Das Märchen vom Wort „Integration“


Dies ist, wenn man es penibel betrachtet, eine Art „offener Brief“ an alle Menschen, die gerne mit dem rechten politischen Spektrum der Gesellschaft kokettieren und negativ gegenüber MigrantInnen und Flüchtlingen eingestellt ist.

Von Euch, egal ob FPÖ-Wähler, -Sympathisant, oder einfach nur mit Vorurteilen behaftet, möchte ich hier dementsprechende Antworten bekommen, wenn Euch der Text vielleicht unter die Augen kommt.

Reden wir über das Unwort „Integration“!

Als jemand, der im Gemeindebau aufwuchs, in Zeiten, wo Gemeindebau-BewohnerInnen noch nicht viele Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung hatten und dadurch traditionell stark dem Alkohol zugetan waren, bin ich ein wenig geprägt.
Von klein auf (Jahrgang 1972) hörte ich von den Erwachsenen, dass es zuviele „Tschuschen“, „Neger“, „Kanaken“ oder auch „Schlitzaugen“ hierzulande gibt.

Jemand, der solche Vorurteile in sich trägt, ist gewöhnlich der Argumentation nicht sehr zugänglich.
Der klassische Ausländerfeind trägt sein Vorurteil wie einen Schild vor sich her und biegt sich Menschen, die ihnen optisch oder seiner Traditionen wegen fremd ist, für sein einfaches Weltbild zurecht.

„Ich kenne ja selbst genug Ausländer. Die sind ja in Ordnung!“ wird auch gerne von dieser Klientel gemeint.

Nun, an Euch richte ich mich.

Was ist für Euch ein „integrierter“ Migrant?
Wie muss er/sie sich verhalten?

Ist es nicht so, dass der- oder diejenige, welcher fremd wirkt, machen kann, was er will?
Ein fremder Mensch mit eindeutig migrantischen Anzeichen (dünklerer Teint, Name…) wird doch niemals von Euch vollwertig akzeptiert.
So meine Erfahrung.

Beweist mir das Gegenteil, denn im Grunde will ich verstehen, warum man Menschen, die nur allzu oft hier schon geboren wurden, aber mit obigen Merkmalen versehen, als „Tschusch“ oder „Kanak“, als „Neger“ oder „Schlitzauge“ beleidigen muss.

In Österreich geborene Menschen mit migrantischen Wurzeln, die ich kenne, werden ausnahmslos von fremdenfeindlichen Menschen abschätzig behandelt.

Dies mündet oft auch schon in Vorselektion bei Bewerbungen in vielen Firmen.

Also: Wann ist für Euch ein Migrant, eine Migrantin, integriert?

Müssen MigrantInnen und deren Nachfahren Helene Fischer, Andreas Gabalier gern hören?
Bier saufen?
Selbst auf Ausländer schimpfen?

Ihr wisst doch oft gar nicht, wie ein Mensch denkt, bevor Ihr nicht mit ihm sprecht, ihn kennenlernt!

Wenn Ihr zum Beispiel einen Menschen mit türkischen Namen kennenlernt, ist es nicht nur ein Türke für Euch?
Unerheblich, ob hier geboren oder nicht?

Ein paar Jugendfreunde türkischer Herkunft von mir, immerhin auch schon über 40, und hier geboren und aufgewachsen, mit wienerischem Dialekt, der oft dem Herrn Karl ein anerkennendes Nicken abringen würde, wurden immer nur als Türken betrachtet und von ausländerfeindlichen Menschen, wenn möglich, gemieden.

Freunde von mir, die hier aufwuchsen, wienerischer als viele Wiener sprechen, aber afrikanische Wurzeln haben, müssen sich ständig mit dem Schimpfwort „Neger“ herumschlagen.

Also: WAS muss ein Mensch tun, um für Euch „integriert“ zu sein?
Die Sprache sprechen? Die Praxis zeigt mir das Gegenteil.
Eure „Kultur“, wie auch immer die aussieht, widerstandslos aufsaugen, und eigene liebgewonnene Traditionen in den Mistkübel schmeißen?

„Kultur“ und „Tradition“ ist übrigens nicht volksbezogen, sondern in jedem Haushalt, nein, jedem Menschen anders ausgeprägt.
Der eine hört gerne Hip-Hop und ißt Schnitzel, sein Nachbar klassische Musik und lebt als Veganer.
Wessen „Kultur“ ist denn nun die richtige?

Ist’s die Religion?
Nun, dann möchte ich EINEN von Euch, die Ihr über Moslems schimpft, am Sonntag brav beim katholischen Gottesdienst sehen.
Ansonsten, in Zeiten der Religionsfreiheit, ist Euer Einwand nur gerechtfertigt, wenn Ihr den christlichen Glauben genauso verabscheut.

Dann zählt eines Eurer Lieblingsthemen mit dem Kruzifix in der Klasse nämlich nichts mehr.
Für einen Atheisten wie mich ist das Kreuz in einer Schule nämlich auch schon längst von der Zeit überholt und beeinflußt Kinder, sollte daher weg.

Was also? Erzählt es per Kommentar!
Wann gilt für Euch ein Migrant als „integriert“?

Ein grantiger Gerald Kitzmüller

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