehr darum bemüht, hier in einer Art Drama-Queen-Inszenierung in die
Fußstapfen Ihres jetzt ausscheidenden Vorgängers zu steigen, ganz hat es nicht
gereicht. Sie sollten mit Herrn Strolz vielleicht gemeinsam in Zukunft ein paar Bäume
umarmen. Ich empfehle den Baum der Erkenntnis (Abg. Scherak: Herr Präsident!),
Herr Scherak, den Baum der Erkenntnis! (Beifall bei der FPÖ.)
Präsident Mag. Wolfgang Sobotka (das Glockenzeichen gebend): Ich bitte, solche
Äußerungen zu unterlassen. – Bitte.
Nächster Schritt: Verächtlichmachung!
Einem Bundesminister selbstverständlich unwürdig ist diese herablassende Antwort.
Es wird also vom eigentlichen Thema abgelenkt.
Das sollte einen billigen Gag doch rechtfertigen!
Bundesminister für Inneres Herbert Kickl (fortsetzend): Wissen Sie (Abg. Knes:
Eines Ministers nicht würdig! – Zwischenruf des Abg. Stefan), ich bin sehr, sehr froh
darüber, dass Sie genau das angesprochen haben, zu dem es jetzt auch die
tatsächliche Berichtigung gegeben hat, weil es sehr schön eine Methode aufzeigt.
Ich habe ja gestern, genauso wie Sie, in großen Schlagzeilen gelesen (Unruhe im
Saal – Präsident Sobotka gibt das Glockenzeichen), dass ich heute zur Beantwortung
dieser Dringlichen Anfrage nicht hier im Parlament sein werde. Sie haben das gelesen,
ich habe das gelesen, dass ich auf der Flucht bin – also Flüchtlinge gibt es hier
herinnen schon welche, das sind Immunitätsflüchtlinge, die sitzen dort (in Richtung
Liste Pilz deutend), auf dieser Seite des Plenums. (Zwischenrufe bei SPÖ und Liste
Pilz.) Ich habe gelesen, dass ich das Parlament …
Präsident Mag. Wolfgang Sobotka: Ich bitte alle Redner, auch den Herrn Minister,
die Würde dieses Hauses zu wahren. Ich bitte darum. (Anhaltende Zwischenrufe bei
der SPÖ.)
Das Niveau sinkt jetzt.
Kickl lenkt ab, versucht billige Witzchen anzubringen.
Ein Verhalten übrigens, das schon in der Volksschule von den LehrerInnen scharf sanktioniert wird.
Aber was ist schon die Volksschule gegen die Niederungen der FPÖ?
Bundesminister für Inneres Herbert Kickl (fortsetzend): Ich habe gelesen, dass ich
das Parlament gröblich missachte. Ich habe mir zwei dieser Meldungen
herausgeschrieben, die eine war: „Kickl kneift und geht auf Tauchstation“ – das war
eine große Schlagzeile; die zweite war: „Kickl will sich selbst nicht stellen“.

Ja, meine sehr geehrten Damen und Herren, so weit die Behauptungen und das, was
medial vertreten wurde, und die Tatsache ist, dass ich heute hier stehe und Ihren
Fragen auch eine entsprechende Antwort gebe. (Beifall bei der FPÖ.)

Der nächste, vorhersehbare, Schritt: Jetzt werden die Medien – wir wissen von der FPÖ, dass diese an allem schuld sind – angegriffen.
Wissen Sie, was das eigentlich Interessante daran ist? – Dass es immer genau so
vorgesehen war – immer genau so vorgesehen! Ein einziger Anruf in unserem
Ministerium jener Journalisten, die das geschrieben haben, hätte gereicht, um diesen
Sachverhalt aufzuklären. Wir wären unserer Auskunftspflicht total gerne
nachgekommen, um dieses Missverständnis aufzuklären, allerdings ist dieser Anruf
nicht erfolgt. Ich sage Ihnen das, denn: Hätte man dort angerufen, hätte man nebenher
den Punkt 2 des Ehrenkodex für die österreichische Presse erfüllt, und dieser Punkt
lautet in der Überschrift: „2. Genauigkeit“. Das ist etwas, wozu sich die Presse selbst
verpflichtet hat. (Beifall bei der FPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP.)
selbstverständlich auch zur Pressefreiheit ganz, ganz wichtig ist. (Beifall bei der FPÖ
und bei Abgeordneten der ÖVP.)
Man merke: Im Innenministerium wird ein Mail geschrieben, das von seinem Büro versendet wird.
Mit Weisung (natürlich sagen die Blauen jetzt, dass es keine Weisung war. Man kann sich aber denken, wenn solche „Anregungen“ nicht befolgt werden, was dann blüht.) wird bestimmten Medien der Maulkorb gegeben.
Diese Medien haben lt. ihm dann die Pflicht, sich zu melden.

„Genauigkeit“ -> weiter unten kommt das Zitat der „schlechten Formulierung“.
Interessant, dass der erklärte Gegner der Neonazis, nämlich Kritiker, Maßstäbe beachten müssen, die selbst nicht eingehalten werden.

Übrigens hat das Haus-und-Hof-Medium der FPÖ, die „Kronen Zeitung“, keine Achtung für den Presserat.
Wie passend!

Das ist auch der Grund dafür, dass sich weder gestern irgendjemand hinstellen musste
noch heute irgendjemand hier herstellen muss und zur Verteidigung der Pressefreiheit
und der Meinungsfreiheit ausrücken muss, die angeblich von mir oder von Mitarbeitern
meines Hauses in Frage gestellt wird. Ich sage Ihnen eines: Weder die Pressefreiheit
noch die Medienfreiheit werden von irgendeiner staatlichen Institution, von irgendeinem
Vertreter dieser Bundesregierung oder einem seiner Mitarbeiter in Zweifel gezogen
oder in Frage gestellt. Das gilt auch für das Bundesministerium für Inneres; das möchte
ich gleich am Beginn der Debatte mit aller Klarheit hervorstreichen. (Beifall bei der FPÖ
und bei Abgeordneten der ÖVP.)
Aufruf meinerseits: Wenn ein Mail an alle geschickt wird, in dem bestimmte Medien keine Informationen mehr bekommen sollen…wie soll das denn genannt werden?

Der „Ich mag dich nicht – Paragraph“?
Ein offizielles „Einmal aussetzen“ im Monopoly-Stil?

Oder ist es schlichte Zensur?

Ich war selbst lange Zeit in Opposition, Herr Kollege Scherak, und ich habe auch ein
gewisses Verständnis dafür, dass dann, wenn man irgendwie nicht recht vom Fleck
kommt und wenn es in anderen Parteien drunter und drüber geht, weil man nicht weiß,
wer auf wen folgt und wer welche Position einnimmt, ein gewisser oppositioneller
Modus einsetzt, ein gewisser oppositioneller Impuls entsteht, kleine Dinge möglichst
groß aufzuplustern, ein Gespenst an die Wand zu malen, das man dann bekämpft, und
je größer das Gespenst ist, desto größer scheint dann derjenige zu sein, der es
bekämpft. Das ist der Modus, mit dem Sie arbeiten. Das Problem dabei ist, dass das
mit Sein sehr wenig zu tun hat, dass aber der Schein eine sehr, sehr wichtige
Komponente in Ihrer Darstellung spielt. (Beifall bei der FPÖ.)
Kickl gibt also zu, dass die Positionen der FPÖ im Laufe der Jahrzehnte auf schlichter gespielter Empörung und Beeinflussung der Massen zum Erhöhen der Wählerstimmen basieren.
Die FPÖ wurde also durch den Schein groß. Hier könnte man direkt vermuten, dass die FPÖ durch Lügen so stark wurde. Durch Lügen und Manipulation.
Ist natürlich nur eine Vermutung… 😉
Diese Differenz von Sein und Schein ist, glaube ich, auch ein guter Aufhänger für die
gesamte Diskussion, die wir hier führen. Denn wenn jetzt behauptet wird, es gäbe
einen Maulkorb, es gäbe eine Infosperre, es gäbe einen Medienboykott oder, so wie
ich heute gehört habe, es gäbe einen Frontalangriff auf die Pressefreiheit, so ist das
alles Schein, was Sie hier behaupten, und hat mit dem Sein überhaupt nichts zu tun.
(Beifall bei der FPÖ.)
Er wiederholt sich.
Ich mich auch: Welchen Sinn hatte das Mail denn?

Oder konkreter: Aus welcher Motivation werden solche Weisungen verfasst?
War dem Ministerbüro fad? War man auf der Maus ausgerutscht? Wurde das BMI gehackt? Oder war es gar eine autonom handelnde linkslinke Wanze, die solche Aussagen via Mail schickt?

Welche Motivation steckt also dahinter?
Spaß an der Freud‘ wird es nicht gewesen sein, denn hinter jeder E-Mail, auch nur im privaten Bereich, steckt eine Ambition.
Man will etwas mitteilen.

Es ist genauso falsch wie Ihre Eingangsbehauptung, dass ich
gestern gesagt habe, ich komme nicht hierher, um mich der Diskussion mit Ihnen zu
stellen. Es ist genau die gleiche Qualität in diesen beiden Aussagen.
Die Vorwürfe, meine sehr geehrten Damen und Herren, stimmen aus mehrerlei
Hinsicht nicht.
Weiter geht’s mit „Die bösen Medien verunglimpfen mich. Mich, den armen Herbert, der doch nur das Wohl der arisch…*hust*…inländischen Bürgerinnen im Sinne hat“
Erstens: Das Mail, das zitiert wird, ist ein Schreiben des Ressortsprechers an seine
Kolleginnen und Kollegen, aber es ist keine Weisung an die Landespolizeidirektionen.
(Oh-Rufe bei der FPÖ. – Präsident Sobotka gibt das Glockenzeichen.) Es ist keine
Weisung. Ich sage Ihnen eines dazu: Glauben Sie denn wirklich, dass Beamte nur in
Form von Weisungen miteinander kommunizieren?
Nun, jetzt wiederhole ich mich gerne: Aus dem Büro des Ressortsprechers (ehemaliger „unzensuriert.at“-Chefredakteur BTW) kommt ein Mail, in dem Printmedien namentlich genannt werden, die keine Informationen bekommen sollen.
Nebenbei sollen, auch bei Kleinstvergehen, die Nationalitäten genannt werden.
Ach ja, sexuelle Delikte sollen auch gefiltert an die Öffentlichkeit getragen werden.

Das kommt vom Ressortleiter.
Der untersteht dem Minister direkt.

Hm. Schreibt der solche Mails in den Pausen zwischen Solitaire-Spielen?
Einfach aus Lust und Laune? Weil das Ministerium bloß so manche Medien bevorzugen will?

Ist es nur ein Hoax?

So viele Fragen…ich behaupte mal, das ist eine Weisung. Und damit man sich bei Veröffentlichung (wie in diesem Fall) abputzen kann, wird diese Weisung durch die Blume formuliert, sodass man, wird man erwischt, „das ist keine Weisung“ sagen kann.

Kickl, red‘ di net deppert ausse!

Es kann auch gar keine Weisung sein, weil dieser Mitarbeiter in einer Funktion ist, aufgrund derer er
gar keine Weisungen erteilen kann (Ruf bei der SPÖ: Umso ärger!), und alle
Empfänger dieses Mails wissen das ganz genau. Das ist kleines Beamten-Einmaleins,
Herr Abgeordneter Scherak, das man zwar ignorieren kann, aber durch die Ignoranz
wird Ihre Behauptung nicht richtiger. (Beifall bei der FPÖ.)
OK.

Der Ressortchef schreibt also Mails, wo eindeutig Trends vorgeschrieben werden.
Er kann aber keine Weisungen erstellen.
Das heißt, er handelt eigenmächtig.
Das heißt wiederum, Kickl hat seine Mitarbeiter nicht im Griff, denn sie machen einfach, was sie wollen.

Ja, das klingt wirklich nach einem Minister, der Management-Fähigkeiten aufweist.
Nicht einmal ein Fußballtrainer beim FC Eierbach würde so überleben, wenn seine Spieler einfach eigenmächtig Scheiße bauen.

Der zweite Punkt: Weil man mir immer wieder sagt, ich würde mich hier abputzen
wollen oder ich distanzierte mich von einem Mitarbeiter, muss ich schon eines
richtigstellen: In den Medien ist gestanden, es ist irgendein Geheimpapier, Kickls
Geheimpapier, Kickls Boykott oder irgendetwas, und auch jetzt, in der zweiten Zeile
Ihrer Begründung steht wiederum drinnen, dass es ein Schreiben meines Kabinetts
ist. – Das ist schlicht und ergreifend falsch, was hier behauptet wird! Das ist es nicht.
Glauben Sie wirklich, dass ich als Ressortverantwortlicher tatsächlich weiß, wer von
den 6 000 Mitarbeitern, die ich in etwa in der Zentralstelle habe, wann wem welches
Mail mit welchem Inhalt schickt? Wie realitätsfremd ist denn so etwas, Herr Scherak,
was Sie hier behaupten? – Absolut realitätsfremd! (Beifall bei der FPÖ und bei
Abgeordneten der ÖVP.)
Klassischer „Leistungsträger“.
Wird das Gehalt eines dieser Chefs angezweifelt, begründen sie es mit „Verantwortung“.
Wenn aber Mist passiert, stehen sie abseits dieser ominösen „Verantwortung“.

Klarer Fall von „Fehlbesetzung“, wenn die Mitarbeiter einfach solche Mails an die Massen senden können.

Dann ist der Chef die Spitze des Unheils.

Ich glaube, dass jeder, der so etwas behauptet, noch für
keinen einzigen Tag irgendeine Position in einem ähnlichen Apparat eingenommen
hat, sonst wäre das schlicht und ergreifend nicht möglich.
für GUTE Führungskräfte ist das sehr wohl möglich.
Diese übernehmen übrigens die Verantwortung für Fehlleistungen oder -besetzungen in ihrem Dunstkreis.
Jetzt zum dritten Punkt, zum eigentlich zentralen Punkt, da geht es um die Frage des
Inhalts: Es findet sich inhaltlich in diesem circa fünf Seiten langen Text kein einziges
Wort in Richtung einer Informationssperre, in Richtung eines Boykotts, wie Sie das
immer wieder behaupten. Keiner dieser Begriffe kommt darin vor. (Abg. Strolz: Sie
müssen zwischen den Zeilen lesen!) Wissen Sie, was darin vorkommt? – Darin kommt
eines vor, nämlich ein eindeutiger Verweis auf die Notwendigkeit der Erfüllung der
rechtlich vorgesehenen Auskunftspflicht – das ist es, was da drinnen vorkommt, das
steht drinnen –, und zwar gegenüber allen Medien, auch jenen, die als kritische
bezeichnet werden, und selbstverständlich gegenüber der interessierten Öffentlichkeit,
was Ihnen offensichtlich weniger gefällt, meine sehr geehrten Damen und Herren!
(Abg. Lausch: So ist es!)
Anders ausgedrückt: Es besteht nur rechtliche Auskunftspflicht, wenn es sein muss.
Wenn es aber nicht unbedingt sein muss, bitte den „Falter“, den „Standard“ und den „Kurier“ aussperren.
Nebenbei sollen die Nationalitäten bei jedem Delikt genannt werden…welche Medien würde dies wohl interessieren? Das werden doch nicht etwa die „Krone“, „Heute“, oder die Schülerzeitung „Österreich“ sein?

Den Rest kann man im Protokoll nachlesen.
Kickl at it’s best: Man windet sich, man patzt an, man stellt sich als fehlerlos und Opfer dar, man ist überhaupt so unverstanden, dass es weh tut.

Frage, Herr Innenminister?
Wenn ich jetzt keine Achtung vor Ihnen als Mensch und Minister habe, muss ich mich jetzt vor Ihnen fürchten?
Denn immerhin erweisen Sie sich täglich als jemand, dem die Demokratie mitsamt ihren Spielregeln völlig blunzn ist.

Ich freue mich auf den Tag, an dem Sie im Gefängnis sitzen, kleiner Mann.
Und ich verwünsche Eva Glawischnig für ihren jugendlichen Fehler, sie nicht wenigstens EINMAL geküsst zu haben.
Das hätte der Republik viel Hass und Spaltung erspart.

Aber klar, Frau Glawischnig: Kickl hätte ich auch nicht geküsst in der Schule. Höchstens mit der flachen Hand.

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Kickl oder „gefährliche Komplexe“


Wer sich noch an Wolf Martin aus der „Kronen Zeitung“ erinnern kann, weiß um des Innenministers zweifelhafte Qualitäten: Reime erstellen, die mindestens einen einzelnen Menschen, meist aber ganze Volksgruppen verächtlich machen sollen.

Reime erzeugen als leicht merkbare Slogans verheerende Wirkung.
Kreiert man die richtigen, bleiben sie in den Köpfen der Menschen.

Herbert Kickl wusste dies.
Deshalb tobte er sich jahrelang als „Master of Rhyme“ der FPÖ aus.

„Pummerin statt Muezzin“
„Daham statt Islam“
„Heimatliebe statt Marokkanerdiebe“
und viele zweifelhaft tolle Verse zierten für lange Zeit die Wahlplakate der FPÖ.

Kickl

Einer Partei, die sich spätestens seit dem Antritt als Regierungs-Junior in der aktuellen Konstellation „Türkis-Blau“ mit unsagbarer Inkompetenz, gepaart mit gefährlicher Ideologie und Aggression, Rassismus, totalitären Ideen und demokratiefeindlichem Verhalten hervorgetan hat.

Herbert Kickl war lange Zeit als „Mastermind“ der FPÖ verschrieen.

Dieser „Mastermind“ torkelt seit seinem Amtsantritt durch die politischen Lande, sucht Professionalität wie ein Blinder die Farben, zeichnet sich durch Skrupellosigkeit und fragwürdige Methodik aus.
Noch keine einzige Aktion von ihm als Innenminister der Republik könnte man als „visionär“ oder zumindest „klug“ bezeichnen.

Nein, er stellt einfach den Rammbock der Neonazis dar: Ähnlich seinem latenten Vorbild, nämlich dem hatscherten Propagandaminister der schmächtigen Gestalt, Joseph Göbbels, überschreitet er permanent Grenzen, um wieder zurückzurudern.
Die Motivation dahinter ist transparent, anders als sein versuchtes Verhalten: Es soll ständig Neuland der Grauslichkeiten betreten werden, damit die Hemmschwelle der Menschen sinkt.

Inzwischen ist die Polizei gefährlich nach rechts gerückt, neue Rekruten werden in parteitreuen Magazinen wie dem „Wochenblick“ gesucht. https://derstandard.at/2000081432412/Innenminister-sucht-Polizeinachwuchs-in-rechten-Medien
Einschlägig bekannte Menschen (so der Mediensprecher Alexander Höferl, seines Zeichens Ex-Chefredakteur der rechtsextremen Publikation „unzensuriert.at“) werden installiert. https://kurier.at/politik/inland/unzensuriert-verantwortlicher-im-kickl-kabinett/302.774.526
„Linke“ oder unbequeme Mitarbeiter sollen schleunigst entfernt werden, auch mit Gewalt (Schlag nach beim BVT-Skandal, der das Vertrauen ausländischer Geheimdienste kostete). https://de.wikipedia.org/wiki/BVT-Aff%C3%A4re
Medien werden verächtlich gemacht oder von Informationen ferngehalten.
Norbert Steger forderte ja erst vor kurzem ein Ende der „unbotmäßigen“ Berichterstattung des ORF. („unbotmäßig“ – sich nicht so verhaltend, wie es [von der Obrigkeit] gefordert wird – Duden) https://diepresse.com/home/kultur/medien/tvkritik/5431781/Norbert-Steger-und-sein-Erziehungsauftrag-in-der-ZIB2

An den Nebenschauplätzen der Partei werden beinahe täglich rassistische oder verlogene Aktionen durchgeführt.

So „verhaftet“ Nationalrat Höbart afghanische Kunden im Supermarkt, obwohl sie nichts gestohlen haben.
Ein Lehrling wird bloß so als Islamist denunziert, obwohl er unschuldig ist.

Die Liste ist endlos und täglich länger werdend.

Kickl ist der Rammbock: Er soll die Polizei auf Linie bringen.
Sie soll das Parteiorgan werden, als eine (noch) harmlose Variante der früheren SA soll sie die Belange der Partei, wenn möglich mit Gewalt, willenlos exekutieren.

Nur ist Kickl nicht nur rechtsextrem und gefährlich, sondern auch dumm: Im Machtrausch vergaß er, dass ein Regime nicht über Nacht entsteht, sondern sanft und langsam.
Mit der Brechstange lassen sich demokratische Säulen eines Rechtstaates nicht so leicht demontieren.

Ist es wie bei Göbbels, Napoleon und Konsorten wirklich ein Komplex, der zu solch psychopathischem Verhalten verleitet?
Sind kleine Männer in der Politik wirklich tendenziell gefährlicher?
Darüber lässt sich philosophieren, vielleicht sogar ein Trend errechnen.

Herbert Kickl jedoch ist garantiert ein gefährlicher, die Demokratie verachtender, rechtsradikaler Mensch, der, wenn er könnte, im Nu Menschen (Kritiker, Ausländer, Flüchtlinge usw.) verschwinden lassen würde.
Ganz im Sinne seiner Partei, der Nachfolgefraktion der NSDAP.

Dass unser Staat diese Machenschaften zulässt, ist skandalös und beschämend.
Damit sollte endlich Schluss sein!

Rücktritt der Verantwortlichen in der Regierung, die sich wie Despoten benehmen, ist zuwenig.
Wenn wir aus Schwarz-Blau I. gelernt haben wollen – immerhin füllen deren Protagonisten mittlerweile die Gerichts-Säle – sollte der Staat endlich reagieren.

Ich spreche nicht von Rücktritten, sondern von:

Gerichtsverfahren gegen die Verfassungsfeinde (Kickl, Strache, Kunasek, Podgorschek uvm.) und deren Helfer in der ÖVP wie Kurz und Sobotka.
Verbot der FPÖ
Neuwahlen

Geschieht dies nicht in Bälde, werden sich einige von uns bald im Gefängnis oder schlimmeren Institutionen wiederfinden.
Denn bald brechen die Dämme, dann ist es zu spät.

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Walk 4 Humanity – Tag 32 – die Slowakei


Da ich heute, am 25.Juni – es ist übrigens seit dem Start exakt ein Monat vergangen! – die Slowakei Richtung Ungarn verlasse, ein Resumee über das nordöstliche Nachbarland Österreichs.

Wie alles im Leben ist auch die Slowakei ein Land mit guten und schlechten Eigenschaften.
Ich beginne daher mit den für mich negativen Eindrücken, um später die vielen positiven Facetten dieses schönen Landes hervorzukehren.

Zuerst das Negative:

  • Korruption

Man sieht, dass in der Slowakei die Korruption gang und gäbe ist.
Geht man zu Fuss durch ein Land, hat man permanent die Gelegenheit, Kleinigkeiten unter die Lupe zu nehmen, die einem sogar mit dem Rad entgehen würden.
Darunter die infrastrukturiellen Mängel, welche einem ständig vor die Augen fallen.

Die Gehwege am Straßenrand sind viel zu oft mit „mangelhaft“ noch diplomatisch benotet.
Unentwegt enden gut gepflasterte Gehwege im Nichts.
70% der Gehsteige neben den Straßen sind sogar für Fußgänger ständig gefährlich.
So kann man jederzeit hängenbleiben, stolpern, oder gar stürzen, da der Asphalt wahrscheinlich zum letzten Mal im Krieg ausgebessert wurde.

Ausnahmslos in jedem Dorf, als auch in jeder Stadt enden Gehsteige abrupt.
Oder es wechselt katastrophaler Zustand plötzlich mit hervorragend gepflasterten Wegen, meist zufällig.

Hier erkennt man die Korruption, denn bei seriösen Aufträgen wären die Wege auch fertiggestellt worden.
So wirkt fast jeder Seitenstrang der Hauptstraßen wie eine zufällige Aneinanderreihung von Moderne und Verfall.

In den Seitengassen sind die Gehsteige meist gar nicht vorhanden.
Auch in den Städten ist man oft gezwungen, auf der Straße zu gehen, weil es keine Gehwege gibt.

Das Selbe gilt für Gebäude.

Neben luxuriös ausgestatteten Villen stehen in regelmäßigen Abständen Relikte aus dem kalten Krieg.
Verfallen, gruslig, einer Zeitreise gleichenden Abstraktion wirkende Gebäude, deren Zustand jedes Mal eine schauerliche Geschichte erzählen.

In Österreich würde unsere verwöhnte Gesellschaft diese Norm nicht akzeptieren.
Die Gemeinden wären jährlich wahrscheinlich von der Bevölkerung in Grund und Boden geklagt werden.

  • Lebensstandard

Der Lebensstandard ist mit österreichischen Verhältnissen nicht vergleichbar.

Sollten sich rechts angehauchte Menschen in Österreich wundern über die Arbeits-Migration vieler Slowaken nach Österreich, so bin ich nicht im Geringsten überrascht.
Die Nähe zu einem der reichsten Länder der Welt verlockt eine/n Slowaken/in natürlich, in unserem Land zu arbeiten.
Schließlich winkt mindestens der doppelte Lohn, während hier in der Slowakei für die gleiche Arbeit maximal 600€ bezahlt werden.

Natürlich sind dadurch in der Slowakei die Lebenskosten im Durchschnitt billiger.
So kostet eine 2-Zimmer-Wohnung hier noch um die 200-300€/mtl.
Doch sind Sprit und Nahrungsmittel an westliche Verhältnisse angepasst.
Ein durchschnittlicher Rentner bekommt nicht mehr als 500€ im Monat, womit natürlich die wenigsten Menschen hier ihr Auslangen finden.

Der Sprit in der Slowakei ist sogar teurer als in Österreich, womit die gesamte Raunzerei unserer Landsleute für mich schon längst ad absurdum geführt werden.

Für einen wie mich sind die Preise hervorragend: Wenn man von Dorf zu Dorf wandert, bekommt man ein (hervorragendes!) Menü in einem Restaurant oft um nicht mehr als 3,50€.
Bei uns löhnt man für die selbe Menge Essen garantiert 15€ aufwärts.

Trinkt man gerne Bier, ist man nach Bratislava ausnahmslos verwöhnt: Ein Krügerl hochqualitatives Bier kostet nirgends mehr als 1,30€ (zum Vergleich Wien: Nicht unter 3,70€)
Der Kaffee (in Österreich ab 3,50€), meist nur minderwertiger Löskaffee, wird überhaupt nicht mit mehr als einem Euro verrechnet!

Ebenso Gebäck und Mehlspeisen: Ich gebe zu, dass mir die meisten slowakischen Mehlspeisen besser schmecken als die heimischen.
Freilich ist dies aber Geschmackssache.
In den großen Supermärkten (BILLA, Lidl, Kaufland usw.) bekommt man ein großartiges Grahamweckerl um 15 Cent.
Ein Pizza-Baguette lockt dem Konsumenten kaum mehr als 50 Cent aus dem Portemonnaie.

Anders sieht es aber bei Fleisch, Wurst, Drogerie- oder sonstigen Artikel aus: Hier unterscheiden sich die Preise meist nicht im Geringsten von den unsrigen.
Die Gehälter der Einheimischen jedoch schon.
Ein Duschgel, oder ein Waschmittel…der einheimische Slowake muss sich hier ganz genau überlegen, wie viel Geld ihm nach dem Nachrüsten von Hygiene-Artikel noch bleibt.

Deshalb kommen wir gleich zum nächsten, dicken Problem der heimischen Bevölkerung.

  • Alkohol

Der Alkoholismus schreit einem direkt ins Gesicht!

Öffnet man die Augen und sieht genau hin, erkennt man, dass ein Gutteil der Bevölkerung dem Alkohol verfallen ist.
Wundert mich nicht, denn schließlich ist das Bier und der Schnaps eine Okkasion und verleitet zum Trinken.

Hier gehört es – insbesondere am Land – zum guten Ton, schon am frühen Vormittag Bier zu trinken.

Am Wochenende, sofern man um Mitternacht noch munter ist, sieht man viele Einheimische, meist Männer, stockbesoffen durch die Gegend tingeln.
Man sollte also vorsichtiger sein, vor allem als Mann, wenn man spätabends durch Städte geht.
Es ist leicht möglich, von einem Betrunkenen angepöbelt zu werden.

Auch der Jugendschutz ist hier nur ein Mythos.
Jugendliche, auch oft Kinder mit nicht einmal vierzehn Jahren, bekommen in jedem Landgasthaus ungefragt ihr Bier, wenn sie eines bestellen.

Der Umgang mit dem Alkohol ist viel zu locker und sicherlich eine der Hauptursachen für den stotternden Lebensstandard.

  • Roma und Sinti

Ab Nitra sieht man eine ständig wachsende Population von Roma und Sinti.
Wie befürchtet lässt sich ein eklatanter Lebensunterschied zwischen Slowaken und Roma feststellen.

Ganz besonders ist mir das Dorf Slatina auf der Strecke zwischen Nitra und Lucenec in Erinnerung.
Leider war es mir mangels Energie in meinem Handy nicht möglich, Fotos zu schießen, doch sah ich in Slatina zum ersten Mal wirkliches Elend.
Die Roma in diesem Dorf lebten in Wellblechhütten, meist ohne Strom und jeglichen westlichen Komfort, abseits der slowakischen Bevölkerung.
Obwohl Haus an Haus wohnend, spürt man die Ablehnung der Slowaken gegen die Roma-Bevölkerung, wodurch der Jugend dieser Minderheit auch kaum Chancen gegeben werden.

In Lucenec wie auch in Velky Krtis, Vrable usw. fällt auf, dass die Roma-Jugendlichen eher wie „harte Krocha“ gekleidet sind, weil ihnen die Akzeptanz durch die Mehrheit entzogen ist.
Diese Jugendlichen rauchen und saufen auf offener Straße, und mich wundert es nicht.
Die strikten Vorurteile spürt man als Außenstehender fast körperlich!

Mitten in der EU wird eine Volksgruppe, obwohl es immer wieder thematisiert wird, de facto im Stich gelassen.
Hier sollte schleunigst ein Umdenken geschehen, denn es ist unverständlich, dass eine anerkannte Minderheit in Mitteleuropa jeglicher Zukunft beraubt wird.
Nur, weil sie einen dünkleren Teint besitzen und in eine Volksgruppe hineingeboren werden, die höchstens geduldet wird.

Die europäische Union wäre meiner Meinung in der Pflicht, für besondere Unterstützung zu sorgen, da Roma und Sinti auch in anderen EU-Ländern wie Ungarn, Tschechien, Rumänien, Bulgarien usw. von der Mehrheit der Menschen wie Menschen zweiter Klasse betrachtet werden.

  • Müll

Der legere Umgang mit Müll schreit einen direkt an.
Es wird achtlos weggeworfen, was verbraucht wurde.
Am Straßenrand türmt sich oft der Sperrmüll, auch in den Städten liegt überall Plastik, Aluminium oder sonstiger Mist herum.
In Österreich undenkbar und ein „Must“ für die osteuropäischen Staaten, hier endlich nachzuziehen!
Die Umweltsituation erlaubt keinen lockeren Umgang mit Abfall mehr, vor allem, wenn es sowieso in Ländern geschieht, deren Infrastruktur weit hinter den zu wünschenden Normen hinterherhinkt.

Es wären noch viele andere Negativ-Aspekte anzusprechen, doch würde dies den Rahmen sprengen.

Positiv

Mir ist daher lieber, die Vielzahl an Positiva zu erwähnen, die mir begegnet sind.

  • Freundlichkeit

Die Slowaken sind ein durchaus freundliches Volk.

Mir begegnete enorm viel Gastfreundschaft und Freundlichkeit.
Egal, ob in den kleinsten Dörfern oder in Städten wie Trnava und Bratislava: ausnahmslos agierten die Einheimischen sehr freundlich dem fremden Wanderer aus Österreich gegenüber!

Sicher liegt es auch daran, dass ich aus einem reichen Land komme und mein Vorhaben außergewöhnlich ist.

Das typische „Wer is er denn, wos kaunn er denn, wos glaubt er, wer er is?“ (Zitat Falco – „Egoist“) fiel komplett weg.
Vorurteilsfrei wurde ich oft behandelt wie einer der ihren und nicht selten mit Freundlichkeit überschüttet.

Nirgends wurde ich auch nur indirekt mit Gewalt konfrontiert, nein, nicht einmal laut gestritten wurde irgendwo, wo ich in der Nähe war.

Die Menschen sprechen zwar oft laut miteinander, doch niemals sah ich einen Anflug von Aggression im Zwiegespräch.
Betrunkene, die in einem Lokal nicht bedient wurden, verließen diese ohne Murren.
Die Menschen geben bereitwillig Auskunft bei Fragen, versuchen mit gebrochenem Deutsch oder Englisch auf den Österreicher einzugehen.
(Wobei ich selbstverständlich bei jeder Gelegenheit die paar slowakischen Wörter, die ich lernte, verwendete)

  • Polizei

Bei aller Korruption, die österreichische Polizei kann sich von ihren slowakischen Kollegen nicht nur ein Scheibchen abschneiden!

Im gesamten Land kreuzten viele Polizisten meinen Weg.
Niemand beäugte mich mit dem Wagerl mißtrauisch, kein einziger Polizist vermittelte dieses bedrohliche „Law & Order“-Gefühl, das unsere sogenannten „Freunde und Helfer“ gerne ausstrahlen.

Kein einziger Polizist hier kommt so halbstark und bedrohlich entgegen, dass man fürchten muss, für irgendetwas Erfundenes bestraft zu werden.

Hierzu eine kleine Anekdote aus Trnava: Mein neuer slowakischer Freund Miroslav, der mir für zwei Tage Obdach bot, wollte mir noch die (wunderschöne) Altstadt seines Heimatortes präsentieren.

Er ist nicht unbedingt ein Bummler, was das Autofahren betrifft.
Viel zu schnell und fahrig erzählte er mir über jedes alte Gebäude, ob Synagogen oder Stadtmauern, eine Geschichte, und vergaß aufs Blinken.
Da sich hinter uns eine Polizeistreife befand, kam es, wie es kommen musste: Die Sirene wurde eingeschalten, er musste rechts ranfahren.

Ich war verblüfft: In Österreich kann man tun, was man will, man bekommt ein saftiges Strafmandat.
Miroslav erklärte, was sein Beifahrer vorhat, was den Beamten natürlich egal schien.
Als sie 10€(!) Strafe zur Sofortzahlung verlangten, er aber kein Bargeld mit sich trug, ließen sie sehr freundlich von einer Bestrafung ab und mahnten ihn (eher mit dem Ton eines Freundes, nicht mit dem herrschenden Geblaffe hiesiger Polizisten) gelassen ab, ein bisschen besser aufzupassen.

PolizistInnen hier grüßen einen von selbst freundlich.
Sie sind nicht dunkel, sondern hell und sehr leger gekleidet. Auch ein Faktor, der für einen gelasseneren Umgang mit der Exekutive sorgt.

Mir kommt vor, als sähen sich die PolizistInnen in der Slowakei wirklich als Hüter der Ordnung und nicht als Gott-gleiche Autorität, wie es in meinem Heimatland leider viel zu oft der Fall ist.

Sicher wird es auch fehlgeleitete PolizistInnen geben, die wie überall auf der Welt meinen, die Allmacht zu besitzen und diese auszunutzen.
Die Korruption der Exekutive in der Slowakei ist hierzulande ein großes Thema!
Doch spürt man es als Mensch nicht, dass die Polizei herumwuselt.
Sie ist mehr angenehme Begleitung denn dunkle Bedrohung, wie sie in Österreichs Städten gerne agiert.

In Wien kreuzen an jeder Ecke bewaffnete PolizistInnen den Weg, die Aussage „Wehe, du überschreitest irgendein Gesetz“ vermittelnd.
Dieser Eindruck fehlte in der Slowakei völlig.

Sehr, sehr angenehm!

  • Gastfreundlichkeit

Die Gastfreundlichkeit der SlowakInnen ist überragend!
Obwohl die Menschen in diesem Land weit weniger Geld zur Verfügung haben wie in Österreich, wird man überschüttet mit Einladungen und Zuvorkommenheit in diesem Land.

  • Weltoffenheit

Ich dachte, als ich die Slowakei betrat, dass mir relativ große Borniertheit Fremden gegenüber begegnen würde.

I wo!

Jede Begegnung, die ich hatte, ohne Ausnahme, verlief überraschend weltoffen und eher politisch „links“ denn reaktionär.
Auch auf dem Land, und hier war ich völlig unvorbereitet mit depperten Vorurteilen meinerseits gesegnet, wie sich herausstellte.

Das Bild, das einem von den Medien über den Osten vermittelt wird, wurde schon zu Beginn aus den Angeln gehoben.
Für einen, der um die Welt geht, ein hervorragender Motivations-Schub, wenn man schon am Anfang seine eingeimpften Vorurteile auf die geistige Müllhalde werfen darf.

Zusammengefasst:

Ich kann jedem Österreicher, jeder Österreicherin, als auch jedem Menschen auf der Welt, einen Trip in die Slowakei nur empfehlen!

Nicht nur, dass die Menschen extrem nett sind, können die Devisen auch helfen, diesem von Korruption und den Nachwehen des Ostblocks gebeuteltem Land ein wenig auf die Sprüngen zu helfen.

Persönlicher Tipp: Nitra! Dieses Kleinod von Stadt wirkt wie eine Mini-Version von Graz und liegt als wunderschöne Ortschaft mitten im Land.
Ein Must-see!

Das Essen und Trinken in der gesamten Slowakei ist absolut top, die Preise unschlagbar, die Freundlichkeit erschlägt einen und wirkt nicht so aufgesetzt wie in vielen Tourismus-Destinationen des Westens.

Auch hat man hier niemals das Gefühl, es wird nur darauf gezielt, einem das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Ein schönes Land mit netten Menschen, das völlig unverdient keine Rolle für den Westen spielt…

Seht euch die schöne Slowakei doch mal an!
Und reist weiter als nur nach Bratislava!

 

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Walk 4 Humanity – Tag 30


Liebes Tagebuch,

diese Woche war der endgültige Kick, um überzeugt von meinem Vorhaben zu sein.

Obwohl die erste wirkliche Härteprüfung, immerhin legten Maja und ich in fünf Tagen unter größter Hitze 150 Kilometer und insgesamt 2000 Höhenmeter zurück, war diese Woche menschlich ein Paukenschlag, der mir endgültig zeigte, wie wichtig dieses Unternehmen ist.

Nitra-Lucenec

Bedenke, liebes Tagebuch: Als ich begann, kam ich durch den schweren Rucksack kaum weiter und konnte kaum etwas erzählen.
Das Wagerl allerdings änderte alles.

Natürlich erleichtert es das Fortkommen ungemein und lässt Maja und mich zeitweise in enormer Geschwindigkeit durch die Lande schreiten.
Doch ist der Kollateral-Effekt des rollenden Koffers der entscheidende!

Jetzt nämlich fällt man auf!
Mit einem Rucksack wirkte ich wie ein 08/15-Tourist, der einfach nur aus Spaß durch die Gegend tingelt.
Das Wagerl jedoch zieht Aufmerksamkeit auf sich.

Neugierig werde ich immer wieder von Menschen angesprochen.
Maja ist schon gewinnend wie keine Zweite, aber sie wirkt nicht, als wäre meine Ankunft etwas Spezielles.

Dass jedoch jemand mit Hund und Schiebe-Dreirad daherkommt, das macht neugierig.

Der Effekt, den mein Auftauchen mittlerweile erzielt, ist atemberaubend, selbst für mich.
Vor dem Start habe ich mich mit allen Eventualitäten auseinandergesetzt, die bei so einer Reise eintreten könnten.
Natürlich war mir auch bewusst, dass alles, was ich bedenke, nur ein Bruchteil dessen ist, was mir wirklich blüht.

In diesem Jahr, in dem ich besessen war von dem Projekt, wusste ich instinktiv, dass es positive Wirkung auf die Menschen erzielt.

Die Dimension dessen, was täglich auf Maja und mich an Eindrücken reinprasselt, übertrifft meine kühnsten Erwartungen.
Sicher könnte man jetzt „Das hat ja erst angefangen“ meinen.
Ist auch korrekt.

Andererseits gebe ich zu Bedenken, dass es zwar erst angefangen hat, aber es ist auch alles brandneu.
Ab dem Start wurde ich mit einer gänzlich neuen Lebenssituation konfrontiert und musste erst lernen, wie es ist, täglich in eine Richtung zu gehen.
Ohne nach Hause zu gehen am Abend, ohne üblichen Feierabend, ohne meine Lieben, mit denen ich mich bei Bedarf treffen kann.

Dazu kommt, dass die Slowakei ein Land ist, in dem eine absolut fremde Sprache gesprochen wird.

Es war für mich (wie für die meisten Menschen) ein Novum, plötzlich alleine und abseits der Touristen-Destinationen, ohne Sprachkenntnis durchzukommen.

Gut, manche hier sprechen zumindest gebrochen Englisch oder Deutsch.
Östlich von Bratislava sind es aber sehr wenige, mit denen man sich wirklich fließend unterhalten kann.

Zum Glück weiß ich um die Mittel des modernen Internets: Die Google-Translator-App leistete mir jetzt schon mehrmals wertvolle Dienste.
Dazu aber gleich.

Diese vierte Woche des Projekts „Walk 4 Humanity“ hatte es in sich.

Am frühen Nachmittag des letzten Freitags (15. Juni) starteten Maja und ich vom wunderschönen Nitra nach Osten.
Das nächste anvisierte Etappenziel war Lucenec, eine kleine Stadt in der Mitte der Slowakei, von wo ich ab Montag, dem 25. Juni (passend übrigens, dass genau einen Monat nach dem Start die nächste Landesgrenze überschritten wird) Richtung Süden im nur 15 Kilometer entfernte Ungarn eintreffe.

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Von Nitra bis Lucenec sind es exakt 151 Kilometer zu Fuss.
Zwischendurch war ein Zwischenstopp in Levice, einer kleinen Stadt cirka 50 Kilometer von Nitra, geplant.
Zum Auffrischen und Proviant auffüllen, denn es ist nicht gewährleistet, in den Dörfern am Weg die Gelegenheit zum Einkauf zu haben.

Netto marschierten Maja und ich also knappe 150 Kilometer bis Lucenec in fünf Tagen.
Warum fünf? Einen Tag schliefen wir in Levice, weil mein neuer slowakischer Freund, Miroslav, mit seinem entzückenden Sohn, dem Taferlklassler Matus, vorbei kam.

Das sind durchschnittlich 30 Kilometer am Tag.
Genau das Ziel, welches ich mir als übliche Tagesstrecke für die gesamte Reise um die Welt vornehme.

Endlich war es uns auch möglich, diese Strecke am Tag zu absolvieren.

Wäre da nicht die Hitze gewesen…

KEIN Tag verging, an dem das Thermometer weniger als 30° zeigte.
Kein Tag, an dem die Sonne nicht unbarmherzig bis zum späten Abend den Boden versengte.

Diese glühende Hitze war aber nicht genug.
Insgesamt legten wir zwei 2000 Höhenmeter zurück, wobei es eine Steigung (nach Slatina) gab, die sage und schreibe 17 Kilometer fast unaufhörlich zu bewältigen war.

Als wäre dem nicht genug, führte dieser Wahnsinns-Abschnitt durch Waldgebiet, wo kein Dorf, kein Mensch, kein Handy-Empfang, gar nichts war.

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Während wir uns hinaufplagten, sausten zig Autos an uns vorbei, doch im Gegensatz zum Beginn waren wir die rasenden Straßengefährten schon gewohnt und wussten dadurch, wie wir uns am Straßenrand zu verhalten haben.

Übrigens, für jeden Straßenwanderer: Es gilt Murphys Gesetz auf der Straße!
Wenn auch zehn Minuten kein Auto vorbeifährt…ausgerechnet, wenn eines kommt, hört man fast immer auch aus der Gegenrichtung ein KfZ herbeirasen.
Und wie es bei Murphys Gesetz eben so ist, treffen beide Gefährte genau an dem Punkt zusammen, wo wir stehen.

Ich habe nicht mitgezählt, wie oft das Fahrzeug auf unserer Seite stoppen musste, weil der Gegenverkehr genau bei uns vorbeizischen würde.
So nehmen wir den nötigen Platz weg, und einer muss stoppen.

Danach? Meist wieder viele Minuten kein Fahrzeug…

Am Dienstag absolvierten Maja und ich dieses Horror-Stück, und zwar bei drückender Hitze, die sich im Waldgebiet in beklemmende Luftfeuchtigkeit umwandelte.
Alles bergauf…

Während wir uns so den Berg hinaufquälten, stand genau am obersten Punkt ein Auto.

Der Fahrer stand verzweifelt bei offener Motorhaube, ohne Handyempfang, und konnte nicht weiterfahren.

„May I help?“ sagte ich.
Er merkte, dass ich einen leicht deutschsprachigen Akzent besitze und sprach mich in gebrochenen Deutsch an, dass er den Schlauch nicht reinbekommt.
Was er meinte, war der Schlauch, der den Turbolader füttert.
Der Eisenring, der zur Sicherung des Schlauches dient, war runtergesprungen.
Ein Mann alleine kann ohne passendes Werkzeug diesen Ring nicht ordentlich drüberstülpen und somit den Schlauch sicher befestigen.

Wäre ich nicht gekommen…wer weiß, wie lange der gute Mann noch dortgestanden wäre ohne Handynetz.

So konnte meine Wenigkeit durch den Zufall unserer Begegnung schon mal dem ersten Menschen WIRKLICH helfen.

Die Dankbarkeit in seinem Gesicht war herzerweichend.
Er war so glücklich, dass er mich bezahlen wollte, was ich natürlich ablehnte.

Nach einer fabulösen Nacht in freier Natur, oben auf dem Hügel mit 505 Metern Seehöhe…wir schliefen auf einer riesigen, butterweichen und Gelsen-freien Wiese, wo in der Ferne eine Wildschwein-Herde grunzte, aber von Majas Wachinstinkt verjagt wurde…genoss ich später in der Nacht das Privileg, zum ersten Mal in meinem Leben keine Lichtverschmutzung beim Sternenhimmel zu sehen.
Zum ersten Mal sah ich deutlich die Milchstraße, wie sie sich als weißer Schleier durch die klare Nacht dehnt.

Ein zauberhafter Moment!

Am Mittwoch ging es endlich abwärts, wobei mich das Wagerl bergab mehr stört als bergauf, muss ich doch dauernd gegenwirken, damit die Erdanziehungskraft mir das Ding nicht aus den Händen reißt.
Nach einer Nacht in einem Feld bei Velky Krtis, einer Kleinstadt westlich von Lucenec, ging es weiter über die Landstraße 75, auf der wir uns fast ausnahmslos von Nitra weg befanden.

Von der extremen Mittagshitze geplagt waren wir zwei Stunden eigentlich nur auf der Suche nach dem nächsten schattigen Platz.

Plötzlich tauchte neben einer Bergab-Rampe eine Parkbank im Schatten auf.
Keine Ortstafel erzählte mir, wie diese kleine Siedlung, zu der diese Bank gehört, eigentlich heißt.

Maja legte sich zufrieden und müde ins Gras, während ich heilfroh war, im Schatten sitzen zu können, um der Mittagssonne auszuweichen.

Wie aus dem Nichts kam eine ältere Frau (um die 70) vorbei.

Als sie Maja sah, drehte sie kehrtwendend um, nur um mit zwei Flaschen Wasser und einem Reindl aufzutauchen, damit sich mein Hundsi am Wasser laben kann.
Natürlich hatte ich auch Wasser und ein Gefäß mit, doch handelte es sich nur um eine fragile Plastikschüssel, die schon einen Riss hatte.

Nataska (so der Name der alten Lady) meinte sofort, ich soll ihren kleinen Kochtopf als Wasserschüssel behalten.

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Nataska. Sie hat materiell weniger als nicht. Und ist doch reicher als die Meisten, weil sie ein Riesenherz in sich trägt…

Sie bog um, ging zurück…und kam fünf MInuten später mit einem anderen Reindl, bis zum Rand gefüllt mit Nudeln für Maja, zurück.

Die sensationell liebe Frau hatte aber noch nicht genug!
Ohne, dass ich hungrig war, drängte sie mir NOCH ein Reindl, gefüllt mit Paprika-Hendl und köstlichen Nockerln, auf!

Mein Dank kannte keine Grenzen.

Weil ich keine Zigaretten mehr hatte, und keine Ahnung, wo ich hier welche kaufen konnte, fragte ich sie, wo ich mir Zigaretten besorgen kann.

Sofort deutete sie mir „Nein!“, wendete abermals, und kam mit selbstgedrehten Zigaretten zurück.
Ihr Nachbar, ein dauergrantig blickender älterer Herr, der in seinem perfekten Garten in der Badehose saß, beobachtete das Szenario und stieß dazu.

Auf der Stelle lud er mich zu einem Kaffee ein…

Ich zückte das Handy, um mich mit den zweien unterhalten zu können.

Nataska sprach hinein, und der Translator übersetzte mir folgende Worte:

„Diese zufällige Begegnung muss von Gott gewollt sein. Ich werde mich ab jetzt jedes Jahr an unsere Begegnung erinnern“

(Zehn Minuten später war ich kurz allein und weinte vor Rührung…)

Dem aber nicht genug…

Sie lud mich zu sich, da sie ja um die Ecke wohnte.
Dort fand ich eine Ruine vor.
Eine Hütte, die eine wahre Müllhalde war, einen Mann, der auf Wienerisch wie ein „Sandler“ aussah, keinen Strom, kein Gas.
Wie sie das Essen zubereitete, will ich mir nicht vorstellen.
Es war trotzdem köstlich!

Damit bewahrheitete sich die Theorie, dass jene Menschen, die wirklich NICHTS besitzen, am großzügigsten sind.
Die Hilfsbereitschaft von Nataska beschämt mich noch immer.

Bedenke ich die Gier, die den Menschen meist innewohnt, wenn sie viel besitzen, bricht es mir das Herz, dass jene, deren Herz wirklich groß und ohne Gier ist, auf der Strecke bleiben.
Nataska zeigte ein unendlich großes Herz, obwohl sie in größter Armut lebt.

Wahre Christlichkeit!

Der Tag war aber noch nicht vorbei…

In Zavada, einem kleinen Dorf im Wald, beschloss ich, den Tag zu beenden.

Ich hatte kein Bares mehr einstecken, Bankomat war natürlich auch keiner vorhanden.

Dementsprechend setzte ich mich auf eine Bank neben dem örtlichen Pub, dem Dorftreffpunkt.
Im Garten des Pubs saßen ein paar Familien, schließlich war ein lauer Abend und drin lief das aktuelle Fußball-WM-Spiel.

Draußen saß ich, mit blanken Füßen und leicht schmerzverzerrtem Gesicht von den Strapazen der letzten Tage.
Denn am linken Fuss prangten riesige Blasen auf den Oberseiten der kleinen und der großen Zehe.

Neben mir nahmen zwei Männer Platz.

Unmittelbar danach sprach mich einer der beiden an, wodurch der Zweite hellhörig wurde und sich ins Gespräch einmischte.

Es stellte sich heraus, dass er gebürtiger Münchner ist, der in Zavada ausstieg, nachdem er in seiner Heimat von Frau und Kind verlassen wurde.
Als Ex-Bundeswehrpilot erzählte er mir unzählige Geschichten und war überglücklich, endlich mal wieder einen Gesprächspartner zu haben, mit dem er Deutsch sprechen kann.

Die gesamte Nacht unterhielten wir uns, und sehr widerwillig ließ mich Thomas, so sein Name, gehen.

Euphorisch sagte er nur, dass er sich in spätestens einem halben Jahr (er lebt ein Internet-loses Leben) via Mail von einem Computer eines Einheimischen melden wird und den Kontakt halten mag.

Wieder war ein Mensch überraschend selig durch mein zufälliges Eintreffen…

Diese Woche, liebes Tagebuch, bereitete meine Reise trotz der körperlichen Höchstleistung von Maja und mir ca. einem Dutzend Menschen große Freude!
Weil mich der Zufall in deren Nähe brachte, erlebten sie quasi eine Begegnung der besonderen Art.

Hätte ich das Projekt nicht gestartet, hätte ich diese Menschen niemals kennengelernt und ihnen den Alltag versüßt.

Damit ist „Walk 4 HUmanity“ schon in der Startphase legitimiert und ein voller Erfolg, komme, was wolle.

Ich bin so dankbar, dass ich mich zu diesem Unternehmen entschlossen habe!
So motiviert für weitere Begegnungen (die ich übrigens in dem Lokal, wo ich diese Zeilen schreibe, gerade wieder erlebe! Eine total liebe Kellnerin und ich unterhalten uns nebenbei gerade…), so versessen auf die positive Energie, die das Projekt mit sich bringt…ich liebe es!

Hiermit beende ich den heutigen, sehr langen Eintrag, und werde dich nächste Woche, wenn ich mich in Gyöngyös, dem nächsten Etappenziel befinde, weiter befüllen.

Machs gut, liebes Tagebuch!

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Walk 4 Humanity – Tag 20 – Nitra


Liebes Tagebuch,

während ich diese Zeilen in den Laptop klopfe, sitze ich mit einem verzückten Lächeln im Gesicht da.

Die letzten Tage, seitdem ich Križovany nad Dudváhom, das niedliche kleine Dorf östlich von Trnava, verließ, brannten sich positiv in mein Gedächtnis ein.

Mit einem neuen Freund, Miroslav, im geistigen Gepäck begann ich Sonntags am Abend den Marsch nach Nitra.

Die Strecke ist eigentlich nicht die weiteste gewesen mit knappen 40 Kilometern.
Problem aber war unter Tags die drückende Hitze.
Zeitgleich hörte ich von Freunden und las auf Facebook von schweren Gewittern in Ostösterreich, die mich knapp verfehlten.

Ein riesiges Glück, denn die Wegstrecke erwies sich als erste Etappe, wo es über Stock und Stein ging.

Durch Vlckovce durch führte mich die vorgefertigte Route direkt in die Pampa, auf einer Nebenstraße der Autobahn Richtung Nitra.
Jetzt dachte ich, naiv, wie ein Fremdling eben sein kann, ich würde entlang der Autobahn entlangwatscheln, doch machte ich die Rechnung ohne den Wirten.
Nach ca. zwei Kilometern frisch asphaltierter Straße ins Nichts war diese plötzlich vorbei.

Noch einmal auf „Google Maps“ gelinst, tatsächlich…ich war ein Stück zu weit gegangen.

Der Rückweg war zum ersten Mal ein nerviger, denn ich übersah ca. in der Mitte einen Feldweg.
Und wenn man programmiert ist auf stures Vorwärtsgehen, ist das Zurückstiefeln eine lästige Zusatzübung, die man sich lieber erspart.

Aber so ist das eben, wenn man zu lange geradeaus geht.
Irgendwann geht man automatisch, vergisst die Abzweigung…bis man dämlich aus der Wäsche guckt.

Dieser Feldweg hatte es in sich…als die Nacht hereinbrach, kroch eine Finsternis übers Land, die neu war für mich.
Die Sicht war kaum vorhanden, doch die Stille rund um mich machte alles wieder wett.

Zum ersten Mal brüllte ich „Ha! Keine Sau hört mich jetzt! Ich bin wirklich mal alleine!“ in die Natur…es spielte keine Rolle, denn ich war es wirklich.

Über Stock und Stein, unzähligen großen Lacken vom nächtlichen Gewittersturm zwei Tage zuvor ausweichend, so ungefähr nach vier Kilometern absoluter Einsamkeit begann wieder eine asphaltierte Straße.

Abrupt änderte sich das Gelände.
In großem Abstand zueinander tauchten wie aus dem Nichts die ersten Straßenlampen auf.
Die Straße führte ein paar Meter geradeaus, als rechts von mir – man bedenke, es war mitten in der Nacht! – urplötzlich ein Friedhof mit ein paar glosenden Kerzen erschien.
Das Gesamtbild war morbide, zartbesaitete Menschen hätten sich wahrscheinlich gegruselt.

Leider vergaß ich Idiot, diese Szenerie abzulichten, und kam erst eine viertel Stunde danach auf die Idee.
Ein wenig spät…

Schritt für Schritt kamen mehr Häuser ins Bild.
Nachdem wir einen (übrigens sehr gut beleuchteten) Bahnübergang querten, waren sie wieder da.
Diese leicht abgefuckt wirkenden Bauern- und Wirtshäuser, wie man sie in Österreich vielleicht auch vom Wiener Süden kennt (ich spreche von der Marchfelder Gegend), dieses zeitlose Ambiente.
Mitten in der Nacht.

Während der gesamten Nacht kreuzte übrigens kein einziger Mensch meinen Weg.
Nein, nicht ganz! Einmal fuhr ein Auto vorbei.
Warum ich das erwähne? Naja, wenn die ganze Zeit absolute Stille außer dem Zirpen von Grillen herrscht, irritiert ein Motorengeräusch sehr.

Ich suchte mir ein gutes Nachtplätzchen…und wachte eigentlich mitten in der Kleinstadt Serec auf!
Ohne, dass es mir bewusst war, schlief ich keine zweihundert Meter vom Hauptplatz entfernt.
Gestört habe ich niemanden, also war es egal.
Wenn man aber wach wird, während einem das Umgebungsbild völlig neu vorkommt (nämlich belebt), ist man auf der Stelle putzmunter!

Die wirklich schwere Etappe begann, von Montag morgen bis Dienstag abend ging ich durch die Provinz.
Ständig nach Schatten suchend, denn die Sonne machte Maja und mich leicht damisch.

Weil ich mich entschlossen hatte, die Mittags- und Nachmittags-Sonne zu meiden, gingen wir erst wieder am Abend von einem Ort namens „Soporna“ los.

Wieder ging es einen Feldweg entlang, wieder waren Maja und ich gänzlich allein.
Ich übertreibe nicht, wenn ich behaupte, dass rund um die Puppe und mich nur Natur war.
Ein Traum!

Einziger Wermutstropfen am Weg dorthin.
Es war schon sehr dämmrig, als zwei abgelegene Häuser auftauchten.
Maja und ich sind in Dörfern von all den bellenden Hunden aus den Gärten links und rechts von mir, die auf den „freilaufenden“ fremden Hund reagieren, schon leicht genervt.
Die Puppe geht mit beispielloser Arroganz schon an diesen Gärten vorbei.

Beim ersten der zwei Häuser allerdings war es zum ersten Mal der Fall, dass ich froh über eine Zauntrennung war.
Zwei Monster von Hunden, der Rüde des Pärchens sicher mit der doppelten Masse von Maja, stürzten Richtung Zaun.
Der Rüde erinnerte mich von seinem puren Auftreten schon an die Reittiere der Orks in „Herr der Ringe – die zwei Türme“, mit seiner Aggressivität, indem er ständig das Weibchen (noch immer mindestens 150% Masse von Maja!) niederbiss und in den Hintergrund damit drängte.

Dieser Hund war nicht nur monströs groß, er war auch extrem aggressiv.

Wahrscheinlich hatte ich noch nie vor einem Hund ähnlichen Angst-Respekt wie vor diesem Koloss.

Sicherlich war es nicht die letzte Begegnung der unheimlichen Art, da bin ich sicher.

Gestern, am Dienstag, ging quasi der gesamte Weg durch die Natur, nur zwei kleine Dörfer wurden durchquert.
Die letzte Etappe allerdings war, vor allem, wenn man unsere Müdigkeit durch die brennende Sonne und später drückende Schwüle (während wieder die Welt weiter im Westen unterging!) berechnet, der pure Horror.

Die letzte Ortschaft, Jarok, wurde von Nitra durch einen waldigen Hügel getrennt.
Ein Stück von sechs Kilometern Landstraße, durch dichten Wald führend, relativ steil bergauf.
Vom ersten Schritt an konnte man die Freude der Gelsen an diesen zwei wahnsinnigen Großsäugern erkennen, als wir dieses Waldstück betraten.
Nicht im Auto, wohlgemerkt!
Ungeschützt zu Fuss, schwitzend, müde, bei drückender Schwüle.

Ich höre das Gelsensurren jetzt noch.

Nach unzähligen Gelsenstichen, einem Bremsenbiss und zahllosen weiteren Insekten-Attentaten stumpft man irgendwann ab.
Das Jucken nimmt man nicht mehr wahr.

Als wir Nitra betraten, war es später Abend.

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Nitra, wenn man von Westen kommt.

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Blick auf den Zobor, der Wahrzeichenberg Nitras, um sechs Uhr früh.

Heute, entspannt, weil wir endlich da waren, wo wir hinsteuerten, sahen wir uns gemütlich die Stadt an.

Was für eine entzückende kleine Stadt!

Unendlich viele Grünflächen, freundliche Menschen, wirklich nette Vierteln!
Nitra ist auf jeden Fall einen Besuch wert!

So, liebes Tagebuch!

Eines will ich noch in dir verewigen, nämlich dass ich wieder einmal vorher wusste, was auf mich zukommt.
Ich erzählte bei jedem Gespräch, dass ich nach ein paar Wochen gespannt die Psyche überwache.
Es ist soweit! Kein Heimweh, das fürchte ich nicht mehr.

Nein, die Einsamkeit in den letzten zwei Nächten in freier Natur, sie drückte zum ersten Mal!
In diesen Nächten wäre ich höchsterfreut über Gesellschaft zum Teilen des Genusses der freien Natur gewesen.

Zum ersten Mal spüre ich, dass ich ständig eigentlich nur mit Maja spreche.

Eine der vielen Herausforderungen, die immer wieder kommen werden.

Im Gegenzug jedoch genieße ich all diese Einmalbegegnungen.
Fast jedem Menschen auf der Reise begegne ich nur ein einziges Mal, das mache ich mir bewusst.
Dadurch ist das Aufeinandertreffen ein stets freundliches, weil sich immer die Wege sofort auch wieder trennen.

Hunderten Menschen bin ich nun schon über den Weg gelaufen.
Kontakte, die bestehen bleiben, bildeten sich schon.

Es ist mir täglich mehr bewusst, welch Einmaligkeit das ganze Unterfangen eigentlich besitzt.
Jeder Moment läuft, als befände ich mich in einem Film (der Länge wegen eher in einer Serie), so speziell fühlt sich alles an.

Mit jedem Nachdenken darüber, jeder Reaktion (auch jetzt wieder, bei meinem Couchsurfing-Mate, positives Erstaunen und Interesse), jedem Schritt spüre ich, wie besonders dieses Wagnis ist.

Summa summarum: Es ist einfach geil!

Jetzt, nach doch einem längeren Eintrag, schließe ich die Augen und werde mich dir wieder in ein paar Tagen widmen, liebes Tagebuch.

Gute Nacht!

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