Wir sind das Volk!


Schönes Schlagwort als Titel, hm?

Kommt einem bekannt vor, wenn man in den letzten Monaten nicht in einer Höhle in Sibirien gehaust hat, dass dieser Slogan aktuell vom rechten Spektrum besetzt wird.
Doch die Rechten haben nicht recht, denn wir alle sind das Volk!

Eine dynamische Masse an Menschen, die einen Lebensraum benutzen und darin mit allen persönlichen Kräften versuchen, über die Runden zu kommen.

Jetzt könnte man auf politische und wirtschaftlichen Details wechseln und pro und contra einzelner Punkte miteinander aufwiegen.

Dies ist aber nicht Sinn und Zweck der Sache, zumindest in diesem Artikel.

Nehmen wir den Status Quo, an dem nichts zu beschönigen ist, als Maßstab für zukünftige Aufgaben.

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Zu viele Ausländer? Wir sind in einer längst globalisierten Gesellschaft. Deal with it!

Das „System“ ist an allem schuld? Nun, wir alle sind aktiver Teil dieses Systems, ob wir wollen oder nicht. Ausbrechen ist nicht.

„Die da oben machen, was sie wollen“? Nicht wirklich.
Was „die da oben“ fabrizieren, ist logische Folge des Wohlstandes: Kein demokratisches Land der Welt (außer im Zweiparteien-System der USA) schafft es inzwischen, stabile Parteien zu stellen, die im Stande sind, absolute Mehrheiten zu erringen.
Die Parlamente strotzen vor verschiedenen Ansichten und Fraktionen.

Solch Konstellationen bergen Gefahren, aber auch Chancen!

Denn wenn Parlamente mit vielen Meinungen besetzt sind, und niemand mehr schafft, absolute Mehrheiten hinter sich zu vereinen, ist eines klar: Bei aller Ideologie schafft es keine Partei mehr, die eigenen Intentionen kompromisslos durchzuboxen.
Faule Kompromisse sind daher an der Tagesordnung, weil man diese mit einem Regierungspartner erstellt, der ganz sicher anderer Meinung ist.

Als Ergebnis hat man einen Brei von „nichts“, der Eindruck des Stillstands macht sich breit.

Ungut ist es jedoch, wenn Oppositionsparteien auf der ganzen Welt nur destruktiv und mit dem Risiko, eine Gesellschaft zu destabilisieren, den Einzug in Regierungen versuchen.
Damit erreicht man nämlich nichts. Oder maximal kurzfristiges politisches Kleingeld, wieder nur nützlich für die, die es auf die Posten schaffen.

Was wir zur Zeit in Österreich sehen, ist ein brisanter Trend der Spaltung einer Gesellschaft.
Die einen verzweifeln an den anderen, die wieder nur schimpfend und drohend die politischen Widersacher attackieren, ohne Rücksicht auf (eigene) Verluste.

Sinnlos, so weiterzumachen.
Resultat wird höchstens Blut sein.
Blut auf den Straßen, und wenn das erste Todesopfer zu beklagen ist – völlig egal ob von links oder rechts – hat eine Seite den Märtyrer, den es zur Eskalation braucht.

Es gibt aber Möglichkeiten der Besänftigung von uns allen, dem Volk.
Das Volk ist nun mal eine amorphe Masse, die sekündlich ihre Besetzung wechselt.
Neugeborene kommen minütlich dazu, Alte sterben.
Menschen reisen ein, ob als Immigrant oder Tourist, und sind für den Dauer des Aufenthalts auch Teilnehmer des „Volkes“, weil interagierend, kurz- oder langfristig hier lebend, mehr oder weniger sozial lebend und Steuer-zahlend.
Also auch „Volk“.

Ein „Volk“ ist nicht mehr nur auf Staatsbürgerschaften beschränkt, da es auf der ganzen Welt (außer in Nordkorea) mittlerweile problemlos möglich ist, andere Regionen zu besuchen und zu beleben.

Jeder, der sich in einer Region bewegt, gehört der Masse des Volkes an, temporär oder permanent.

Und auch Politiker oder Journalisten sind Teil dieses Volkes.
Auch sie denken und handeln nach menschlichen Maßstäben, mal mehr oder weniger verblendet, mal mehr oder weniger mit ähnlichen oder similaren Motivationen und Emotionen besetzt.

Früher waren Regenten eine Art „Übermenschen“.
Dem ist nicht mehr so.
Politiker und Kanzler, Präsidenten und mächtige Medienmogule, sie alle stinken beim Scheißen, müssen essen, trinken, atmen, wollen Liebe und Anerkennung, Frieden und Wohlstand.

So macht jeder, wie er kann.

Was wir brauchen, ist wieder mehr Miteinander.

Beginnend in den Grätzln.
Es spielt nun mal keine Rolle, ob der Nachbar FPÖ-Abgeordneter ist, und man selbst bei der SPÖ.
Niemand kümmert sich darum, wenn der Nachbar oder man selbst nicht in der Lage ist, freundlich und respektvoll mit der Nachbarschaft zu kommunizieren.
Man sitzt eben in einem Boot, bewohnt (auch im Kleinsten) einen gemeinsamen Mikrokosmos, und sollte gemeinsam(!) danach trachten, dass dieser auch angenehm existiert.

Ungenügend ist das Verhalten unzähliger Menschen, die nur in den sozialen Medien (die ich politisch als Hauptindikator für die Radikalisierung der Menschen sehe, weil sich nun jeder, auch der ungebildetste und emotional unreifste berufen fühlt, seinen Senf zu wichtigen Themen abzugeben.

Es ist in allen Richtungen wieder wesentlich aktivere Partizipation am politischen Leben gefragt.
Ob von der Putzfrau oder dem Banker, ob von Migranten oder hier geborenen.
JEDER ist betroffen, und nur schimpfen und die negative Energie weiter am Köcheln zu halten ist früher oder später mit schlimmen Folgen verbunden.

Deshalb wäre es nun Zeit, für jeden von uns, etwas aus alten und (zum Glück) längst verschollenen Epochen wiedererstarken zu lassen: Die politische Partizipation.

Werdet selbst aktiv, bringt eure Ideen ein, bei den Parteien eurer Wahl.
Seht selbst, dass jede Partei nur aus Menschen besteht und daher mit Wasser kocht.
Nur „schwarz/weiß“, meist aus den Medien entnommen und wütend zur Kenntnis genommen, führt zu Gewalt.
Die Wut, den Grant, den Mißmut mit heutigen Umständen kann man nicht mit Passivität begegnen.

Hören wir alle endlich auf, politisch andersdenkende Menschen lächerlich machen zu wollen, des Gewinnens wegen.
Wir leben im selben Boot und sollten endlich wieder anknüpfen an produktive Prozesse: Mit Mitarbeit, aktiver Stimme, Einblick und Weiterbildung.

Besucht die SPÖ-Sektionen, oder ÖVP-,Grüne-,FPÖ-Stammtische.
Bringt euch ein!
Geht auf eure Nachbarn zu, auch, wenn diese vielleicht einer anderen Ethnie oder Religion angehören, denn nur durchs Reden kommen die Leute zusammen.

Ich habe es selbst unzählige Male miterlebt, wie Vorurteile purzelten, weil sich die Menschen aufrafften, endlich miteinander zu sprechen.
Freundschaften bilden sich regelmäßig dadurch.
Freundschaften, mit denen man selbst nicht rechnete!

Einigelung, die Suche nach Sündenböcken, das Jammern über eigene Probleme und die dazugehörige Egozentrik…das führt nur Richtung Eskalation.

Das Wetter ist perfekt zum Draußen-sein, die Urlaubszeit beginnt, die Gelegenheit passt: tun wir alle was!

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