Was zum Teufel ist mit der Politik los?


2017

Als Kind (bin Baujahr 1972) klang schon das Jahr 2000 wie die Ziffer eines Science-Fiction-Filmes, so weit war diese magische Zahl entfernt.

Ich stellte mir all die Szenarien vor, die ich durch meine kindliche Fantasie nur kreieren konnte.

Natürlich konnte ich die heutige Zivilisation nicht im Entferntesten sehen, war begeistert von Videospielen wie „Galaga“, „Winter Games“ oder „Pac-Man“.
„Star Trek“ und „Star Wars“ klangen für mich als kleinen Menschen wie legitime Zukunftsszenarien.

Die Welt stand offen, ein Boom an Technologie war überall zu spüren.

Doch leider war es nur die Technologie, die einer stetigen Modernisierung unterworfen war.
Der Mensch selbst änderte sich kein bisschen.

Höchstens das Alltagsverhalten der Massen veränderte sich rapide.
Wo man hinsieht, glotzen die Menschen bei jeder Gelegenheit in ihre Smartphones und vergessen die Welt um sich.
Anstatt, dass man Natur und soziale Interaktion genießt, wird alles mit dem Handy dokumentiert und jeder Schritt wird der Öffentlichkeit preisgegeben.
Wie Zombies sitzen die Menschen unabhängig ihres Alters, Geschlechts, sozialen Standes in den öffentlichen Verkehrsmitteln und starren ihre kleine eierlegende Wollmilchsau an.

Das war die einzige „Modernisierung“, doch ob dies ein positiver Effekt ist, stelle ich dezidiert in Frage.

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Unsere Gesellschaft jedoch, die steht auf der Stelle.

Empathie sucht man vergeblich, der Egoismus blüht und gedeiht.
Single-Haushalte und damit gleichzeitig prosperierende Isolation mit weitreichenden sozialen Mängeln boomen.
Fremde, und wenns der eigene Nachbar ist, werden immer missmutiger betrachtet, denn schließlich könnten sie einem den eigenen Klimbim, den man anhäufte, streitig machen.

Andere Schicksale berühren uns immer weniger.
Insbesondere durch die Globalisierung und die damit hergehende ständige Berieselung durch die Massenmedien, die uns rund um die Uhr unfassbar viel Elend auf der Welt zeigen.

Der Mensch stumpft ab.

Politik ist ein Spiegel des Menschen.
In dieser Branche arbeiten Menschen mit allen Schwächen (und leider beherrschen diese das Tun).

Eine davon ist ein ewiges Problem: Menschen, die etwas verändern wollen, gehen in die Politik und werden nach relativ kurzer Zeit davon korrumpiert.
Sie meinen, das Recht zu haben, über das Leben von Millionen zu entscheiden, sehen sich als sakrosankt, glauben fast, göttlicher als Gott zu sein.

Nun, liebe PolitikerInnen, ich darf euch sagen: Ihr scheißt den gleichen Dreck wie das gemeine Volk auf der Welt.

Ihr habt Hunger, Durst, Liebeskummer, Süchte, Sorgen, kurzum: Ihr seid mit keiner Zelle besser als die, deren Leben ihr gestalten wollt!

Deshalb verstehe ich es nicht mehr, warum der Mensch nicht dazulernt.

Ich selbst trat vor kurzem aus der SPÖ aus.
Nicht, weil ich die Sozialdemokratie plötzlich nicht mehr leiden kann, eher im Gegenteil.

Der Grund ist einfach erklärt: Wie in jeder anderen Partei der Welt, jedem größeren Betrieb, ja sogar jedem kleinen Fußballverein geht es dem Gutteil der Protagonisten nur um die eigene Haut.

Der Posten, der Einfluss, die Macht und Privilegien, die will man um keinen Preis verlieren.
Man fühlt sich nach einiger Zeit unentbehrlich, meint, klüger als die Masse zu sein und beginnt, eine Art „Herrschersyndrom“ zu entwickeln.

Anstatt dass man beharrlich an einem gesellschaftlichen Ziel, nämlich den Frieden und maximal möglichen Wohlstand für eine maximal mögliche Menge an Menschen zu erhalten, arbeitet, zählt plötzlich die eigene Person mehr als alles andere.

All die Ideologie, mit der man aufwuchs, zerbricht an den Strukturen festgefahrener Positionen.

Auch, wenn ein Projekt noch so wichtig wäre -> passt es den oberen FunktionärInnen nicht, wird es abgewürgt.
Kann jemand, der an Hebeln sitzt, nicht damit glänzen, wird es unter den Teppich gekehrt…

In Österreich ist das Malheur mehr als transparent.

Menschen, die im Zivilleben, und vor allem im Druck der Privatwirtschaft kaum überleben würden, weil sie intellektuell oft gar nicht in der Lage sind, in dieser ein produktives Mitglied zu sein, erdreisten sich, Macht auszuüben.

Ich denke da an Individuen wie das ewige Protektionsburscherl Sebastian Kurz, den völlig enthemmten gescheiterten Musiklehrer Wolfgang Sobotka, einen sein Leben lang nach Diensträngen und Einfluss gierenden Hans-Peter Doskozil, einem Millionär wie Schelling, der sicher noch nie einen Gemeindebau von innen gesehen hat, und und und…

Solche Menschen erklären die Welt und spielen mit den Hebeln der Macht.
Schon längst enthoben von irdischen Problemen wie Geldsorgen, Existenzängsten oder täglichen Überlegungen, was man sich am Monatsende noch leisten kann, werken sie, als wären sie von einem Gott auserkoren, die Macht zu missbrauchen.

Ein Kern, der eigentlich eine Sozialdemokratie mit all ihren menschlichen Herausforderungen strikt verteidigen sollte, sieht in seinem politischen Dasein augenscheinlich auch nur eine PR-Tour mit regelmäßigem Verrat an sozialdemokratischen Idealen.

In Oppositionen sieht es nicht besser aus.

Megalomanische „Ich wäre gern Diktator und würde so gerne missliebige Menschen eliminieren“ Gefahrenherde wie Strache, Hofer, Kickl, Gudenus und Co. treiben die Gesellschaft durch ständige Lügen vor sich hin, schüren Hass und Missgunst unter den Menschen und schielen auf Macht.

Meistens mit weniger Intellekt gesegnet als durchschnittliche Angestellte in irgendwelchen Betrieben, sehen sie sich als Nabel der Welt.

Sie hören sich gerne vor Publikum reden, werden bei regelmäßigen Veranstaltungen bewundert, als würden sie Weltenretter sein (völlig egal, wer und wo), werden hofiert, bemuttert, wie Stars behandelt.
Dies steigt zu Kopf.

Dabei üben sie nur einen Job aus.
Eine Beschäftigung, deren Grenzen klar ausgelotet und die der Bevölkerung geschuldet ist, nicht der eigenen Person.
Nicht besser oder schlechter als der einer Kassakraft beim BILLA oder eines Bauarbeiters.
PolitikerIn-sein ist Job, nicht Berufung!

Wo sind die PolitikerInnen mit sozialem Gewissen?

Gibt es in Österreich keine Mujicas, bescheiden der Sache (der Bevölkerung) dienend, keine Steuergelder für Werbung aus dem Fenster werfend, sondern demütig ihre Arbeit machend?

Ja, es gibt sie.

Nur werden sie von denen, die selbstherrlich nach Macht streben, am Weg nach oben komplett zerrieben.

Am Ende kommen nur die rücksichtslosesten ganz oben an.

Zuvor gilt es nur, nichts falsch zu machen und die richtigen Zugpferde zu finden, die einen nach oben hieven.

Die Liste der Namen ist beliebig erweiterbar, egal in welchem Land der Welt, unerheblich, in welcher Partei.

Das Problem an der Sache ist jedoch, dass sich die Herausforderungen der Zukunft, inzwischen ein turmhoher Stapel an schwierigsten Aufgaben, nicht mit Emotionen, sondern mit Ruhe und Logik, Sachlichkeit, Menschlichkeit und Weitsicht lösen lassen.

Hier eine Liste an Eigenschaften, die ein/e gute/r PolitikerIn mitbringen muss:

.) Sachlichkeit
.) Empathie
.) Menschenkenntnis
.) Bildung
.) logisches und kausales Denkvermögen
.) ein gesundes, demütiges Ego
.) Weitsicht über eine Legislaturperiode hinaus
.) Beharrlichkeit
.) Besonnenheit

Kaum ein Punkt wird von heutigen SpitzenpolitikerInnen auf der Welt erfüllt.

Was läuft nur falsch?

Mittlerweile verliere ich den Glauben an Verbesserung, glaube an ewiges Weiterwursteln und harre der grausamen Dinge, die uns durch globale politische Inkompetenz blühen.

Insgeheim hoffe ich jedoch auf ein weltweites Revival von 1789.

Zurück zum Beginn des Textes: Als Kind erträumte ich mir eine moderne Welt.
Technisch ist sie es geworden. Menschlich und politisch wandern wir jedoch wieder Richtung Steinzeit…

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