So, und jetzt?


Die erste Wahl zum Bundespräsidenten ist geschlagen, die Mehrheit in Österreich heult schmerzerfüllt, als wäre die Welt untergegangen.

Ist sie natürlich nicht, im Gegenteil.

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Dass Norbert Hofer, seines Zeichens Mitglied einer Burschenschaft, die Österreich ablehnt, Träger der Kornblume (Symbol der Nazis) und summa summarum mehr dem nationalsozialistischen Gedankengut zugänglich als selbst Otto Scrinzi 1986, 36% der Wählerstimmen lukrierte…ganz ehrlich, warum so überrascht?

Es besteht nicht der geringste Grund zur Panik, denn, wenn wir uns ehrlich sind, wussten wir vom Potential, das die neonazistische Vereinigung „FPÖ“ besitzt.
Dies wurde zur Gänze abgerufen, bei niedriger Wahlbeteiligung.

Vor der Wahl schon spitzte ich meine Lauscher in meiner mannigfaltigen Umgebung.

Ich war überrascht, wie viele Menschen meinten, dass die erste Wahl „eh wurscht“ ist und nur die Stichwahl von Relevanz ist, sie deshalb nur zu dieser gehen würden.

Die Wahlbeteiligung wird am 22. Mai wesentlich höher ausfallen als am Sonntag, das steht fest.
Nicht nur wegen der „Wurschtigkeit“ der ersten Wahl, sondern auch, weil Hofer und sein Führer HC Strache eines in gewohnter Regelmäßigkeit schaffen: Sie scheuchen den Rest des Landes auf, zu verhindern, dass diese Neonazis an Machthebel kommen, die sie garantiert mißbrauchen würden.

„Sie werden sich noch wundern, was ein Präsident alles kann“, diese geflügelten Worte gehen in die Geschichte ein.
Sie waren eine offene Drohung von jemandem, der die Demokratie ablehnt, deren Günstling er stets war.

Hofer würde als Präsident sofort zum willfährigen Diener seines Herrn werden und alles Präsidenten-mögliche dafür tun, dass Österreich wieder zum autoritäten Staat wird wie einst unter Dollfuß.
Nicht auszuschließen wäre auch, dass Verfolgung Andersdenkender und schwerste Sanktionen gegen unliebsame Migranten die Folge wären.

Sieht man sich den Erfolg der FPÖ in einem Wahlsprengel, wo ein großes Polizisten-Heim liegt, in Ottakring (65% FPÖ!), könnte einem liberal und menschlich denkendem Menschen Angst und Bange werden.

Weit mehr als der (kurzfristige) Erfolg der FPÖ macht die Einstellung vieler Polizisten Angst.
Was, wenn deren rechtes Gedankengut in der Exekutive von der Legislative unterstützt wird?
Es könnte fatale Auswirkungen auf unser aller Freiheit haben, würde die FPÖ die Wahlen zum Präsidenten gewinnen.

Doch dazu kommt es nicht.

Mit Alexander van der Bellen ist der einzig taugliche Kandidat für die Stichwahl qualifiziert, der stets durch Sachlichkeit im Parlament glänzte.
Meist mehr Sozialdemokrat als viele SPÖ-Abgeordnete, obwohl Klubchef der Grünen, fiel er meist durch einen aussterbenden Charakterzug auf: Dem „zuerst denken, dann sprechen“.

Van der Bellen mag vielleicht nicht jedem sympathisch sein, der nun unglücklich meint, er hätte am 22. Mai die Wahl zwischen Pest und Cholera, aber er eint nun die Menschen darin, einen Präsidenten Hofer zu verhindern und das Land den nationalsozialistischen Burschenschaften auszuliefern.

Dass ein 8,6 Millionen-Volk nicht ausschließlich aus autoritär denkenden Bildungsverlierern besteht, liegt auf der Hand.

Dass Populisten und Möchtegern-Demagogen, die so gern einen Hybriden aus Erdogan, Orban und Trump mimen und Politik aus persönlicher Emotion und Machtgier betreiben würden, zum Leid von vielen Tausenden Menschen, gab es immer schon.

30% sind es in diesem Land, die maximal (bei voller Wahlbeteiligung) einen Diktator Strache mit seinen Paladinen Hofer, Gudenus, Haimbuchner etc. erleben würden, ist ein Problem.

Nur ist ein Problem dazu da, gelöst zu werden.

Es wäre einfacher zu lösen, als man glaubt!

Zuerst müssen sich die beiden (Noch)-Regierungsparteien endgültig hinterfragen.
Ohne Lippenbekenntnisse mangels jeglicher Konsequenz in Folge ist es jetzt endgültig Zeit, parteiintern aufzuräumen.

Wenn die Masse an Funktionären in SPÖ und ÖVP nun nicht endlich erwacht und deren Machthaber Faymann, Pröll, etc. mit dem nassen Fetzen aus den Parteigremien entfernt, werden diese Parteien eben zerbröseln.
Nachher werden viele sagen, sie konnten das ja nicht wissen, wenn beide Parteien nur noch zu verglühenden Zwergen in der Galaxie der Parlamente mutieren.

Österreich ist ein Land, wo Hörigkeit und Buckeln tief in der Seele der Menschen verwurzelt sind.
Damit muss in den beiden ehemaligen Großparteien Schluß sein, will man das Land nicht aus Gründen der Machtgier einzelner an den Spitzen der Fraktionen den Nazis überlassen.

Stehen all die Menschen in den Parteien nicht auf, ist der Rechtsruck deren Schuld.
Nicht die Schuld der Spitzen, denn diese handeln aus menschlicher Schwäche zum Machterhalt.
Sitzt man einmal an den Hebeln, verschwimmt die objektive Sichtweise und das eigene Ego wird zum Mantra für schwache Menschen, wie Faymann einer ist.

Überfällig ist daher die Grundsatzfrage, ob man Parteispitzen nicht durch gleichberechtigte Teams mit Menschen, die eigentlich gar nicht nach der Macht strebten, sondern durch Idealismus und Engagement der Sache wegen gute Arbeit liefern, ersetzt.

All die selbsternannten Könige von Pröll bis Bures, von Faymann bis Platter…sie sind Symptome der menschlichen Schwäche und der Freiheit, die die Macht zum Mißbrauch bietet.

Und keine Angst bitte!
Meine Prognose für die Stichwahl: Hofer schafft keine 30%.
Warum? Weil ein Land nun in Panik gerät und mit aller Kraft einen Präsidenten mit Kornblume im Knopfloch verhindern wird, da vertraue ich auf die Menschen hier.

Strache und Co. werden nie etwas zum Leid der Menschen und zum Eigennutz beitragen dürfen.
Früher oder später zerreißt es die FPÖ sowieso wieder, denn zuviele Machtmenschen sind immer ein Hort des Unfriedens.
Es wird in spätestens 10 Jahren wieder zur Spaltung führen, bis die Nazis wieder weit weg von jeglicher Macht sind.

Hört nun endlich auf, euch von diesen Unmenschen am Nasenring führen zu lassen.
Sie sind ernst zu nehmen, keine Frage. Und doch bestehen sie nur aus semi-intelligenten Menschen mit beinharten Ellenbogen, die stets in der Minderheit bleiben werden.

Wie sagte schon Douglas Adams? Don’t panic! 🙂

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4 Antworten zu So, und jetzt?

  1. Christian schreibt:

    Ach, ich wünschte ich könnte Ihren Optimismus teilen. Ich fürchte es wird sich nicht ausgehen bei der Stichwahl und Hofer wirds… Wieviel Menschen ich schon getroffen habe, die gar nicht mehr wählen weil es ihnen zu blöd ist wer sich da aufstellen lässt. Ich wohne in Simmering und sehe jeden Tag die Intelligenzflüchtlinge, die nicht weiter als einen Steinwurf denken können und denen jegliches Gefühl für Selbstverantwortung und Selbstreflexion fehlt. Ich bin gespannt. Und wäre ich im Moment nicht so stark verwurzelt – ich würde mich nach möglichen Alternativen zu Ö umsehen…

  2. martin11 schreibt:

    Hoffen wir weiter – ohne uns auszuruhen. Es muss jedem klar sein, was hier auf dem Spiel steht. Hofer hat gerade mal 7 Prozentpunkte weniger als ein gewisser Braunauer 1933 bei der Reichstagswahl hatte – für ein ausgeruhtes „da passiert schon nichts“ ist mir das deutlich zu wenig. Natürlich ist eine Wahl zum österreichischen Bundespräsidenten heute etwas anderes als eine Reichstagswahl 1933. Natürlich ist die FPÖ nicht die NSDAP. Natürlich hat – noch – keiner eine Endlösung der Immigration vorgeschlagen oder ähnliches. Aber vieles war den Menschen 1933 so auch noch nicht klar – und wer nur ab und zu im Internet unterwegs ist und liest, was die Fangemeinde von Strache und Hofer, von Storch und Petry, von Orban, Trump und all den anderen so schreibt, dem muss angst und bange werden.

    • Herbert schreibt:

      Wer im Juli 1932 (ich nehme an, die Wahl meinten Sie, denn da hatte die NSDAP 36%, bereits bei der Wahl im November 1932 waren es nur mehr knapp über 30%) die NSDAP wählte und dreist lügt, dass man da ja „nicht gewusst habe, was da wirklich dahintersteckt“, hatte 12 Jahre lang Zeit, das Parteiprogramm zu lesen, das sich bis 1932 nicht verändert hatte. In dem Parteiprogramm sind viele Forderungen enthalten, die 1:1 von der FPÖ übernommen wurden (transkribiert in eine modernere Sprache, aber inhaltlich identisch). Man ersetze aus dem Parteiprogrammpamphlet von 1920 die Worte „Jude“ durch „Islam“, und schon hat man das Programm der FPÖ. Wer heute Hofer wählt, wird sich morgen nicht darauf hinausreden könne, dass man „das so nicht gewollt“ oder „nicht hätte ahnen können“. Wer Hofer wählt, wählt den nächsten Rechtspopulisten. Hitler war auch ein Rechtspopulist. Lernt’s Eure Geschichte, dann wiederholt sie sich nicht!

  3. Susanne Rie schreibt:

    Ihr Optimismus ehrt Sie, keine Frage! Leider teile ich ihren Optimismus gar nicht, ganz und gar nicht. Wenn Sie nämlich den Menschen ihr Ohr geliehen haben oder leihen, werden Sie merken, welche politisch unbedeutenden Gründe zur Wahl Hofers angeführt werden: „Der einzige Fesche“ (zwei Friseurinnen) „Der ist wenigstens jung!“( zwei Pensionistinnen im Wartezimmer) „Wenn’st den Van der Bellen wählst, kannst gleich einen Sarg mitwählen, der hält keine 6 Jahre durch“ (vier elegante Damen hinter mir im Akademietheater!!!) um nur eine kleine Auswahl zu geben. Die rassistisch-fremdenfeindlichen Argumente gebe ich nicht wieder, weil mir da selbst beim Schreiben grausen würde.
    Glauben Sie bitte auch nicht, dass nur „autoritär denkende Bildungsverlierer“ Hofer gewählt haben, die Burschenschafter und ihr Anhang sind ein Teil der Akademikerlandschaft Österreichs. Auch viele fleißig Arbeitende (die Strache so gerne seine Zielgruppe nennt) halten Hofer für den Richtigen, weil er ihnen die frechen, lästigen Zuwanderer und Asylanten vom Hals halten wird.
    Ich denke wir müssen unsere Hoffnungen und unseren Optimismus eher durchs Messe-lesen-lassen oder Beschwören von Geistern oder Münzen-in-den-Brunnen-Werfen begleiten.
    Noch ein Wort zu SPÖ und ÖVP: die beiden müssen sich eigentlich fragen, was sie mit der Wahl ihrer Kandidaten angerichtet haben, bei allem Respekt für die beiden Herrn, war vom ersten Moment an klar, dass die beiden Relikte aus einer politischen Vergangenheit sind, die kaum jemanden hinter dem Ofen hervor zur Wahlurne bringen. Auch der Landeskaiser Pröll müsste sich fragen, ob er mit seiner Arroganz nur ja in NÖ die Macht genießen zu können, dem Land Österreich nicht großen Schaden zugefügt hat.
    Da wäre noch das Thema „Wahlbeteiligung“: diese war im Vergleich zur letzten BPwahl sogar ausgesprochen hoch und meine einzige Hoffnung in dieser Hinsicht ist, dass viele Hofer-Wähler beim zweiten Mal nicht hingehen, weil doch eh schon alles so super gelaufen ist und jetzt eh alle für den tollen Kerl sind.
    Jetzt bleibt mir nur zu hoffen, dass Sie mit ihren Einschätzungen Recht behalten!

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