SPÖ? Ja! Aber…(Teil 1)


Es ist erst eine Woche her, als ich mich entschloss, aus der SPÖ auszutreten.

Grund dafür ist die Symbolik dahinter, die mich dazu anregte, nicht mehr mittragen zu wollen, dass Dinge geschehen, die ich nicht teilen kann.

Natürlich ist es ein Schritt, der wohlüberlegt war, weil ich sehr viele liebe Menschen in diesem Konstrukt an Organisationen kennen- und schätzen-lernte.

1mai_spoe

Dieser Artikel soll kein SPÖ-Bashing sein, im Gegenteil, eher lasse ich mich dazu herab, mich mental zu dieser Fraktion gebunden zu sehen, weil sie eigentlich der einzige Hoffnungsschimmer für eine empathische und solidarische Gesellschaft der Zukunft zu sein scheint.

In Zeiten, die zunehmends rauer werden, werden wir alle, egal in welchem Land, eine sozialdemokratische Kultur benötigen, wollen wir nicht in die Untiefen schon längst vergessen geglaubter Barbarei zurückfallen.

In der SPÖ werkeln so viele gute Menschen, dass eine Liste all derer, die redlich auf Menschlichkeit erpicht sind, mehr Zeichen als alles, was ich in über drei Jahren im Blog verfasste, verschlingen würde.

Doch nun kommt das „Aber“.

Die Partei hat tiefe Probleme, und ich zweifle mittlerweile bis in die tiefsten Punkte meines Ich’s darüber, ob sie im Stande ist, diese zu beheben.

.) Vergangenheitsglorifizierung

Ja, die Vergangenheit, insbesondere die jüngere (seit dem Fall des dritten Reiches), war zeitweise richtig glorios.

Unter Bruno Kreisky erlebte die Sozialdemokratie einen Höhenflug, der schon damals realistischerweise von vielen als unwiederholbar angesehen wurde.

Die Zeit für den Sozialstaat war einfach gekommen!

Allen waren die Gräuel von Krieg und Holocaust noch in lebhafter Erinnerung, das Trauma von unfassbaren Grauentaten noch tief in den Menschen verwurzelt.

SO wollte niemand mehr leben, und deshalb konnte sich – mithilfe des Wirtschaftsaufschwungs in Westeuropa – der solidarische Staat unter der Obhut der Sozialdemokratie (damals Sozialistische Partei) positiv entfalten.

Den Menschen ging es so gut wie nie zuvor, Schulbildung wurde zur obersten Maxime, Mutter-Kind-Pass, Anti-Baby-Pille, Renten- und Arbeitslosenversicherung schufen ein Fangnetz für alle Menschen.

Bis der Höhepunkt erreicht wurde.

Ungefähr Mitte der 1990er-Jahre begann die Gesellschaft langsam, die Spitze des möglichen zu erreichen und im maximal vorstellbaren Wohlstand zu leben.

Warum maximal vorstellbar?
Weil Österreich, wie auch jedes andere Land der Welt, nicht alleine auf diesem Globus ist.

Wohlstand ist zumeist nach dem kausalen Prinzip von Ursache und Wirkung erreichbar.
Wenn Arbeits- und Sozialbedingungen gut sind, kann der Mensch beginnen, Entfaltung zu leben.

Um aber nur in die Nähe dieses Wohlstands zu kommen, benötigt es eine der grundlegenden Übel (und similar dazu Vorzüge) der Gier.

In grenzenloser Gier glaubte Europa, beschwingt durch das Ende des kalten Krieges, dass eine Friedensära über den Kontinent brach, die ewig so weitergehen könnte.

Nun, währenddessen wuchsen, als natürliche Wirkung von Gewinnen und entfesselter Produktion, die Konzerne auf ein ungesundes Maß.

Der neue Geldadel erhob sein Antlitz, die Kluft zwischen „arm“ und „reich“ begann zu wachsen.

Eine Dot.Com- und Immobilienkrise später, im Jahr 2017, steht die westliche Gesellschaft vor einem Scheidepunkt: Frönen wir weiterhin der Jagd nach Gewinnen und (un)endlichem Wirtschaftswachstum, wohlwissend, dass ein Plafond irgendwann erreicht sein muss?
Oder zügeln wir uns und beginnen, all die Güter und die Unmengen an Überproduktion besser auf eine maximale Zahl von Menschen zu verteilen.

Mit der Prämisse, dass Menschen, denen es nicht an elementarem fehlt, friedlich und konstruktiv eine gemeinsame Zukunft bauen.

Die Sozialdemokratie von heute ist noch viel zu sehr in der Vergangenheit gefangen.

Kreisky, Adler, Renner und Konsorten waren Kinder ihrer Zeit.
Diese Polit-Idole würden heute nicht mehr reüssieren, sie wären belächelte Sonderlinge.

Heute gilt der Ellenbogen, Social-medias geben den Takt an, der Lauteste bekommt oft die meisten Stimmen.

Unzählige Parameter der Globalisierung, von der wir uns in der Prä-Internet-Ära noch gar keine Gedanken mangels Vision machen konnten, sind neu.

Einer der Gründe, warum ich mit dem Apparat SPÖ, so wie er jetzt läuft, nicht kann, ist diese Sucht nach vergangenem und dem korrelierendem Mangel an Ansichten für eine Zukunft unter Berücksichtigung heutiger Aspekte.

Unter uns: Ich kann keine „Internationale“ mehr hören. Keine hochgereckten Fäuste mehr sehen.
Das sind Kampfsymbole einer anderen Zeit, als „Arbeiter“ noch in einer kleingehaltenen Klasse existierten.

Das Klassenprinzip existiert nicht mehr.
Ein bisschen von allem steckt inzwischen in jedem von uns.

 

Fortsetzung morgen, sonst wirds zu lang. 🙂

Aber ich bleibe bei der Betonung: eine SPÖ ist nötig! Es soll ein Aufruf sein.
Ein Aufruf, all diese Krusten, die ein alter Apparat entwickelt hat, aufzubrechen, um ihn wieder intakt zu bekommen.
Denn wir brauchen die Sozialdemokratie!

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