Liebe != Konsumation


Das Internet und ein täglich erweiterter Horizont in uns allen eröffnet Möglichkeiten…und nimmt sie auch.

Möglichkeiten entstehen in uns selbst, wenn wir sie in uns auch erlauben.

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Blättert man das Buch der Zeit zurück, und zwar gar nicht weit, erkennt man eine Welt, die tausende Jahre Alltag war: Man erlebte Menschen durch direkten Austausch und eröffnete durch das Zwischenmenschliche neue Horizonte.

Brauchte man Informationen, holte man diese aus den im Vergleich zu heute spärlichen Medien, dem Dialog und auch durch Selbstrecherche.

Leider hat das Internet aber viele negative Aspekte, wobei ich nicht auf die aktuell auf der ganzen Welt stets immer angespannte politische Lage, durch uns alle verursacht, eingehen will.

Gemeint ist das humane, das Gefühlsleben in uns.

Erinnern wir uns an die Zeiten unserer Kindheit zurück: Man lernte Menschen kennen und tastete sich langsam ins Innere dieser ran, fühlte zuerst und ließ sich nicht durch die gigantische Information leiten, die dieser Mensch aus dem Netz zieht und in das Netz einbringt.

Wie alles in unserem Universum ist auch diese Perspektive eine zutiefst duale: Einerseits kam oft erst nach langer Zeit das böse Erwachen, wenn man sich mit dem Herzen auf diesen einließ.
Andererseits waren Menschen spannender, geheimnisvoller und interessanter zu entdecken.

Eigene Erfahrungen wurden meist mangels äußerer Einflüsse durch neue persönliche Erlebnisse gedeckelt und daraus zog man frische Lehren, die einen selbst oft auch veränderten oder Lügen straften.

Heute wird gecheckt, als wäre ein Mensch eine Einkaufsliste, die man Punkt für Punkt abhakt.

Wir laufen Gefahr, Menschen vorzuverurteilen und nach eiskalten inneren Mustern „auszuwerten“.
Als wären wir alle separate Projekte, die es zu bewältigen gilt, und nicht gefühlsreiche Wundertüten, die sich anderen erst offenbaren müssen.

Weichherzige Menschen werden schnell als „verträumt“ klassifiziert, die eiskalten jedoch nutzen diese  Eigenschaften wie Schwächen aus, bilden sich ihr eigenes, sie selbst belügendes Bild, in dem man eine perfekte Person vor Augen hat, die man am Ende doch vergeblich in der Vielfalt der Individuen sucht.

Den perfekten Menschen gibt es nicht, da sind wir uns alle einig.
Und doch streben die meisten von uns nach einem Idealbild, welches der eigenen Lebensweise am Besten deckungsgleich ähnelt.

Habt ihr euch nicht schon selbst ertappt, wenn ihr in der Liebe schon diverse Enttäuschungen erlebt habt, wie ihr eine neue Person, die ins Leben tritt, nach ihren Eigenschaften und nicht nach dem Grad eurer Zuneigung abwägt?

Wieso gibt es heute in den sozialen Medien soviele Menschen, die ihre Beziehung zu einem Menschen als „es ist kompliziert“ betiteln, weil jeder von uns jede Divergenz sofort auf die Waagschale legt?

Kann man Menschen nicht einfach gernhaben? Bloß so?
Weil der Mensch, den man liebt, ganz banal so ist, wie er ist, mit Stärken und vor allem Schwächen?

Man schwelgt in halbklugen Sprüchen, die man im Internet findet, Binsenweisheiten, die Horoskopen ähnlich, immer zutreffen, wenn man sie sich zurechtbiegt.
Stellt sich selbst auf ein Podest und betrachtet die eigene Person als das wahrscheinlich gütigste, perfekteste, bescheidenste, aber doch unverstandenste Wesen auf Gottes Boden.
Meint, ein/e potentielle PartnerIn muss all diese Eigenschaften, die man sich selbst zuschreibt, auf der Stelle mitbringen.
Beginnt, staubtrocken mit dem Kopf statt dem Herzen zu entscheiden, anstatt dass man sich auf Liebe einfach einlässt und das Momentum genießt.

Ich kann nicht klagen, mir geht es großartig.
Es geht aber nicht um mich, sondern um einen besorgniserregenden Trend.

Immer mehr Menschen, inzwischen ein geschätztes Drittel oder mehr von uns, sind alleinstehend, wähnen sich unabhängig, und sind trotzdem gefangen in einem Wirbel von Hamsterrad, Geldsorgen (die alleinstehend immer schwieriger zu bewältigen sind als zu zweit), psychischer Überlastung bis zur Depression und dem Ereignishorizont, hinter dem man nur noch verhärmt und gebrochen ist.

Man ist niemals unabhängig.

Krankheit, Jobverlust, unvorhergesehene Ereignisse wie Verlust von Menschen oder abrupt erscheinende Unkosten zeigen uns tagtäglich, von wievielen Dingen unser Glück doch abhängt.
Dinge, die man nie und nimmer planen oder gar kontrollieren kann.

Wo ist das Problem dabei, sich auf Neues einzulassen?
Auf Menschen einzugehen, die man eben noch nicht kennt?

Dabei wäre es so simpel: Man könnte sich auf eine ungeschriebene Zukunft einfach einlassen, weil enorm wichtige Aspekte erfüllt werden: Fühle ich mich in der Gegenwart dieses Menschen wohl? Riecht der Mensch für mich gut? Höre ich dessen Stimme gerne?
Fehlt mir etwas, wenn ich diesen Menschen länger nicht sehe?

Völlig unabhängig von Parametern wie Job, Aussehen, Alter, persönlicher Erfolg, Lebenslage etc. vergisst man auf die fundamentalen Dinge: Die Gefühle.

An all die Singles in der Welt: Überlegt mal, ob ihr euch ein Bein brecht, wenn ihr auf jemanden einfach zugeht, weil der Mensch eurem Herzen gut tut.
Es ist unerheblich, wie es dieser begehrten Person gerade finanziell oder beruflich geht, ob dieser Mensch im Moment „Sicherheit“ garantiert oder nicht, denn „Sicherheit“, oder was viele von uns darunter verstehen, ist seltenst von Dauer.

Denkt darüber nach, ob euch die Frau/der Mann, dem ihr nachträumt, euch nicht einfach nur seelisch bereichert!
Könnt ihr es nicht, dann geht in euch, ob es nicht ihr selbst seid, die verschlossen durch das Leben taumeln und sich selbst jeglichen Herzensvergnügens berauben.

Bei der Eheschließung heißt es nicht umsonst „In guten wie in schlechten Zeiten“.

Wie können wir Menschen in unser Leben lassen oder gar das Leben mit ihnen teilen, wenn wir nur Parameter abchecken und „Sicherheit“ suchen?
Denn kommen diese schlechten Zeiten – und die kommen ausnahmslos – lässt man diesen Menschen wieder fallen und wendet sich dem Egoismus zu.

„Liebe“ heißt vor allem „Kompromiß“.
Kompromiß mit jemandem, der nicht perfekt ist.
Und vor allem Kompromiß mit sich selbst.

Sonst ist es keine Liebe, sondern pure Konsumation von Herzen und Zuneigung, eine Illusion, nach der man immer ein Stück leerer und kälter ist.

Lasst euch doch zur Abwechslung mal auf die Liebe ein.
Die Liebe zu euch selbst und zum Partner/zur Partnerin.

Liebe schmerzt manchmal, das ist wahr.
Lässt man sich jedoch darauf nicht ein, vermeidet man zwar Schmerzen, aber vor allem eines: tiefste Freude und Vollkommenheit.

Liebe ist etwas Irrationales.
Hört doch mal auf, diese steuern zu wollen. 🙂

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