Worst case possible


Gestern am Abend war die Welt noch in Ordnung.

Mit geradezu an Irrsinn gleichender Sicherheit haben die Menschen am Globus schon im Voraus gewusst, dass Donald J. Trump, Milliardär und Grossmaul, keine Chance gegen Hillary Clinton im Rennen um den Posten des mächtigsten Menschen der Welt hat.

Donald Trump

Heute in der Früh die Ernüchterung, die Bestätigung eines weltweiten Trends, die Welt der Menschen kippt nun endgültig nach rechts und auch in den gewollten Teil-Suizid.

Gegen das „Establishment“ trat der ultrarechte, orange-häutige Macho an.
Gegen ein „Establishment“, dem er politisch zwar nicht, aber wirtschaftlich immer schon angehörte.

Die Rechtsaußen der Welt, hier am lokalen Beispiel HC Strache präsentiert, jubeln:

strache-grats

Auch Le Pen, Farage, Petry, Wilders usw. überschlagen sich in Jubelorgien.

Ob man die Wählerinnen und Wähler Trumps jetzt verdammt oder bejubelt, spielt keine Rolle.
Ebenso lässt sich das Wahlverhalten der Menschen auf Österreich, wo sich ja am 4. Dezember die zukünftige Richtung des Landes abzeichnen wird, verurteilen.

Deshalb will ich die Wahlversprechen Trumps unter die Lupe nehmen.
Eine Liste seiner Positionen, immer wiederholt und auch verstärkt, findet man hier: Kurier vom 9. November 2016

Ich bitte speziell die Rechtswähler unter den LeserInnen darum, die Punkte aufmerksam durchzulesen.

ARBEITSMARKT

Donald Trump hat im Wahlkampf versprochen, neue Jobs zu schaffen – vor allem in der Industrie. Bergleute sollen wieder Kohle fördern, die Schiefergas-Vorkommen ausgebeutet werden. US-Unternehmen sollen ihre Produkte zu Hause fertigen und nicht im Ausland. Illegale Ausländer will Trump loswerden – auch um Jobs für Amerikaner freizumachen.

Neue Jobs? Braucht man verstärkt auf der ganzen Welt.
Es wird immer mehr automatisiert, Profite werden maximiert (zu Ungunsten der Masse von ArbeitnehmerInnen), der Druck erhöht sich zunehmends.
Auf der ganzen Welt.
Jetzt könnte man natürlich Meinungen aufeinanderprallen lassen, doch wie wirkt es sich aus, was von Trump für die USA geplant wird?

Industriejobs in rauhen Mengen ergeben eines: Lohndumping durch sinkende Preise für Rohstoffe.
Rohstoffe, die mittlerweile in Teilen schon ausgehen (Kohle, Erze…) und dafür verantwortlich sind, dass der Klimawandel (den Trump natürlich negiert) immer schneller galoppiert, weil sie seit 200 Jahren in die Luft geblasen werden.

Lokale Produkte wären im Grunde überall auf der Welt zu begrüßen, um die überbordende Globalisierung mit ihren für unser aller Umwelt fatalen Folgen ein wenig einzubremsen.
Doch leidet darunter auch Import/Export der größten Handelsmacht der Welt.

Da alles eng miteinander verflochten ist und sich schon längst der Wahrnehmung auch der klügsten Menschen auf der Welt entzogen hat, befeuert dies eine schon längst auf einer Blase treibenden US-Wirtschaft.
Im negativen Sinne.
Die USA hat geschätzte 10 Billionen(!) Dollar Schulden.
Ein Mangel an multilateralen Handelsbeziehungen könnte zum Kollaps führen.

Illegale Ausländer ausweisen? Kommt einem bekannt vor.
Nur, so sehr sie auch verwünscht werden von Menschen auf der ganzen Welt, trägt die Arbeitskraft illegaler Migranten ausgerechnet in den USA den Billiglohnsektor.

Werden diese ersatzlos gestrichen, müssten Einheimische vermehrt in 1-Dollar-Jobs arbeiten, weil ihnen keine Wahl bliebe.

So leicht, wie sich Trump und auch seine vielzähligen Gesinnungsgenossen überall auf der Welt die Chose vorstellen, ist es also schon längst nicht mehr.

Faktoren, mit denen man natürlich leicht Stimmen fangen kann, ohne Frage.
Aber kein vernünftiges Programm.

Trump ist übrigens jemand, der den Klimawandel trotz empirischer Zahlen aus allen Ecken der Forschung negiert.
Eigentlich eine Fahrlässigkeit, dass so jemand die größte Wirtschaftsmacht der Welt anführt.

AUSSENPOLITIK

Donald Trump will die Außenpolitik ausschließlich an US-Interessen ausrichten – getreu dem Motto „Amerika zuerst“. Er sagt, andere Länder wie Deutschland oder Japan müssten für den Schutz der USA bezahlen. Das militärische Engagement will er begrenzen, aber gleichzeitig den Kampf gegen den Terrorismus verstärken. Die NATO nannte er überkommen. Den russischen Präsidenten Wladimir Putin lobte er.

Hier wirds bedenklich.

Trump ist bekanntermaßen ein Prototyp des ungebildeten Amerikaners, der schon oft bewies, dass er von Geographie und geopolitischer Lage keine Ahnung hat.

Seine verbalen Angriffe gegen Mexiko sind beispiellos und verbreiten Angst und Schrecken im südlichen Nachbarland.
Als sein Wahlsieg immer realistischer wurde, fiel der mexikanische Peso auch sofort in ein langjähriges Tief.

Wer „Terrorist“ ist, besprach er oft genug: Registrierungspflicht für Moslems, Kennzeichnung, Verächtlichmachung aller Mexikaner als Drogendealer, Verbrecher etc.

Seine Auffassung von Außenpolitik ist erschreckend…

BILDUNG

Donald Trump will die Schulbildung stärker dezentralisieren. Staaten und Kommunen sollen mehr Mitspracherecht bekommen. Trump will 20 Milliarden Dollar investieren, um den ärmsten Haushalten Zugang zu besseren Schulen zu ermöglichen. Er will auch das System von Heimschulen fördern – eine Diskussion, die für konservativ-christliche Familien eine große Rolle spielt.

Ich weiß nicht, inwiefern manche LeserInnen, vor allem jene, die dem rechten Wählerspektrum zuzuordnen sind, Bescheid wissen über das Bildungssystem in den USA, vor allem im ländlichen Raum.

Dezentralisierung in Gegenden, wo schon Großsponsoren wie McDonald Schulen finanzieren und adäquate Beeinflussung der Zöglinge ausüben, ist fahrlässig.

Auch ist es schon immer so gewesen in den USA, dass regionale Lehrpläne wie die Verweigerung der Evolutionstheorie (in puritanischen Gegenden wird allen Ernstes die „Lehre“ des Kreationismus gelehrt) zur Geltung kamen.
Heimunterricht ist in Redneck-Gegenden sehr beliebt.
Dort wird zwar gerne die Bibel gelernt, doch Allgemeinwissen kaum.
Vor allem nicht, wenn es nicht „Gods own Country“ betrifft.

Dieser „Plan“ klingt nicht wie eine Verbesserung der Bildungsmisere, sondern eher wie ein Kniefall vor dem Bible-belt.

EINWANDERUNG

Donald Trump hat Einwanderer wiederholt kriminalisiert und eine Null-Toleranz-Politik angekündigt. Zentraler Bestandteil seines ganzen Wahlkampfes war eine Mauer, die er an der Grenze zu Mexiko errichten will – auf Kosten des Nachbarlandes. Herkunftsländer will er zwingen, ausgewiesene Einwanderer zurückzunehmen.

Siehe „Außenpolitik“.

Trump wurde von vielen gerade dafür gewählt, similar zu den Wahlmotiven hiesiger Rechter.

Während sich die Menschheit allerorts ethnisch mischt, klingt dieses Wahlversprechen wie eine gefährliche Drohung auf Leib und Leben unzähliger.

GESUNDHEITS- UND SOZIALPOLITIK

Donald Trump will die von Präsident Barack Obama eingeführte allgemeine Krankenversicherung, bekanntgeworden unter dem Stichwort „Obamacare“, sofort abschaffen und ersetzen. Insgesamt soll der freie Markt schalten und walten. Man solle Versicherungsbeiträge steuerlich absetzen können, meint er. Wettbewerb soll es auch zwischen den Bundesstaaten geben, um Kosten zu senken.

Klassischer Fall von rechten Unsinnsversprechen, inklusive Motiv-Paradoxon für seine WählerInnen, zumeist aus ärmeren Schichten.

Millionen seiner WählerInnen werden sich keine Krankenversicherung leisten können, dank Trump bekommen sie wieder die alten Probleme.

In Österreich sieht man die Parallelen zur Debatte um die Mindestsicherung, wo viele Bezieher ausgerechnet die wählen, die sie kürzen oder gar abschaffen wollen.

Unverständlich. Einfach unverständlich.

KLIMASCHUTZ, ENERGIE UND WIRTSCHAFT

Donald Trump will weiter auf die alten Energien setzen und sich damit einem weltweiten Trend widersetzen. Den arbeitslos gewordenen Kohlekumpels in West Virginia und Kentucky versprach er, sie wieder in Jobs zu bringen. Insgesamt will er eher weg von Dienstleistungen, hin zu mehr industrieller Fertigung. Das passt zu seinem Motto „Make America Great Again“. Trump gilt als Skeptiker bezüglich der Existenz des Klimawandels.

Siehe oben.

Daran darf die ganze Welt knabbern. Vor allem die nächsten Generationen.
Ein Albtraum für die Natur, die sich jedoch immer erholen wird.
Ob sich jedoch die Menschheit erholt von dem, was sie jetzt vollzieht?

KRIMINALITÄT UND SICHERHEIT

Donald Trump sieht die USA in einem Zustand großer Bedrohung. Er gibt sich als harter Vertreter von „Law and Order“, von Gesetz und Ordnung. Die Gewalt sei in den USA außer Kontrolle geraten, sagt er. Viele Details zu seinen Plänen sind nicht bekannt. Trump setzt sich für eine Form des „profiling“ durch die Polizei ein, die auch das Scannen nach ethnischen Merkmalen einbeziehen kann. Er lehnt Körperkameras ab. Das Gefangenenlager Guantanamo Bay auf Kuba will er beibehalten. Er unterstützt das international geächtete und in den USA verbotene Waterboarding. Bei dieser Verhörmethode wird das Ertrinken simuliert. Die Polizei hat aus seiner Sicht kein Rassismusproblem.

„Law & Order“ gilt jetzt schon in den USA.
Rassenkonflikte, verursacht durch Todesschüsse von Polizisten, die höchste Anzahl von Morden pro 100.000 Einwohner, hohe Kriminalität gegen Leib und Leben…es half bis dato nichts und wird nichts verbessern.
Eher im Gegenteil.

STEUERN

Donald Trump will die Unternehmenssteuern radikal von 35 auf 15 Prozent senken, um mehr Unternehmen zum Verbleib in den USA anzuspornen. Die Einkommensteuer soll bei 33 Prozent für Großverdiener gedeckelt werden, Niedrigverdiener sollen über die Nutzung von Freibeträgen zum Teil gar keine Einkommensteuer zahlen. Die reichsten Amerikaner würden einer Erhebung von Forbes zufolge pro Jahr 275.000 Dollar (249.139 Euro) Steuern sparen, die Ärmsten 128 Dollar.

Spannend, woher Trump mit seinen „Ideen“ das Geld für den maroden US-Haushalt hernehmen will.

Wird eben wieder ein Land büßen müssen, das auf Ressourcen sitzt, die stärkend für die US-Wirtschaft sind (Öl?).

WAFFENRECHT

Donald Trump wird von der mächtigen Waffenlobby NRA unterstützt. Trump hat wiederholt einer noch stärkeren Bewaffnung der Bürger das Wort geredet. Wenn alle bewaffnet seien, könnten sich auch alle besser vor Amokläufen oder Anschlägen schützen, so seine Theorie.

Auch hier bewaffnet sich die Generation „Angst“ zur Zeit massiv.

Und das ist das Resultat bisher: die-zahl-der-in-den-usa-binnen-zehn-jahren-durch-schusswaffen-getoeteten-menschen-ist-fast-so-hoch-wie-die-aller-gefallenen-us-soldaten-im-zweiten-weltkrieg
Quelle: hier

Summa summarum das Selbe, was alle Rechten, von Le Pen, Wilders, Petry, Erdogan, Strache, Hofer, von Storch etc. versprechen, nur mit lokalem Touch versehen.

Trump aber sitzt auch am roten Knopf.
Zum nahen Osten befragt, sagte er nicht einmal während des Wahlkampfes „Why not nuke them?“

Die Welt darf sich zurecht fürchten.

Wir aber müssen hoffen, dass viele RechtsanhängerInnen hierzulande genau zusehen, was jetzt passiert.
Vielleicht denken sie dann ein wenig mehr nach.

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4 Antworten zu Worst case possible

  1. Dagmar Ille schreibt:

    Die rechten Anhänger sind bereits gehirngewaschen! Die kapieren gar nix mehr. Die reagieren nur mehr auf Schlüsselworte, die ihnen Neonazis und Neofaschisten hinwerden!

  2. moma schreibt:

    Wenn ich mir heute die Kommentare auf der Stracheseite anschaue, bezweifle ich stark, dass irgendein FPÖler zu denken anfängt. Es frustriert und es macht mir Angst, dass Menschen keinerlei konstruktiver Kritik, keinem Argument, selbst keinem Beweis oder einer Richtigstellung zugänglich sind oder auch nur ansatzweise
    überdacht wird. Wohin das führen mag?!

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