Walk 4 Humanity – Tag 32 – die Slowakei


Da ich heute, am 25.Juni – es ist übrigens seit dem Start exakt ein Monat vergangen! – die Slowakei Richtung Ungarn verlasse, ein Resumee über das nordöstliche Nachbarland Österreichs.

Wie alles im Leben ist auch die Slowakei ein Land mit guten und schlechten Eigenschaften.
Ich beginne daher mit den für mich negativen Eindrücken, um später die vielen positiven Facetten dieses schönen Landes hervorzukehren.

Zuerst das Negative:

  • Korruption

Man sieht, dass in der Slowakei die Korruption gang und gäbe ist.
Geht man zu Fuss durch ein Land, hat man permanent die Gelegenheit, Kleinigkeiten unter die Lupe zu nehmen, die einem sogar mit dem Rad entgehen würden.
Darunter die infrastrukturiellen Mängel, welche einem ständig vor die Augen fallen.

Die Gehwege am Straßenrand sind viel zu oft mit „mangelhaft“ noch diplomatisch benotet.
Unentwegt enden gut gepflasterte Gehwege im Nichts.
70% der Gehsteige neben den Straßen sind sogar für Fußgänger ständig gefährlich.
So kann man jederzeit hängenbleiben, stolpern, oder gar stürzen, da der Asphalt wahrscheinlich zum letzten Mal im Krieg ausgebessert wurde.

Ausnahmslos in jedem Dorf, als auch in jeder Stadt enden Gehsteige abrupt.
Oder es wechselt katastrophaler Zustand plötzlich mit hervorragend gepflasterten Wegen, meist zufällig.

Hier erkennt man die Korruption, denn bei seriösen Aufträgen wären die Wege auch fertiggestellt worden.
So wirkt fast jeder Seitenstrang der Hauptstraßen wie eine zufällige Aneinanderreihung von Moderne und Verfall.

In den Seitengassen sind die Gehsteige meist gar nicht vorhanden.
Auch in den Städten ist man oft gezwungen, auf der Straße zu gehen, weil es keine Gehwege gibt.

Das Selbe gilt für Gebäude.

Neben luxuriös ausgestatteten Villen stehen in regelmäßigen Abständen Relikte aus dem kalten Krieg.
Verfallen, gruslig, einer Zeitreise gleichenden Abstraktion wirkende Gebäude, deren Zustand jedes Mal eine schauerliche Geschichte erzählen.

In Österreich würde unsere verwöhnte Gesellschaft diese Norm nicht akzeptieren.
Die Gemeinden wären jährlich wahrscheinlich von der Bevölkerung in Grund und Boden geklagt werden.

  • Lebensstandard

Der Lebensstandard ist mit österreichischen Verhältnissen nicht vergleichbar.

Sollten sich rechts angehauchte Menschen in Österreich wundern über die Arbeits-Migration vieler Slowaken nach Österreich, so bin ich nicht im Geringsten überrascht.
Die Nähe zu einem der reichsten Länder der Welt verlockt eine/n Slowaken/in natürlich, in unserem Land zu arbeiten.
Schließlich winkt mindestens der doppelte Lohn, während hier in der Slowakei für die gleiche Arbeit maximal 600€ bezahlt werden.

Natürlich sind dadurch in der Slowakei die Lebenskosten im Durchschnitt billiger.
So kostet eine 2-Zimmer-Wohnung hier noch um die 200-300€/mtl.
Doch sind Sprit und Nahrungsmittel an westliche Verhältnisse angepasst.
Ein durchschnittlicher Rentner bekommt nicht mehr als 500€ im Monat, womit natürlich die wenigsten Menschen hier ihr Auslangen finden.

Der Sprit in der Slowakei ist sogar teurer als in Österreich, womit die gesamte Raunzerei unserer Landsleute für mich schon längst ad absurdum geführt werden.

Für einen wie mich sind die Preise hervorragend: Wenn man von Dorf zu Dorf wandert, bekommt man ein (hervorragendes!) Menü in einem Restaurant oft um nicht mehr als 3,50€.
Bei uns löhnt man für die selbe Menge Essen garantiert 15€ aufwärts.

Trinkt man gerne Bier, ist man nach Bratislava ausnahmslos verwöhnt: Ein Krügerl hochqualitatives Bier kostet nirgends mehr als 1,30€ (zum Vergleich Wien: Nicht unter 3,70€)
Der Kaffee (in Österreich ab 3,50€), meist nur minderwertiger Löskaffee, wird überhaupt nicht mit mehr als einem Euro verrechnet!

Ebenso Gebäck und Mehlspeisen: Ich gebe zu, dass mir die meisten slowakischen Mehlspeisen besser schmecken als die heimischen.
Freilich ist dies aber Geschmackssache.
In den großen Supermärkten (BILLA, Lidl, Kaufland usw.) bekommt man ein großartiges Grahamweckerl um 15 Cent.
Ein Pizza-Baguette lockt dem Konsumenten kaum mehr als 50 Cent aus dem Portemonnaie.

Anders sieht es aber bei Fleisch, Wurst, Drogerie- oder sonstigen Artikel aus: Hier unterscheiden sich die Preise meist nicht im Geringsten von den unsrigen.
Die Gehälter der Einheimischen jedoch schon.
Ein Duschgel, oder ein Waschmittel…der einheimische Slowake muss sich hier ganz genau überlegen, wie viel Geld ihm nach dem Nachrüsten von Hygiene-Artikel noch bleibt.

Deshalb kommen wir gleich zum nächsten, dicken Problem der heimischen Bevölkerung.

  • Alkohol

Der Alkoholismus schreit einem direkt ins Gesicht!

Öffnet man die Augen und sieht genau hin, erkennt man, dass ein Gutteil der Bevölkerung dem Alkohol verfallen ist.
Wundert mich nicht, denn schließlich ist das Bier und der Schnaps eine Okkasion und verleitet zum Trinken.

Hier gehört es – insbesondere am Land – zum guten Ton, schon am frühen Vormittag Bier zu trinken.

Am Wochenende, sofern man um Mitternacht noch munter ist, sieht man viele Einheimische, meist Männer, stockbesoffen durch die Gegend tingeln.
Man sollte also vorsichtiger sein, vor allem als Mann, wenn man spätabends durch Städte geht.
Es ist leicht möglich, von einem Betrunkenen angepöbelt zu werden.

Auch der Jugendschutz ist hier nur ein Mythos.
Jugendliche, auch oft Kinder mit nicht einmal vierzehn Jahren, bekommen in jedem Landgasthaus ungefragt ihr Bier, wenn sie eines bestellen.

Der Umgang mit dem Alkohol ist viel zu locker und sicherlich eine der Hauptursachen für den stotternden Lebensstandard.

  • Roma und Sinti

Ab Nitra sieht man eine ständig wachsende Population von Roma und Sinti.
Wie befürchtet lässt sich ein eklatanter Lebensunterschied zwischen Slowaken und Roma feststellen.

Ganz besonders ist mir das Dorf Slatina auf der Strecke zwischen Nitra und Lucenec in Erinnerung.
Leider war es mir mangels Energie in meinem Handy nicht möglich, Fotos zu schießen, doch sah ich in Slatina zum ersten Mal wirkliches Elend.
Die Roma in diesem Dorf lebten in Wellblechhütten, meist ohne Strom und jeglichen westlichen Komfort, abseits der slowakischen Bevölkerung.
Obwohl Haus an Haus wohnend, spürt man die Ablehnung der Slowaken gegen die Roma-Bevölkerung, wodurch der Jugend dieser Minderheit auch kaum Chancen gegeben werden.

In Lucenec wie auch in Velky Krtis, Vrable usw. fällt auf, dass die Roma-Jugendlichen eher wie „harte Krocha“ gekleidet sind, weil ihnen die Akzeptanz durch die Mehrheit entzogen ist.
Diese Jugendlichen rauchen und saufen auf offener Straße, und mich wundert es nicht.
Die strikten Vorurteile spürt man als Außenstehender fast körperlich!

Mitten in der EU wird eine Volksgruppe, obwohl es immer wieder thematisiert wird, de facto im Stich gelassen.
Hier sollte schleunigst ein Umdenken geschehen, denn es ist unverständlich, dass eine anerkannte Minderheit in Mitteleuropa jeglicher Zukunft beraubt wird.
Nur, weil sie einen dünkleren Teint besitzen und in eine Volksgruppe hineingeboren werden, die höchstens geduldet wird.

Die europäische Union wäre meiner Meinung in der Pflicht, für besondere Unterstützung zu sorgen, da Roma und Sinti auch in anderen EU-Ländern wie Ungarn, Tschechien, Rumänien, Bulgarien usw. von der Mehrheit der Menschen wie Menschen zweiter Klasse betrachtet werden.

  • Müll

Der legere Umgang mit Müll schreit einen direkt an.
Es wird achtlos weggeworfen, was verbraucht wurde.
Am Straßenrand türmt sich oft der Sperrmüll, auch in den Städten liegt überall Plastik, Aluminium oder sonstiger Mist herum.
In Österreich undenkbar und ein „Must“ für die osteuropäischen Staaten, hier endlich nachzuziehen!
Die Umweltsituation erlaubt keinen lockeren Umgang mit Abfall mehr, vor allem, wenn es sowieso in Ländern geschieht, deren Infrastruktur weit hinter den zu wünschenden Normen hinterherhinkt.

Es wären noch viele andere Negativ-Aspekte anzusprechen, doch würde dies den Rahmen sprengen.

Positiv

Mir ist daher lieber, die Vielzahl an Positiva zu erwähnen, die mir begegnet sind.

  • Freundlichkeit

Die Slowaken sind ein durchaus freundliches Volk.

Mir begegnete enorm viel Gastfreundschaft und Freundlichkeit.
Egal, ob in den kleinsten Dörfern oder in Städten wie Trnava und Bratislava: ausnahmslos agierten die Einheimischen sehr freundlich dem fremden Wanderer aus Österreich gegenüber!

Sicher liegt es auch daran, dass ich aus einem reichen Land komme und mein Vorhaben außergewöhnlich ist.

Das typische „Wer is er denn, wos kaunn er denn, wos glaubt er, wer er is?“ (Zitat Falco – „Egoist“) fiel komplett weg.
Vorurteilsfrei wurde ich oft behandelt wie einer der ihren und nicht selten mit Freundlichkeit überschüttet.

Nirgends wurde ich auch nur indirekt mit Gewalt konfrontiert, nein, nicht einmal laut gestritten wurde irgendwo, wo ich in der Nähe war.

Die Menschen sprechen zwar oft laut miteinander, doch niemals sah ich einen Anflug von Aggression im Zwiegespräch.
Betrunkene, die in einem Lokal nicht bedient wurden, verließen diese ohne Murren.
Die Menschen geben bereitwillig Auskunft bei Fragen, versuchen mit gebrochenem Deutsch oder Englisch auf den Österreicher einzugehen.
(Wobei ich selbstverständlich bei jeder Gelegenheit die paar slowakischen Wörter, die ich lernte, verwendete)

  • Polizei

Bei aller Korruption, die österreichische Polizei kann sich von ihren slowakischen Kollegen nicht nur ein Scheibchen abschneiden!

Im gesamten Land kreuzten viele Polizisten meinen Weg.
Niemand beäugte mich mit dem Wagerl mißtrauisch, kein einziger Polizist vermittelte dieses bedrohliche „Law & Order“-Gefühl, das unsere sogenannten „Freunde und Helfer“ gerne ausstrahlen.

Kein einziger Polizist hier kommt so halbstark und bedrohlich entgegen, dass man fürchten muss, für irgendetwas Erfundenes bestraft zu werden.

Hierzu eine kleine Anekdote aus Trnava: Mein neuer slowakischer Freund Miroslav, der mir für zwei Tage Obdach bot, wollte mir noch die (wunderschöne) Altstadt seines Heimatortes präsentieren.

Er ist nicht unbedingt ein Bummler, was das Autofahren betrifft.
Viel zu schnell und fahrig erzählte er mir über jedes alte Gebäude, ob Synagogen oder Stadtmauern, eine Geschichte, und vergaß aufs Blinken.
Da sich hinter uns eine Polizeistreife befand, kam es, wie es kommen musste: Die Sirene wurde eingeschalten, er musste rechts ranfahren.

Ich war verblüfft: In Österreich kann man tun, was man will, man bekommt ein saftiges Strafmandat.
Miroslav erklärte, was sein Beifahrer vorhat, was den Beamten natürlich egal schien.
Als sie 10€(!) Strafe zur Sofortzahlung verlangten, er aber kein Bargeld mit sich trug, ließen sie sehr freundlich von einer Bestrafung ab und mahnten ihn (eher mit dem Ton eines Freundes, nicht mit dem herrschenden Geblaffe hiesiger Polizisten) gelassen ab, ein bisschen besser aufzupassen.

PolizistInnen hier grüßen einen von selbst freundlich.
Sie sind nicht dunkel, sondern hell und sehr leger gekleidet. Auch ein Faktor, der für einen gelasseneren Umgang mit der Exekutive sorgt.

Mir kommt vor, als sähen sich die PolizistInnen in der Slowakei wirklich als Hüter der Ordnung und nicht als Gott-gleiche Autorität, wie es in meinem Heimatland leider viel zu oft der Fall ist.

Sicher wird es auch fehlgeleitete PolizistInnen geben, die wie überall auf der Welt meinen, die Allmacht zu besitzen und diese auszunutzen.
Die Korruption der Exekutive in der Slowakei ist hierzulande ein großes Thema!
Doch spürt man es als Mensch nicht, dass die Polizei herumwuselt.
Sie ist mehr angenehme Begleitung denn dunkle Bedrohung, wie sie in Österreichs Städten gerne agiert.

In Wien kreuzen an jeder Ecke bewaffnete PolizistInnen den Weg, die Aussage „Wehe, du überschreitest irgendein Gesetz“ vermittelnd.
Dieser Eindruck fehlte in der Slowakei völlig.

Sehr, sehr angenehm!

  • Gastfreundlichkeit

Die Gastfreundlichkeit der SlowakInnen ist überragend!
Obwohl die Menschen in diesem Land weit weniger Geld zur Verfügung haben wie in Österreich, wird man überschüttet mit Einladungen und Zuvorkommenheit in diesem Land.

  • Weltoffenheit

Ich dachte, als ich die Slowakei betrat, dass mir relativ große Borniertheit Fremden gegenüber begegnen würde.

I wo!

Jede Begegnung, die ich hatte, ohne Ausnahme, verlief überraschend weltoffen und eher politisch „links“ denn reaktionär.
Auch auf dem Land, und hier war ich völlig unvorbereitet mit depperten Vorurteilen meinerseits gesegnet, wie sich herausstellte.

Das Bild, das einem von den Medien über den Osten vermittelt wird, wurde schon zu Beginn aus den Angeln gehoben.
Für einen, der um die Welt geht, ein hervorragender Motivations-Schub, wenn man schon am Anfang seine eingeimpften Vorurteile auf die geistige Müllhalde werfen darf.

Zusammengefasst:

Ich kann jedem Österreicher, jeder Österreicherin, als auch jedem Menschen auf der Welt, einen Trip in die Slowakei nur empfehlen!

Nicht nur, dass die Menschen extrem nett sind, können die Devisen auch helfen, diesem von Korruption und den Nachwehen des Ostblocks gebeuteltem Land ein wenig auf die Sprüngen zu helfen.

Persönlicher Tipp: Nitra! Dieses Kleinod von Stadt wirkt wie eine Mini-Version von Graz und liegt als wunderschöne Ortschaft mitten im Land.
Ein Must-see!

Das Essen und Trinken in der gesamten Slowakei ist absolut top, die Preise unschlagbar, die Freundlichkeit erschlägt einen und wirkt nicht so aufgesetzt wie in vielen Tourismus-Destinationen des Westens.

Auch hat man hier niemals das Gefühl, es wird nur darauf gezielt, einem das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Ein schönes Land mit netten Menschen, das völlig unverdient keine Rolle für den Westen spielt…

Seht euch die schöne Slowakei doch mal an!
Und reist weiter als nur nach Bratislava!

 

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Walk 4 Humanity – Tag 30


Liebes Tagebuch,

diese Woche war der endgültige Kick, um überzeugt von meinem Vorhaben zu sein.

Obwohl die erste wirkliche Härteprüfung, immerhin legten Maja und ich in fünf Tagen unter größter Hitze 150 Kilometer und insgesamt 2000 Höhenmeter zurück, war diese Woche menschlich ein Paukenschlag, der mir endgültig zeigte, wie wichtig dieses Unternehmen ist.

Nitra-Lucenec

Bedenke, liebes Tagebuch: Als ich begann, kam ich durch den schweren Rucksack kaum weiter und konnte kaum etwas erzählen.
Das Wagerl allerdings änderte alles.

Natürlich erleichtert es das Fortkommen ungemein und lässt Maja und mich zeitweise in enormer Geschwindigkeit durch die Lande schreiten.
Doch ist der Kollateral-Effekt des rollenden Koffers der entscheidende!

Jetzt nämlich fällt man auf!
Mit einem Rucksack wirkte ich wie ein 08/15-Tourist, der einfach nur aus Spaß durch die Gegend tingelt.
Das Wagerl jedoch zieht Aufmerksamkeit auf sich.

Neugierig werde ich immer wieder von Menschen angesprochen.
Maja ist schon gewinnend wie keine Zweite, aber sie wirkt nicht, als wäre meine Ankunft etwas Spezielles.

Dass jedoch jemand mit Hund und Schiebe-Dreirad daherkommt, das macht neugierig.

Der Effekt, den mein Auftauchen mittlerweile erzielt, ist atemberaubend, selbst für mich.
Vor dem Start habe ich mich mit allen Eventualitäten auseinandergesetzt, die bei so einer Reise eintreten könnten.
Natürlich war mir auch bewusst, dass alles, was ich bedenke, nur ein Bruchteil dessen ist, was mir wirklich blüht.

In diesem Jahr, in dem ich besessen war von dem Projekt, wusste ich instinktiv, dass es positive Wirkung auf die Menschen erzielt.

Die Dimension dessen, was täglich auf Maja und mich an Eindrücken reinprasselt, übertrifft meine kühnsten Erwartungen.
Sicher könnte man jetzt „Das hat ja erst angefangen“ meinen.
Ist auch korrekt.

Andererseits gebe ich zu Bedenken, dass es zwar erst angefangen hat, aber es ist auch alles brandneu.
Ab dem Start wurde ich mit einer gänzlich neuen Lebenssituation konfrontiert und musste erst lernen, wie es ist, täglich in eine Richtung zu gehen.
Ohne nach Hause zu gehen am Abend, ohne üblichen Feierabend, ohne meine Lieben, mit denen ich mich bei Bedarf treffen kann.

Dazu kommt, dass die Slowakei ein Land ist, in dem eine absolut fremde Sprache gesprochen wird.

Es war für mich (wie für die meisten Menschen) ein Novum, plötzlich alleine und abseits der Touristen-Destinationen, ohne Sprachkenntnis durchzukommen.

Gut, manche hier sprechen zumindest gebrochen Englisch oder Deutsch.
Östlich von Bratislava sind es aber sehr wenige, mit denen man sich wirklich fließend unterhalten kann.

Zum Glück weiß ich um die Mittel des modernen Internets: Die Google-Translator-App leistete mir jetzt schon mehrmals wertvolle Dienste.
Dazu aber gleich.

Diese vierte Woche des Projekts „Walk 4 Humanity“ hatte es in sich.

Am frühen Nachmittag des letzten Freitags (15. Juni) starteten Maja und ich vom wunderschönen Nitra nach Osten.
Das nächste anvisierte Etappenziel war Lucenec, eine kleine Stadt in der Mitte der Slowakei, von wo ich ab Montag, dem 25. Juni (passend übrigens, dass genau einen Monat nach dem Start die nächste Landesgrenze überschritten wird) Richtung Süden im nur 15 Kilometer entfernte Ungarn eintreffe.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Von Nitra bis Lucenec sind es exakt 151 Kilometer zu Fuss.
Zwischendurch war ein Zwischenstopp in Levice, einer kleinen Stadt cirka 50 Kilometer von Nitra, geplant.
Zum Auffrischen und Proviant auffüllen, denn es ist nicht gewährleistet, in den Dörfern am Weg die Gelegenheit zum Einkauf zu haben.

Netto marschierten Maja und ich also knappe 150 Kilometer bis Lucenec in fünf Tagen.
Warum fünf? Einen Tag schliefen wir in Levice, weil mein neuer slowakischer Freund, Miroslav, mit seinem entzückenden Sohn, dem Taferlklassler Matus, vorbei kam.

Das sind durchschnittlich 30 Kilometer am Tag.
Genau das Ziel, welches ich mir als übliche Tagesstrecke für die gesamte Reise um die Welt vornehme.

Endlich war es uns auch möglich, diese Strecke am Tag zu absolvieren.

Wäre da nicht die Hitze gewesen…

KEIN Tag verging, an dem das Thermometer weniger als 30° zeigte.
Kein Tag, an dem die Sonne nicht unbarmherzig bis zum späten Abend den Boden versengte.

Diese glühende Hitze war aber nicht genug.
Insgesamt legten wir zwei 2000 Höhenmeter zurück, wobei es eine Steigung (nach Slatina) gab, die sage und schreibe 17 Kilometer fast unaufhörlich zu bewältigen war.

Als wäre dem nicht genug, führte dieser Wahnsinns-Abschnitt durch Waldgebiet, wo kein Dorf, kein Mensch, kein Handy-Empfang, gar nichts war.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Während wir uns hinaufplagten, sausten zig Autos an uns vorbei, doch im Gegensatz zum Beginn waren wir die rasenden Straßengefährten schon gewohnt und wussten dadurch, wie wir uns am Straßenrand zu verhalten haben.

Übrigens, für jeden Straßenwanderer: Es gilt Murphys Gesetz auf der Straße!
Wenn auch zehn Minuten kein Auto vorbeifährt…ausgerechnet, wenn eines kommt, hört man fast immer auch aus der Gegenrichtung ein KfZ herbeirasen.
Und wie es bei Murphys Gesetz eben so ist, treffen beide Gefährte genau an dem Punkt zusammen, wo wir stehen.

Ich habe nicht mitgezählt, wie oft das Fahrzeug auf unserer Seite stoppen musste, weil der Gegenverkehr genau bei uns vorbeizischen würde.
So nehmen wir den nötigen Platz weg, und einer muss stoppen.

Danach? Meist wieder viele Minuten kein Fahrzeug…

Am Dienstag absolvierten Maja und ich dieses Horror-Stück, und zwar bei drückender Hitze, die sich im Waldgebiet in beklemmende Luftfeuchtigkeit umwandelte.
Alles bergauf…

Während wir uns so den Berg hinaufquälten, stand genau am obersten Punkt ein Auto.

Der Fahrer stand verzweifelt bei offener Motorhaube, ohne Handyempfang, und konnte nicht weiterfahren.

„May I help?“ sagte ich.
Er merkte, dass ich einen leicht deutschsprachigen Akzent besitze und sprach mich in gebrochenen Deutsch an, dass er den Schlauch nicht reinbekommt.
Was er meinte, war der Schlauch, der den Turbolader füttert.
Der Eisenring, der zur Sicherung des Schlauches dient, war runtergesprungen.
Ein Mann alleine kann ohne passendes Werkzeug diesen Ring nicht ordentlich drüberstülpen und somit den Schlauch sicher befestigen.

Wäre ich nicht gekommen…wer weiß, wie lange der gute Mann noch dortgestanden wäre ohne Handynetz.

So konnte meine Wenigkeit durch den Zufall unserer Begegnung schon mal dem ersten Menschen WIRKLICH helfen.

Die Dankbarkeit in seinem Gesicht war herzerweichend.
Er war so glücklich, dass er mich bezahlen wollte, was ich natürlich ablehnte.

Nach einer fabulösen Nacht in freier Natur, oben auf dem Hügel mit 505 Metern Seehöhe…wir schliefen auf einer riesigen, butterweichen und Gelsen-freien Wiese, wo in der Ferne eine Wildschwein-Herde grunzte, aber von Majas Wachinstinkt verjagt wurde…genoss ich später in der Nacht das Privileg, zum ersten Mal in meinem Leben keine Lichtverschmutzung beim Sternenhimmel zu sehen.
Zum ersten Mal sah ich deutlich die Milchstraße, wie sie sich als weißer Schleier durch die klare Nacht dehnt.

Ein zauberhafter Moment!

Am Mittwoch ging es endlich abwärts, wobei mich das Wagerl bergab mehr stört als bergauf, muss ich doch dauernd gegenwirken, damit die Erdanziehungskraft mir das Ding nicht aus den Händen reißt.
Nach einer Nacht in einem Feld bei Velky Krtis, einer Kleinstadt westlich von Lucenec, ging es weiter über die Landstraße 75, auf der wir uns fast ausnahmslos von Nitra weg befanden.

Von der extremen Mittagshitze geplagt waren wir zwei Stunden eigentlich nur auf der Suche nach dem nächsten schattigen Platz.

Plötzlich tauchte neben einer Bergab-Rampe eine Parkbank im Schatten auf.
Keine Ortstafel erzählte mir, wie diese kleine Siedlung, zu der diese Bank gehört, eigentlich heißt.

Maja legte sich zufrieden und müde ins Gras, während ich heilfroh war, im Schatten sitzen zu können, um der Mittagssonne auszuweichen.

Wie aus dem Nichts kam eine ältere Frau (um die 70) vorbei.

Als sie Maja sah, drehte sie kehrtwendend um, nur um mit zwei Flaschen Wasser und einem Reindl aufzutauchen, damit sich mein Hundsi am Wasser laben kann.
Natürlich hatte ich auch Wasser und ein Gefäß mit, doch handelte es sich nur um eine fragile Plastikschüssel, die schon einen Riss hatte.

Nataska (so der Name der alten Lady) meinte sofort, ich soll ihren kleinen Kochtopf als Wasserschüssel behalten.

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Nataska. Sie hat materiell weniger als nicht. Und ist doch reicher als die Meisten, weil sie ein Riesenherz in sich trägt…

Sie bog um, ging zurück…und kam fünf MInuten später mit einem anderen Reindl, bis zum Rand gefüllt mit Nudeln für Maja, zurück.

Die sensationell liebe Frau hatte aber noch nicht genug!
Ohne, dass ich hungrig war, drängte sie mir NOCH ein Reindl, gefüllt mit Paprika-Hendl und köstlichen Nockerln, auf!

Mein Dank kannte keine Grenzen.

Weil ich keine Zigaretten mehr hatte, und keine Ahnung, wo ich hier welche kaufen konnte, fragte ich sie, wo ich mir Zigaretten besorgen kann.

Sofort deutete sie mir „Nein!“, wendete abermals, und kam mit selbstgedrehten Zigaretten zurück.
Ihr Nachbar, ein dauergrantig blickender älterer Herr, der in seinem perfekten Garten in der Badehose saß, beobachtete das Szenario und stieß dazu.

Auf der Stelle lud er mich zu einem Kaffee ein…

Ich zückte das Handy, um mich mit den zweien unterhalten zu können.

Nataska sprach hinein, und der Translator übersetzte mir folgende Worte:

„Diese zufällige Begegnung muss von Gott gewollt sein. Ich werde mich ab jetzt jedes Jahr an unsere Begegnung erinnern“

(Zehn Minuten später war ich kurz allein und weinte vor Rührung…)

Dem aber nicht genug…

Sie lud mich zu sich, da sie ja um die Ecke wohnte.
Dort fand ich eine Ruine vor.
Eine Hütte, die eine wahre Müllhalde war, einen Mann, der auf Wienerisch wie ein „Sandler“ aussah, keinen Strom, kein Gas.
Wie sie das Essen zubereitete, will ich mir nicht vorstellen.
Es war trotzdem köstlich!

Damit bewahrheitete sich die Theorie, dass jene Menschen, die wirklich NICHTS besitzen, am großzügigsten sind.
Die Hilfsbereitschaft von Nataska beschämt mich noch immer.

Bedenke ich die Gier, die den Menschen meist innewohnt, wenn sie viel besitzen, bricht es mir das Herz, dass jene, deren Herz wirklich groß und ohne Gier ist, auf der Strecke bleiben.
Nataska zeigte ein unendlich großes Herz, obwohl sie in größter Armut lebt.

Wahre Christlichkeit!

Der Tag war aber noch nicht vorbei…

In Zavada, einem kleinen Dorf im Wald, beschloss ich, den Tag zu beenden.

Ich hatte kein Bares mehr einstecken, Bankomat war natürlich auch keiner vorhanden.

Dementsprechend setzte ich mich auf eine Bank neben dem örtlichen Pub, dem Dorftreffpunkt.
Im Garten des Pubs saßen ein paar Familien, schließlich war ein lauer Abend und drin lief das aktuelle Fußball-WM-Spiel.

Draußen saß ich, mit blanken Füßen und leicht schmerzverzerrtem Gesicht von den Strapazen der letzten Tage.
Denn am linken Fuss prangten riesige Blasen auf den Oberseiten der kleinen und der großen Zehe.

Neben mir nahmen zwei Männer Platz.

Unmittelbar danach sprach mich einer der beiden an, wodurch der Zweite hellhörig wurde und sich ins Gespräch einmischte.

Es stellte sich heraus, dass er gebürtiger Münchner ist, der in Zavada ausstieg, nachdem er in seiner Heimat von Frau und Kind verlassen wurde.
Als Ex-Bundeswehrpilot erzählte er mir unzählige Geschichten und war überglücklich, endlich mal wieder einen Gesprächspartner zu haben, mit dem er Deutsch sprechen kann.

Die gesamte Nacht unterhielten wir uns, und sehr widerwillig ließ mich Thomas, so sein Name, gehen.

Euphorisch sagte er nur, dass er sich in spätestens einem halben Jahr (er lebt ein Internet-loses Leben) via Mail von einem Computer eines Einheimischen melden wird und den Kontakt halten mag.

Wieder war ein Mensch überraschend selig durch mein zufälliges Eintreffen…

Diese Woche, liebes Tagebuch, bereitete meine Reise trotz der körperlichen Höchstleistung von Maja und mir ca. einem Dutzend Menschen große Freude!
Weil mich der Zufall in deren Nähe brachte, erlebten sie quasi eine Begegnung der besonderen Art.

Hätte ich das Projekt nicht gestartet, hätte ich diese Menschen niemals kennengelernt und ihnen den Alltag versüßt.

Damit ist „Walk 4 HUmanity“ schon in der Startphase legitimiert und ein voller Erfolg, komme, was wolle.

Ich bin so dankbar, dass ich mich zu diesem Unternehmen entschlossen habe!
So motiviert für weitere Begegnungen (die ich übrigens in dem Lokal, wo ich diese Zeilen schreibe, gerade wieder erlebe! Eine total liebe Kellnerin und ich unterhalten uns nebenbei gerade…), so versessen auf die positive Energie, die das Projekt mit sich bringt…ich liebe es!

Hiermit beende ich den heutigen, sehr langen Eintrag, und werde dich nächste Woche, wenn ich mich in Gyöngyös, dem nächsten Etappenziel befinde, weiter befüllen.

Machs gut, liebes Tagebuch!

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Walk 4 Humanity – Tag 20 – Nitra


Liebes Tagebuch,

während ich diese Zeilen in den Laptop klopfe, sitze ich mit einem verzückten Lächeln im Gesicht da.

Die letzten Tage, seitdem ich Križovany nad Dudváhom, das niedliche kleine Dorf östlich von Trnava, verließ, brannten sich positiv in mein Gedächtnis ein.

Mit einem neuen Freund, Miroslav, im geistigen Gepäck begann ich Sonntags am Abend den Marsch nach Nitra.

Die Strecke ist eigentlich nicht die weiteste gewesen mit knappen 40 Kilometern.
Problem aber war unter Tags die drückende Hitze.
Zeitgleich hörte ich von Freunden und las auf Facebook von schweren Gewittern in Ostösterreich, die mich knapp verfehlten.

Ein riesiges Glück, denn die Wegstrecke erwies sich als erste Etappe, wo es über Stock und Stein ging.

Durch Vlckovce durch führte mich die vorgefertigte Route direkt in die Pampa, auf einer Nebenstraße der Autobahn Richtung Nitra.
Jetzt dachte ich, naiv, wie ein Fremdling eben sein kann, ich würde entlang der Autobahn entlangwatscheln, doch machte ich die Rechnung ohne den Wirten.
Nach ca. zwei Kilometern frisch asphaltierter Straße ins Nichts war diese plötzlich vorbei.

Noch einmal auf „Google Maps“ gelinst, tatsächlich…ich war ein Stück zu weit gegangen.

Der Rückweg war zum ersten Mal ein nerviger, denn ich übersah ca. in der Mitte einen Feldweg.
Und wenn man programmiert ist auf stures Vorwärtsgehen, ist das Zurückstiefeln eine lästige Zusatzübung, die man sich lieber erspart.

Aber so ist das eben, wenn man zu lange geradeaus geht.
Irgendwann geht man automatisch, vergisst die Abzweigung…bis man dämlich aus der Wäsche guckt.

Dieser Feldweg hatte es in sich…als die Nacht hereinbrach, kroch eine Finsternis übers Land, die neu war für mich.
Die Sicht war kaum vorhanden, doch die Stille rund um mich machte alles wieder wett.

Zum ersten Mal brüllte ich „Ha! Keine Sau hört mich jetzt! Ich bin wirklich mal alleine!“ in die Natur…es spielte keine Rolle, denn ich war es wirklich.

Über Stock und Stein, unzähligen großen Lacken vom nächtlichen Gewittersturm zwei Tage zuvor ausweichend, so ungefähr nach vier Kilometern absoluter Einsamkeit begann wieder eine asphaltierte Straße.

Abrupt änderte sich das Gelände.
In großem Abstand zueinander tauchten wie aus dem Nichts die ersten Straßenlampen auf.
Die Straße führte ein paar Meter geradeaus, als rechts von mir – man bedenke, es war mitten in der Nacht! – urplötzlich ein Friedhof mit ein paar glosenden Kerzen erschien.
Das Gesamtbild war morbide, zartbesaitete Menschen hätten sich wahrscheinlich gegruselt.

Leider vergaß ich Idiot, diese Szenerie abzulichten, und kam erst eine viertel Stunde danach auf die Idee.
Ein wenig spät…

Schritt für Schritt kamen mehr Häuser ins Bild.
Nachdem wir einen (übrigens sehr gut beleuchteten) Bahnübergang querten, waren sie wieder da.
Diese leicht abgefuckt wirkenden Bauern- und Wirtshäuser, wie man sie in Österreich vielleicht auch vom Wiener Süden kennt (ich spreche von der Marchfelder Gegend), dieses zeitlose Ambiente.
Mitten in der Nacht.

Während der gesamten Nacht kreuzte übrigens kein einziger Mensch meinen Weg.
Nein, nicht ganz! Einmal fuhr ein Auto vorbei.
Warum ich das erwähne? Naja, wenn die ganze Zeit absolute Stille außer dem Zirpen von Grillen herrscht, irritiert ein Motorengeräusch sehr.

Ich suchte mir ein gutes Nachtplätzchen…und wachte eigentlich mitten in der Kleinstadt Serec auf!
Ohne, dass es mir bewusst war, schlief ich keine zweihundert Meter vom Hauptplatz entfernt.
Gestört habe ich niemanden, also war es egal.
Wenn man aber wach wird, während einem das Umgebungsbild völlig neu vorkommt (nämlich belebt), ist man auf der Stelle putzmunter!

Die wirklich schwere Etappe begann, von Montag morgen bis Dienstag abend ging ich durch die Provinz.
Ständig nach Schatten suchend, denn die Sonne machte Maja und mich leicht damisch.

Weil ich mich entschlossen hatte, die Mittags- und Nachmittags-Sonne zu meiden, gingen wir erst wieder am Abend von einem Ort namens „Soporna“ los.

Wieder ging es einen Feldweg entlang, wieder waren Maja und ich gänzlich allein.
Ich übertreibe nicht, wenn ich behaupte, dass rund um die Puppe und mich nur Natur war.
Ein Traum!

Einziger Wermutstropfen am Weg dorthin.
Es war schon sehr dämmrig, als zwei abgelegene Häuser auftauchten.
Maja und ich sind in Dörfern von all den bellenden Hunden aus den Gärten links und rechts von mir, die auf den „freilaufenden“ fremden Hund reagieren, schon leicht genervt.
Die Puppe geht mit beispielloser Arroganz schon an diesen Gärten vorbei.

Beim ersten der zwei Häuser allerdings war es zum ersten Mal der Fall, dass ich froh über eine Zauntrennung war.
Zwei Monster von Hunden, der Rüde des Pärchens sicher mit der doppelten Masse von Maja, stürzten Richtung Zaun.
Der Rüde erinnerte mich von seinem puren Auftreten schon an die Reittiere der Orks in „Herr der Ringe – die zwei Türme“, mit seiner Aggressivität, indem er ständig das Weibchen (noch immer mindestens 150% Masse von Maja!) niederbiss und in den Hintergrund damit drängte.

Dieser Hund war nicht nur monströs groß, er war auch extrem aggressiv.

Wahrscheinlich hatte ich noch nie vor einem Hund ähnlichen Angst-Respekt wie vor diesem Koloss.

Sicherlich war es nicht die letzte Begegnung der unheimlichen Art, da bin ich sicher.

Gestern, am Dienstag, ging quasi der gesamte Weg durch die Natur, nur zwei kleine Dörfer wurden durchquert.
Die letzte Etappe allerdings war, vor allem, wenn man unsere Müdigkeit durch die brennende Sonne und später drückende Schwüle (während wieder die Welt weiter im Westen unterging!) berechnet, der pure Horror.

Die letzte Ortschaft, Jarok, wurde von Nitra durch einen waldigen Hügel getrennt.
Ein Stück von sechs Kilometern Landstraße, durch dichten Wald führend, relativ steil bergauf.
Vom ersten Schritt an konnte man die Freude der Gelsen an diesen zwei wahnsinnigen Großsäugern erkennen, als wir dieses Waldstück betraten.
Nicht im Auto, wohlgemerkt!
Ungeschützt zu Fuss, schwitzend, müde, bei drückender Schwüle.

Ich höre das Gelsensurren jetzt noch.

Nach unzähligen Gelsenstichen, einem Bremsenbiss und zahllosen weiteren Insekten-Attentaten stumpft man irgendwann ab.
Das Jucken nimmt man nicht mehr wahr.

Als wir Nitra betraten, war es später Abend.

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Nitra, wenn man von Westen kommt.

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Blick auf den Zobor, der Wahrzeichenberg Nitras, um sechs Uhr früh.

Heute, entspannt, weil wir endlich da waren, wo wir hinsteuerten, sahen wir uns gemütlich die Stadt an.

Was für eine entzückende kleine Stadt!

Unendlich viele Grünflächen, freundliche Menschen, wirklich nette Vierteln!
Nitra ist auf jeden Fall einen Besuch wert!

So, liebes Tagebuch!

Eines will ich noch in dir verewigen, nämlich dass ich wieder einmal vorher wusste, was auf mich zukommt.
Ich erzählte bei jedem Gespräch, dass ich nach ein paar Wochen gespannt die Psyche überwache.
Es ist soweit! Kein Heimweh, das fürchte ich nicht mehr.

Nein, die Einsamkeit in den letzten zwei Nächten in freier Natur, sie drückte zum ersten Mal!
In diesen Nächten wäre ich höchsterfreut über Gesellschaft zum Teilen des Genusses der freien Natur gewesen.

Zum ersten Mal spüre ich, dass ich ständig eigentlich nur mit Maja spreche.

Eine der vielen Herausforderungen, die immer wieder kommen werden.

Im Gegenzug jedoch genieße ich all diese Einmalbegegnungen.
Fast jedem Menschen auf der Reise begegne ich nur ein einziges Mal, das mache ich mir bewusst.
Dadurch ist das Aufeinandertreffen ein stets freundliches, weil sich immer die Wege sofort auch wieder trennen.

Hunderten Menschen bin ich nun schon über den Weg gelaufen.
Kontakte, die bestehen bleiben, bildeten sich schon.

Es ist mir täglich mehr bewusst, welch Einmaligkeit das ganze Unterfangen eigentlich besitzt.
Jeder Moment läuft, als befände ich mich in einem Film (der Länge wegen eher in einer Serie), so speziell fühlt sich alles an.

Mit jedem Nachdenken darüber, jeder Reaktion (auch jetzt wieder, bei meinem Couchsurfing-Mate, positives Erstaunen und Interesse), jedem Schritt spüre ich, wie besonders dieses Wagnis ist.

Summa summarum: Es ist einfach geil!

Jetzt, nach doch einem längeren Eintrag, schließe ich die Augen und werde mich dir wieder in ein paar Tagen widmen, liebes Tagebuch.

Gute Nacht!

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Walk 4 Humanity – Tag 15


Liebes Tagebuch,

zuerst meine aktuelle Lage – ich sitze leicht verletzt in Križovany nad Dudváhom östlich von Trnava für ein-zwei Tage fest.

Lage 8.6

nicht nur, weil Freitag ist, die Sonne gnadenlos runterbrennt, und ich gerade indoor sitze mit WLAN und guten Kaffee um 0,70€(!), schreibe ich dir wieder einmal.

Es passt auch, weil mein linkes Bein ein wenig nach Pause brüllt.

Die Achillessehne ist geschwollen und schmerzt, dazu sind die Unmengen an Blasen von der Rucksack-Ära noch lange nicht weg.
Hier sollte also auch endlich Ruhe gegeben werden, damit auch die Fußsohlen wieder funktionieren.

Wer es noch nicht weiß – ich hab endlich mein Wagerl!
Meine Freude mit dem Ding ist nicht enden wollend, es rollt quasi von alleine!
Maja und ich konnten gestern und heute schon ordentlich Tempo bolzen…bis sich eben das linke Bein ordentlich beschwerte ob der Belastungen der zwei Wochen zuvor.

Plötzlich fällt das Gehen viel leichter, doch mit dem Wagerl fällt man auch ordentlich auf!
Ein wichtiger Aspekt bei Einheimischen, denn mittlerweile wurde ich schon (natürlich war die Kommunikation oft wegen der Sprachbarriere ein Wacheln mit den Händen und Füssen) mehrmals wegen des Wagerls angesprochen.

Noch einmal vielen herzlichen Dank an Roland Wagner von http://www.giantstore-vienna.at, der dieses Wagerl zur Verfügung stellte!
Übrigens in allen Belangen ein Supertyp, der Roland!
Wenn ihr Probleme mit eurem Fahrrad habt oder ein neues sucht -> schaut doch bei ihm vorbei!

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Rechts im Bild, das ist Roland Wagner

Die Woche war in allen Belangen wieder extra-spannend.

Denn bis Montag durfte ich ja, wie ich schon erwähnte, ausrasten von der beschwerlichen Anfangs-Woche, die Maja und mir alles abverlangte.
Dafür verantwortlich ist ein Mensch ohne Fehl und Tadel, Dr. Wolfgang Hofer.

„Ohne Fehl und Tadel“ aus diesem Grund, weil Wolfgang viele Jahre auch in Krisengebieten mit „Ärzte ohne Grenzen“ mitwerkte und daher schon vielen Menschen das Leben rettete.

Solchen Menschen gehört immer schon mein absoluter Respekt.
Die eigentlichen „Leistungsträger“…

Wolfgang Hofer verwöhnte mich nach Strich und Faden und entpuppte sich nach kürzester Zeit als neuer Freund, da sind wir uns beide sicher.

Für mich hat sich die Reise damit jetzt schon gelohnt, denn ich hab einen neuen Freund gewonnen.

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Manche Gedanken kommen ja erst mit der Zeit.
So auch folgende geistige Spielchen, für die ich jetzt natürlich während des Gehens jede Menge Zeit habe.

.) Durch heutige Navigations-Software und GPS finde ich es als Fußgänger richtig faszinierend, wie man durch Gehen Fortschritte auf der Weltkarte macht.
Eine monströse Motivation!

.) Nicht so ernst: Sind die (leider erst) 120km, die ich bis jetzt zurücklegte, eigentlich eine Weltrekord-Gassirunde?
Sollte Maja nicht schon im Guiness-Buch der Rekorde stehen? 😉

Liebes Tagebuch, ich melde mich wieder, sowie ich Neuigkeiten habe, die festgehalten werden sollten.
Freu mich schon, wenn ich in zehn Jahren durch dich so durchblättere!

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Walk 4 Humanity – Tag 12


Liebes Tagebuch,

zuerst die aktuelle Position – Kaplna (Slowakei):

5. Juni 2018

Schmerzen pflastern meinen Weg…

Morgen, genau am dreizehnten Tag meiner Weltumwanderung, kommt es – mein heißersehntes Wagerl!

Dank des Sponsors Roland Wagner von http://www.giantstore-vienna.at/ ist es mir ab morgen endlich möglich, mich zuerst von den Strapazen der letzten zwei Tage zu regenerieren, aber alsbald volles Tempo gehen zu können.

Giant-Store

Die Vorteile eines Wagens zum Schieben sind kaum zu zählen:

.) Das Gewicht verteilt sich nicht auf dem Rücken und erschwert damit jeden Schritt, sondern ist physisch viel leichter zu transportieren, wenn große luftgefüllte Reifen die Arbeit übernehmen.

Mir werden dadurch nicht nur Schwächeanfälle (vor allem bei der Hitze), sondern auch jede Menge Blasen auf den Sohlen (bedingt durch das zusätzliche Gewicht, immerhin 40% meines Körpergewichts) erspart.

.) Bei der Hitze wird nicht nur wesentlich weniger körperliche Arbeit verrichtet.
Es ist jetzt auch möglich, zusätzliches Gewicht in Form von Wasser für Maja und mich zu transportieren.
Im Hinterkopf ein feiner Motivationsschub, den man dadurch gewinnt.

.) Energie für das Smartphone:
Früher oder später (eher früher) liegt eine Solar-Powerbank auf dem Wagerl, das Smartphone stets mit Saft versorgend.
Eine Wohltat, wenn ich den ständigen Stress, der im Hinterkopf herrschte, bedenke.
Immer war ich auf der Suche nach Lademöglichkeiten für das Handy, da ich auch bei Pausen das Smartphone als einzige Unterhaltung hatte.
Man muss bedenken, dass mir ja die direkte Form der Unterhaltung spätestens hier in der Slowakei gänzlich abhanden gekommen ist.

Immerhin kann ich schon ein paar Wörter Slowakisch!
Aber bis ich ein paar Sätze auswendig herleiern kann, ist zu erwarten, dass ich das Land schon längst Richtung Ungarn verlassen habe…

.) Zelt!

Bis jetzt, begünstigt durch die stabile Hochwetterlage, reichte es, den Schlafsack auszurollen, wenn ich mir ein temporäres Quartier im Grünen suchte.
Das ist kein Dauerzustand, wie man sich vorstellen kann.
Spätestens im Herbst ist ein Zelt unumgänglich, doch jetzt, wo das Wagerl kommt, kann ich es bequem dazuschlichten.

.) Werbung für das Projekt!

Nicht nur, dass ich gerne den Sponsor des Vehikels gerne drauf habe und ständig zeigen werde (noch mal „Danke“, Roland!), ist es nun möglich, die URL und den Namen des Projekts deutlich sichtbar anzubringen im Laufe der Zeit.
Das wirkt interessant, vor allem in Zukunft, wo die Sprache das größte Hindernis des menschlichen Kontakts sein wird.

Wagerl

Jedoch, und das merke ich jetzt schon ohne wirkliches Bemühen: Ich bin absolut darauf erpicht, wenigstens ein paar Fetzen der örtlichen Sprache wiedergeben zu können.

„Pivo prosim“ geht mir schon leicht über die Lippen. 😉

Das Wochenende war super-entspannend, ich möchte mich noch einmal (und wahrscheinlich nicht zum letzten Mal) bei Dr. Wolfgang Hofer bedanken, der sich als Unterkunftgeber anbot und mir ein, nach dem strapaziösen Start sehr willkommenes, Entspannungswochenende bereitete.
Mit ihm habe ich aus dem Nichts einen guten Freund gewonnen, den ich auch nimmer verlieren mag.

Nachdem ich gestern weiter losging, machte sich sofort wieder das unmenschliche Wetter bemerkbar.
Schon nach ein paar hundert Metern floss der Schweiß in Strömen, nach ein paar Stunden waren die Blasen an den Füßen wieder da.
Logo, wenn man sich mit jedem Schritt abplagt, weil man das Gefühl hat, eine Tonne versucht einen in den Boden zu drücken.

Heute, am Dienstag, war wirklich „hardcore“ angesagt.

In der Früh von Senkvice startend, machte ich mich auf den Weg zur nächsten Stadt auf der Route, Trnava.
Inzwischen bin ich zwar nicht mehr weit von Trnava entfernt, doch erwiesen sich die heutigen 16km Vormittagsschicht als etwas vom Härtesten, was ich je erlebte.

Über dreißig Krügerln im Schatten, nirgends ein Geschäft verfügbar, hatschten Maja und ich Meter für Meter auf der Landstraße entlang.
Am Ende leidete ich schon unter massivem Flüssigkeitsmangel (Maja durfte sich an zwei Bächen laben) und befürchtete, vor der Hitze w.o. geben zu müssen, indem ich kollabiere.

Es war schlimm.
Es war grenzwertig.
Aber es zeigte mir wieder, dass ich mich vor der Witterung nicht fürchte. Meine Motivation war wesentlich stärker als die Hitze, die von unserem Heimatstern, der Sonne, abgesondert wurde.

Morgen erreiche ich Trnava, eine Stadt mit enormer Geschichte.
Werde mir deshalb sicherlich ein paar Platzerln ansehen und einige Fotos knipsen.

Bis zum nächsten Mal, liebes Tagebuch!

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Walk4Humanity – die erste Woche


Liebes Tagebuch,

die letzte Woche war etwas, wofür mir nur das Wort „fulminant“ einfällt.

Als üblicher Stadtmensch mit den naturgegebenen dekadenten und degenerierten Ansätzen stellte ich mir vorher in der Theorie nur vor, was auf mich zukommen mag.
Die Praxis sah dann doch anders aus, wenn auch nicht in unvorhergesehener Form.

Als ich die ersten Schritte am Wiener Rathausplatz setzte, war mir sehr wohl bewusst, dass es nun die symbolischen first steps in ein neues Leben sind.
Mittlerweile sehe ich die Sache ein bisschen realistischer.

Und was soll ich sagen…ich liebe es!

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Die erste Nacht im Freien nach einer ewig zurückliegenden Kindheit fühlte sich abstrakt an.
Die zweite wirkte allerdings schon heimeliger.
In den Schlafsack reingekuschelt fühlte ich mich unvermittelt in einen Kokon verschlossen, der mich für den Schlaf vom Rest der Welt, inklusive der Witterung und der rege aktiven Insektenwelt, abkoppelte und mich selig einschlummern ließ.

Jede Nacht, die ich im Freien verbrachte, gefiel mir mehr.

Denn mit jedem Schritt, den ich unter Tags ging, verarbeitete ich diese neue Lebenssituation, immerhin frei gewählt, mehr.

In mir schlummert kein Frust, kein Heimweh und kein negativer Gedanke.
Einzig und allein der Wille, immer weiter zu gehen, dominiert.

Am letzten Wochenende, also noch ganz knapp außerhalb Wiens, pochte im Hinterkopf der Überlebensinstinkt.
Beinahe schreiend vernahm ich „Oida! Steig in die g’schissene S-Bahn ein und scheiß drauf!“ ganz hinten im Geist.
Nicht einmal lief ich jedoch Gefahr, diesen geistigen Teufel, der in jedem Menschen schlummert, ernstzunehmen.

Inzwischen ist diese Stimme längst verstummt.

Maja und ich gehen einen Schritt nach dem Anderen, meistens geht sie vor und treibt mich wie ein Trommler auf einer römischen Sklavengaleere an.

Leider konnte ich in der ersten Woche nicht das Tempo gehen, das ich mir vornahm.
Grund war, dass ich ungewohnte 32kg am Rücken trug (ich gebe zu bedenken, dass ich selbst zur Zeit 78kg wiege, damit also fast die Hälfte des eigenen Körpergewichts umgebunden hatte), vom Start weg Temperaturen um die 30° die ungewohnte Situation extrem erschwerten und nach drei Tagen beide Fußsohlen durch das immense Zusatzgewicht von Blasen übersät waren.

Jeder Schritt entwickelte sich zur Qual, der Rucksack zog, die Hitze machte uns zu schaffen…oft ging nur ein kurzer Abschnitt, bevor wieder eine Pause beim nächsten schattigen Plätzchen unumgänglich war.

Und trotzdem wuchs unser gemeinsamer Wille mit jedem Schritt…“Weiter! Es geht nur noch vorwärts!“ ist die Devise, die nun meinen Kopf dominiert.

Jetzt ist Tag 9 der Weltumwanderung.
Ich bin einquartiert bei einem extrem netten Sympathisanten des Projekts, der mir Obdach in der Slowakei anbot, bis das heißersehnte Wagerl am Montag kommt und mir den weiteren Marsch unendlich erleichtert.

Amüsanterweise spürte ich am Schluss den Rucksack kaum mehr.
Auch die Blasen waren schon längst am Verheilen, die Schmerzen in den Füßen wurden sukzessive weniger.
Das Wetter? Maja und ich wissen nun, wie wir damit umgehen, wenn es heiß ist, so lange wir in der Zivilisation weilen -> es gibt eine „Frühschicht“ und eine „Spätschicht“, in denen wir Vollgas geben, um während des heißen Tages den Motor abzustellen.

Die erste Woche diente also (ich gestehe: ungewollt!) als „Bootcamp“ und erhöhte die körperliche Fitness ungemein, wie ich jetzt merke.
Schon gestern am Abend, gerade einmal ein paar Stunden bei diesem neuen Freund weilend, fühlte ich mich schon wieder fit.

Eigentlich hätte ich nach dieser ersten Nacht in einem weichen Bett seit über einer Woche schon wieder alle Batterien aufgeladen.
Das Warten auf das Wagerl hat jetzt aber Priorität.

Bis dahin genieße ich die Ruhe, lenke mich ein wenig ab vom Projekt und verbringe ein entspanntes Wochenende.
Nach diesem Gewaltakt an Umstellung – sowohl physisch als auch psychisch war es kein alltäglicher Gang – habe ich jede Menge gelernt und brenne bereits auf die neuen Eindrücke, die auf mich in der nächsten Zeit warten.

Auffällig an der ersten Woche war eines: Nicht nur, dass ich (ich fotografierte sie) neue und bisher unbekannte tierische Erlebnisse hatte, erlebte ich ausnahmslos Freundlichkeit von den Menschen in Österreich und auch im Hinterland der Slowakei, wo man Rucksacktouristen kaum sieht.

Schon jetzt wurde ich für meine Motivation bestätigt, dass nur ein zu-Fuss-gehen wirklich alle Eindrücke liefert, die man sich wünschen kann.
So viel hätte ich versäumt, hätte ich diesen Trip auch nur mit dem Rad begonnen!

Die Menschen reagieren ungemein interessiert auf das Projekt, behandeln mich und mein Hundsi mit äußerster Gastfreundschaft.

In mir toben die Endorphine wie seit der Kindheit nicht mehr, ich strotze vor Motivation.

So, wie das Projekt die erste Woche ankam, habe ich keine Zweifel mehr: Ein wachsendes Team, viel Support und enorm viel guter Zuspruch zeigen mir, dass wir sehr bald die Reichweite im Netz lukriert haben, die ich mir wünsche.
Warum ich mir eigentlich viel Publikum für meine Erlebnisse wünsche?

Publikum = Werbewert
Werbewert = Finanzierung
Finanzierung = Erhöhung des Werbewerts
Erhöhter Werbewert = Erhöhte (internationale) Reichweite

So schnell wie möglich soll die Reichweite einen gewissen Wert erreichen, denn dann können wir alle beginnen, kleine Herausforderungen, die Mensch, Tier und Umwelt belasten, bei Begegnung mitsamt der (wachsenden) Community zu lösen.

Das ist das einzige Ziel dieses Unterfangens: Menschen, Tieren und dem Planeten ein kleines bisschen unter die Arme greifen, je nach Möglichkeit!
Dafür gehe ich. Dafür riskiere ich meine gesamte Existenz.
Damit geholfen wird, wo es vorher niemandem aufgefallen wäre, dass Hilfe nötig ist.

Hiermit, liebes Reise-Tagebuch, melde ich mich für das Wochenende ab und werde dich bei der erstbesten Gelegenheit weiter befüllen.

Schönes Wochenende an alle, die es lesen!

 

http://www.walk4humanity.org

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Walk4Humanity – die ersten drei Tage


Es ist vollzogen!

Nun habe ich den Schritt gewagt, der mich durch mein gesamtes Leben schon tief in meinem Kopf quälte: Ich entdecke die Welt!

Jetzt gibt es mehrerlei Komponenten, die für so ein gigantisches Vorhaben mitspielen.
Wichtigster Aspekt ist der Langzeitplan.
Dieser sitzt.

Die Kinderkrankheiten bekam ich jedoch gleich beim ersten Schritt zu spüren.

Wie Jean Beliveau seine Reise vollbrachte, gab ich schon in einem anderen Artikel bekannt.
Er vollzog dieses tollkühne Unternehmen mit einem Kinderanhänger für Fahrräder.

Dieser kommt erst in Kürze nach, weshalb ich gerädert und körperlich am Limit diese Zeilen aus Bad Deutsch Altenburg schreibe.

So lange das Schiebewagerl noch nicht da ist, gehe ich mit einem Rucksack.
Dieser wiegt über 30kg…inklusive der Hitze ist es, so denke ich, nachvollziehbar, dass ich körperlich ein wenig am Limit bin.

Hier im Blog werde ich ab nun von meinen Eindrücken, die eine derartige Reise mitbringt, berichten.
Desweiteren wird hier schonungslos davon erzählt, wie es mir geht.

Dass es einem Menschen bei einem Abschied für zehn Jahre mental zusetzt, liegt auf der Hand.
Der Abschied von meiner Mama war besonders schwer…in den letzten Tagen vor dem Abmarsch verbrachten wir maximal viel Zeit.

Wie es sich jeder Beobachter von „Walk 4 Humanity“ vorstellen kann, flossen literweise die Tränen, sie fehlt mir jetzt schon immens.

Auch meine Liebsten zu Hause in Wien – in den letzten Wochen trennte sich übrigens die Spreu vom Weizen in meinem Bekannten- und Freundeskreis – fehlen mir, doch bietet die heutige Technologie ja die Möglichkeit, unterwegs jederzeit zu kommunizieren.

Am Freitag, beim Abmarsch, hatte das Unterfangen natürlich noch einen gewissen Partycharakter.
Wir schlenderten zu dritt durch ganz Wien, mehrmals nahm ich von mir wichtigen Orten Abschied.

Erst am Samstag, ab der Mittagszeit, war ich alleine.

Dieses Gefühl ist kaum zu beschreiben!

Einerseits stört es mich überhaupt nicht, zusammen mit Maja die Welt zu erkunden.
Maja ist sowieso glücklich damit: Die ersten drei Nächte verbrachten wir im Freien, ein Geschenk für mein Hundsi, das es gewohnt ist, viel unterwegs zu sein.

Die letzte Nacht zum Beispiel schliefen wir in einer abgelegenen Wiese.
Der Blick war Richtung Sternenhimmel gerichtet, Maja und ich hörten nur die Geräusche der Natur, keine Autos, keine Motorräder…überhaupt keine von Menschen gemachten Laute waren zu hören.

Unfassbar schön!

Erstes Problem ist die Energie: Die Handy-Akkus ständig im Saft zu halten, um Fotos, Videos oder diesen Eintrag zu erstellen, ist eine echte Challenge zum derzeitigen Punkt.

Ginge freilich mit einer Solar-Powerbank einfacher, doch so lange ich das Wagerl nicht habe, wird jedes Zusatzgewicht eingespart.

Summa summarum bin ich mental zur Zeit in einer äußerst seltsamen Situation.

Einerseits, was zu erwarten war, schreit eigentlich die Vernunft im Kopf: „Schleunigst nach Hause!“
Andererseits erlebte ich schon die ersten drei Tage dank des Wetters die Pracht der Natur, die jedoch nur ein Vorgeschmack auf weitere Ziele ist.

Obwohl todmüde -> ich liebe diesen Wahnsinns-Plan jetzt schon!

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