Das Böse lässt die Maske fallen


Fallen nun alle Skrupel?
Ist es in Österreich, dem selbst definierten „ersten Opfer“ der NS-Expansion, soweit, dass das Verbotsgesetz nur noch ein paar wertlose Worte auf Papier sind und Wiederbetätigung bzw. hart daran schrammende Aktionen keine Konsequenzen nach sich tragen?
Akzeptiert Österreich wieder NS-Propaganda (im neuen Gewand) und deren Auswirkungen?

Nach wie vor muss ich Luft schnappen, bin fassungslos ob all der transparenten Fälle, die in den letzten Tagen die österreichische Landschaft geradezu überschwemmten.

Eine Chronologie der Vorfälle, die sich nur in der letzten Woche(!) zugetragen haben:

Bevor ich mit all den entsetzlichen und schon alltäglichen Dingen der letzten Tage beginne, der Status Quo:

Europa wähnt sich in einer „Flüchtlingskrise“, Resultat einer Welle an Kriegsflüchtlingen, die weitaus kleiner ist als die während der Ungarn-Krise 1956, des Prager Frühlings 1968 oder des Balkan-Konflikts Anfang der 1990er-Jahre.

Die Zahlen der damals emigrierten (durch den eisernen Vorhang auch nicht mehr zurückgegangenen) Flüchtlinge war weitaus höher und intensiver, und doch benimmt sich der Kontinent so, als wäre der Ausnahmezustand ausgebrochen.

Rechtsextreme Parteien wie Front National, AfD, Vlaams Belang, Lega Nord und unsere allseits „geliebte“ FPÖ befinden sich im Aufwind durch die ständige Hervorrufung eines Mythos: Den der „Umvolkung“, der „Islamisierung“, einer frappierend an NS-Propaganda erinnernden Dauer-Beschallung mit angsteinflößenden Szenarien.
Diese wirken mittlerweile in ganz Europa, unzählige Menschen fürchten sich vor einem Armageddon des Okzidents, des Abendlandes.

Märchengeschichten und massenhaft Hoaxe flattern durch die Sozialen Medien, das „Stille Post“-Prinzip des vermeintlichen Grauens lässt die Menschen irrational handeln.

Bürgerwehren wollen sich bilden und der Exekutive die Gewalt abgraben.
Erste Übergriffe solcher „Bürgerwehren“ gegen wahllos geprügelte Migranten werden inzwischen schon aus Deutschland berichtet, und auch hier gibt es inzwischen täglich ähnlich gelagerte Fälle.

Die Zahl rassistisch motivierter Delikte steigt sprunghaft an.
Es ist zu befürchten, dass wir uns erst am Fuße des Berges an Rassismus befinden.
Eine Welle der Gewalt ist zu befürchten.

http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/4920513/Mehr-rassistische-Delikte?_vl_backlink=/home/panorama/index.do

http://orf.at/stories/2322947/

Die FPÖ reibt sich vorfreudig die Hände, denn ihre Saat des Giftes ist gelegt.
Menschen fürchten sich vor Phantom-Gewalt, trauen niemandem mehr, sehen in jeder Person mit dünklerem Teint eine Gefahr.

Hierzu noch Zahlen, um die Irrationalität der Angst hervorzuheben.

151 Opfer verzeichnete die Terror-Bilanz in Europa 2015, das stärkste Jahr seit 2004 (Anschlag von Madrid).

http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/4867886/Die-Statistik-des-Terrors?from=simarchiv

Jedes dieser Opfer ist eines zuviel, keine Frage, doch stellen wir ein paar Zahlen des Alltags zum Vergleich dar.

Alleine 2015 starben auf Europas Straßen 25.700 Menschen durch Unfälle, also knapp über 170mal soviele wie durch Terror im bisher stärksten Terror-Jahr dieses Jahrzehnts.

Auf einen Terrortoten kommen 170 Opfer von Verkehrsunfällen, und trotzdem sehe ich keine schlotternden Menschen in Autos steigen oder am ganzen Körper zitternd ein Motorrad oder Fahrrad steuernd.

Auch kann man bei maximaler Aufmerksamkeit keine Anspannung bei Fußgängern beobachten, obwohl theoretisch die Möglichkeit, von einem die Spur verlierenden KFZ überfahren zu werden, ungleich höher ist als die, plötzlich einem Terroranschlag zum Opfer zu fallen.

Natürlich liegt es mir fern, Opferzahlen gegenseitig aufzurechnen oder gar zynisch lächelnd die unschuldig verstorbenen durch Terror-Akte zu verharmlosen.

Mir geht es um die Angst, um die Furcht, vor Dingen, die weitaus unwahrscheinlicher sind als alltägliche Gefahren.

Terror gab es übrigens schon IMMER, und der Anteil der islamistisch motivierten Taten betrug schon längst ca. 50%.

Doch noch nie wurde die Gesellschaft so aufgescheucht, keine vergleichbare Ära erzeugte eine derart paranoide Stimmung.

Jetzt resultiert das Malheur in dem, was zu befürchten war: Offen vor sich hingetragene Fremdenfeindlichkeit, der Ruf nach neuen „Führern“, Burschenschafter und Rechtsextreme in den Zentren der Rechtsparteien, die sich die Hände reiben.

Steigt nämlich die Aversion der Menschen gegen Fremde und äußern sie Gewalt, wird es den Geächteten – dem kann man sicher sein – irgendwann zuviel werden, und sie werden sich wehren und zurückschlagen.

Was dann passiert, ist (noch) blanke Theorie, doch kausal kann man ein Szenario basteln: Erste Gewaltakte von Migranten gegen Einheimische werden eine Gewaltspirale starten.
Diese fördert die Rechtsaußenparteien an die Spitze der Regierungen, Ausnahmezustände werden verhängt, alte, längst als vergangen gewähnte Zeiten kommen zurück.

Letzte Woche war Zeugnis, wie sich der Wind in Österreich gedreht hat:

Die Bundes-SPÖ startete eine Meinungsumfrage unter Mitgliedern und will diesen ein Ergebnis der Angst verkaufen: Lt. ihr ist eine klare Mehrheit der Menschen für strengere Asylgesetze. (Komisch, dass unter all den Mitgliedern aus allen Schichten, die ich kenne, keiner unter den fordernden ist)

Die Boulevard-Medien schnappen beinahe dankend einen besonders gräulichen Fall von Kindesmißbrauch in einem Hallenbad auf, wo ein geistesgestörter Asylwerber aus dem Irak (Zitat bei der Einvernahme: „Wissen Sie, dass dies in diesem Land verboten ist?“ „Das ist in jedem Land verboten…“) einen zehnjährigen Buben mißbrauchte.
Resultat dessen: Obwohl zur gleichen Zeit wie an jedem Tag leider zahllose gleichartige Delikte allerorts stattfinden, hetzen die Boulevard-Medien, allen voran die von rechtsextrem angehauchten Herausgebern verseuchte „Kronen Zeitung“, als wäre Vergewaltigung und Kindesmißbrauch nun ein völlig neues Delikt, erfunden von Asylwerbern.

Der Hass der einfach gestrickten Bevölkerung wächst, die FPÖ trommelt ungebremst für unmenschliche Behandlung von Asylwerbern.

Während Beatrix von Storch, ihres Zeichens Vorsitzende der nationalsozialistischen AfD, in Deutschland Schußwaffengebrauch gegen Flüchtlinge an den Grenzen verlangte, und nachher zurückruderte, hilflose und saudumme Ausflüchte benutzend, freut sich in Österreich jeder der FPÖ-Klientel darüber.

Schußwaffengebrauch gegen Flüchtlinge…alleine, dass jemand ungestraft solche Worte in der Öffentlichkeit anwenden darf, gibt zu denken.

Aber dem nicht genug…

Harald Walser, seines Zeichens Grün-Abgeordneter im Nationalrat, deckte schließlich auf, dass die „Aula“, ein rechtsextremes, immer am Grat zum Nationalsozialismus wandelnd, KZ-Häftlinge, die in Mauthausen befreit wurden, als „Landplage“ bezeichnete.
Eine Anzeige gegen Fred Duswald, den Autor, wurde von der Grazer Staatsanwaltschaft abgewiesen.
Nun brachte er eine parlamentarische Anfrage ein.
Die Unabhängigkeit der Grazer Staatsanwaltschaft ist schwer unter die Lupe zu nehmen.

http://derstandard.at/2000030539418/Aula-darf-KZ-Haeftlinge-Landplage-und-Massenmoerder-nennen?ref=article

Beleidigung und Herabwürdigung von Opfern des nationalsozialistischen Regimes?
Hier in Österreich keine Anzeige mehr wert…

Entsetzen auch im Parlament darüber: http://derstandard.at/2000030576146/Aula-Verfahren-Ministerium-haelt-Einstellung-fuer-unfassbar-und-verharmlosend>

Florian Klenk, Autor des „Falter“, ging schließlich einem Gerücht von angeblicher Gewalt durch Asylwerber nach.
Das Resultat kann man hier nachlesen: https://www.facebook.com/florian.klenk.7/posts/534593083379752

 

Noch nicht unverfroren genug?

Nun, da gibt es noch was, es nennt sich „Fasching“, und deren Umzüge.

Wenn, wie im bayrischen Ilmtal und dem Karnevals-Panzer mit der Aufschrift „Ilmtaler Asylabwehr“, oder noch viel schlimmer, im niederösterreichischen Maissau (An der Grenze zum Waldviertel), ein Teilnehmer in einem Wagen mit hängenden Menschen auf einem Foto und dem Nummernschild „Asyl 88“ (Die Zahl „88“ steht für den achten Buchstaben des Alphabets, also „H“, in diesem Fall „HH“, also „Heil Hitler“), was bestimmt nicht zufällig geschah, am Faschingsumzug teilnimmt, und sich niemand drüber echauffiert, dann ist wirklich die Kacke am Dampfen.

Dass die Behörden nun wegen Wiederbetätigung ermitteln, ist kein Wunder.

Aber niemand, der sich schon bei der Planung daran stößt, spricht Bände…

http://derstandard.at/2000030588634/Ermittlungen-wegen-Asylabwehr-Panzer-bei-deutschem-Faschingszug

Maissau

Man kann ohne weiteres sagen, dass Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und gar auch Nationalsozialismus inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind.

Dass Hetze und die Gefährdung der Demokratie durch Medien wie der Kronen-Zeitung und Parteien wie der FPÖ durchaus gegeben und eigentlich zu ahnden wären.

Eine FPÖ wäre in früheren Zeiten bei all den Vorfällen schon längst zerschlagen und verboten geworden.
Nun gefährdet sie bewusst den inneren Frieden, hetzt die Menschen auf und installiert nationalsozialistische Burschenschafter in verantwortungsvolle Positionen, auf Macht lauernd.

Es wird brisant in Mitteleuropa, das steht fest.

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Eine Antwort zu Das Böse lässt die Maske fallen

  1. gnaddrig schreibt:

    Nun gefährdet sie bewusst den inneren Frieden, hetzt die Menschen auf […], auf Macht lauernd.
    Es wird brisant in Mitteleuropa, das steht fest.

    Gutes Fazit: Die genannten rechtsäußeren Parteien destabilisieren bewusst, um den Karren aus der Spur zu bringen und ihn dann übernehmen zu können. Und was dann käme, mag man sich nicht ausmalen.

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