Das Problem der Hasspostings


HC Strache hat es wieder einmal geschafft.

Seiner Taktik zu Folge gewann er am Wochenende wieder auf allen Ebenen, nämlich im täglichen Fight um die Aufmerksamkeit in den sozialen Medien.

Natürlich werden kritische Postings auf seiner Seite gelöscht, schließlich soll eine Blase entstehen für die AnhängerInnen.
Unterstützt von Algorithmen und persönlichen Befindlichkeiten sehen diese nur noch ihrer Meinung entsprechende Meldungen auf Facebook, Twitter und Co.

Strache schoss am Wochenende wieder den Vogel ab und zeigte dem Land, wie Propaganda funktioniert: Nachdem ein Asylwerber erfuhr, dass in seiner Heimat Syrien scheinbar seine gesamte Familie ausgelöscht wurde, wollte er sich vom Bus in der Absberggasse in Wien 10 überrollen lassen.

Tragisch? Nicht für HC Strache!
Für ihn ein willkommener Anlass, den aufgeheizten Mob wieder toben zu lassen und diesem nötigen Zund zu geben, damit der Hass in ihm ja nicht vom Zahn der Zeit ausgelöscht wird.

Im Grunde wäre dies FPÖ-Propagandapolitischer Alltag, wie ihn auch Norbert Hofer, Manfred Haimbuchner, Harald Vilimsky, Christian Höbart und wie sie alle heißen, gefühlte 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche ausüben.

Nur ist es diesmal ein kleines Bisschen anders, denn der Hass überschlug sich:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Während nämlich eine nicht zählbare (oder doch zählbar, aber wer tut sich das ernsthaft an?) Anzahl an Postings mit Gewalt- und Hassphantasien in diesem Thread befindet, und zwar seit Tagen, werden Andersdenkende – wie gewohnt – sofort gelöscht.
Darunter der Sprecher der Caritas, Klaus Schwertner:

Ich möchte die Alltags-Exzesse der blauen Politiker jetzt nicht, wie man es von mir vielleicht kennt, in der Luft zerreißen, denn das, was sie wollen, erreichen sie: Aufmerksamkeit.

Wie man aus dem Marketing weiß, ist auch schlechte Werbung gute Werbung.

Aufmerksamkeit wurde lukriert, und zwar nicht zu knapp.

Die übliche Ausrede, dass die FPÖ nicht die Ressourcen besäße, um all die Hasspostings adäquat zu filtern und zu entfernen, ist natürlich Augenauswischerei, weil kritische Kommentare, seien sie auch noch so sachlich, flugs inklusive Blockierung der AutorInnen zu Stande kommen.

Man sollte also annehmen, die Stimmung auf den FPÖ- wie auch allen anderen Seiten rechtsradikaler Parteien in der Welt ist so gewollt.

Wie aber wirksam dagegen vorgehen?

Obwohl das Phänomen der Hasspostings weltweit ausufert (ich beobachte nebenbei viele Trump- oder AfD-affine Seiten), wird stets gegen die unreflektierten Poster vorgegangen.

Diese Schritte halte ich jedoch für kontraproduktiv.

  1. Sind es meistens gesellschaftliche Verlierer, die sich hinreißen lassen.
    Hier hilft eine Strafe nichts, außer dass diese kaum bezahlbar ist und die VerfasserInnen noch mehr Wut in sich aufstauen.
  2. Bekämpft dies nur die Wirkung, nicht aber die Ursache.

Im Normalfall bin ich kein wirklicher Freund von anlassbezogener Politik, doch ich würde eher den PolitikerInnen dieses Landes eine Art „Maulkorb“ verpassen, und zwar per Gesetz.

Mein Vorschlag daher: Politiker, die in Gremien, Ausschüssen, Vorständen sitzen, sollten auf ihren offiziellen Accounts in den sozialen Netzwerken per Gesetz verboten bekommen, Kommentare jeglicher Art zuzulassen.
Eine Sperre der Kommentarfunktion also.

Private Accounts dürfen weiterhin wie bisher funktionieren.
Jedoch mit 100%iger Eigenverantwortung über die auf den Seiten sichtbare Inhalte, die mehr als 30 Personen erreichen.
Wenn also als Beispiel ein Johann Gudenus Mordaufrufe auf seiner privaten Facebook-Page zulässt, wird er dementsprechend (der Strafrahmen sollte ausgeklügelt ausjudiziert werden) sanktioniert.
Auf seinem offiziellen Auftritt darf er posten, was er mag.
Aber Kommentare anderer sind nicht erlaubt.

Dies wäre technisch möglich und Server-unabhängig.
Und es würde die Vielzahl der inzwischen völlig außer Rand und Band auszuckenden PosterInnen ein wenig verstummen lassen.

Sicherlich wäre dies nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, denn die Mentalität der Hassposter ändert sich deshalb nicht.
Die Aufschaukelung wäre aber zumindest ein wenig eingedämmt, und niemand muss sich benachteiligt fühlen.

SO jedenfalls ist das Klima im Internet nicht mehr tolerierbar.
Ob auf Youtube, Facebook, in den Zeitungsforen, überall wird nur noch fast pathologisch gestritten.

Schon jetzt ist unsere Gesellschaft durch die letzten Jahre in den sozialen Medien als peinlich-zerstrittener Haufen der Nachwelt erhalten.

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Eine Antwort zu Das Problem der Hasspostings

  1. Pingback: Warum Norbert Hofer DOCH ein Nazi ist & Das Problem der Hasspostings von Gerald Kitzmüller | Blog von Klaus Schreiner Österreich, Tirol, Innsbruck

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