Die FPÖ, oder: Wie profitiert man vom Schüren der Angst?


Angst ist seit Menschengedenken der beste Ratgeber, wenn es um Interessen geht, die persönliche Machtergreifung und Bereicherung als Ziel haben.

In der Geschichte der Menschheit war es immer die Furcht vor dem Unbekannten, das Füttern eines Urinstinkts, was größte Wirkung bei einfachen Menschen erzielte.

13.7Hier ein aktuelles Beispiel, wie man Angst schürt…man nehme eine halbseidene Nazi-Postille und wirft den Knochen vor die Hunde…

Ob im Mittelalter, als Juden immer und immer wieder verjagt, gefoltert, getötet wurden, weil sie als „Unheil“ für den christlichen Glauben und ihre Welt galten, oder ob es jetzt die Mär vom „Schläfer“ ist, der den Islam mit Gewalt in Europa festigen soll – die Angst vor dem Unbekannten, die Furcht vor gewaltsamen Veränderungen, sie war immer wirksames Mittel der Manipulation.

Menschen, denen oft die Zeit oder die Lust an der Hinterfragung von Slogans und Propaganda-Zielen fehlt, sind willfährige Opfer der Angst-Schürung.

Als im 15. Jahrhundert die Pest in Europa wütete, wurden überall fürchterlichste Gräueltaten an Juden begangen, weil sie als Verursacher des schwarzen Todes galten.
Sie haben die Brunnen vergiftet, meinten die lokalen Machthaber.
Ihr Verrat an Jesus Christus ist der Grund, dass die Pestillenz wütet, wurde kolportiert.
Gott straft die Menschen für ihre Sünden, meinte der Klerus.

Und schon spurten die einfachen Menschen, schon hatten sie Sündenböcke, die als Opfer wunderbar dienten, weil Minderheit und wehrlos.

Auch im späten Mittelalter, am Sprung in die Neuzeit, war die Angst bekanntlich Triebfeder für allerlei Gräueltaten an Menschen.
Das Stichwort heißt „Inquisition“.
Etwas war dubios? Die Ernte war nicht wie erwartet? Sicherlich war es die Hexe der ungeliebten Familie im Dorf, oder ein Zauberer, welcher durch Häresie den Zorn Gottes auf sich lud.
Es musste etwas getan werden…

1933 schließlich lud sich die Angst der Menschen vor dem Unbekannten, mit dem man sich auf keinen Fall konfrontieren wollte, sukzessive steigend auf mehrere Gruppen von Menschen ab: Juden, Homosexuelle, politisch andersdenkende, „Asoziale“ etc.
Im dritten Reich wurde auf brutalste Weise industriell pervertierte Menschheit gefördert.
Warum? Weil man zuvor mit Angst gefüttert wurde.

Angst vor dem Bolschewismus, vor den Juden, vor einer „Zersetzung des Volkskörpers“ etc.

Auch ist uns noch im Gedächtnis, wie sehr sich die Welt im kalten Krieg vor einem Atomkrieg fürchtete und global mit den fürchterlichsten Waffen aufrüstete.
Das „Gleichgewicht des Schreckens“ hielt für Jahrzehnte die Welt in Atem.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion und des Warschauer Paktes entstand ein emotionales Vakuum in den Menschen.
Wovor konnte man sich jetzt denn fürchten?

Zum Glück für rechte und konservative auf der Welt passierte gleich zu Beginn des neuen Jahrtausends eine Zäsur für die Menschheit: 9-11 gebar endlich wieder einen Sündenbock, vor dem man sich leicht fürchten konnte.
Der islamistische Terror fand Einzug in die Köpfe der ängstlichen.

Endlich gab es wieder eine Bedrohung für macht- und kriegsgeile Politiker auf der Welt!

Und mit den Mitteln der digitalen Revolution hatte man auch die beste Waffe dafür entwickelt, um die Menschen klein zu halten – die digitale Überwachung!

Ob es zu Beginn der „Patriots Act“ in den USA war, oder das Nachziehen der restlichen Welt: Die Gesellschaft wurde flugs gläsern, denn schließlich bedroht der Terrorismus ja den ganzen Planeten!

Hierzulande schürt eine Partei tagtäglich, entweder mit erfundenen, erlogenen, übertriebenen oder immer wieder aufgewärmten Geschichten, den Bammel in den einfältigen Menschen unter uns vor einer unsichtbaren Bedrohung.

Jeden Tag wird von manchen Medien (ich brauche ja nur die Kronen-Zeitung nennen) etwas herbeigeredet, das nicht stärker als früher existiert.
Es wird kaum eine Ausgabe dieser Medien produziert, ohne dass mit großen Lettern und perfide (schließlich nennt man das Kind nicht beim Namen, denn man will ja immer eine Ausrede parat haben) die Bedrohung der Gesellschaft durch die bösen Ausländer in die Gehirne der Konsumenten gehämmert.

HC Strache und seine strammen Herrenmenschen stehen einer Krone um nichts nach.
Im Gegenteil.
Um Stimmenmaximierung zu betreiben, wird das Horrorszenario des radikalen Islam im Dauerfeuer-Modus in die Köpfe der Wähler hineinprojeziert.

Ein „großer Austausch“ fände statt.
Radikale Islamisten bereiten einen Terroranschlag vor.
Ausländische Gewalttäter überfluten das Land.
Flüchtlinge mit terroristischer Absicht unterwandern die Gesellschaft.
Etc. etc. etc.

Nun…drehen wir den Spieß mal um.

Blättern wir nur kurz nach, wann denn der letzte terroristische Akt in der zweiten Republik wirklich stattgefunden hat.

Das war (mea culpa, wenn es kleinere Akte gab, die ich einfach übersehen habe) 1995 durch Franz Fuchs, einem rechtsextremen Zeitgenossen.
Davor gab es 1985 den Anschlag im Flughafen Schwechat und das Attentat auf Stadtrat Nittel 1981.

Seitdem in Österreich? Nichts, nada, nothing.
Und trotzdem wird täglich die selbe Leier runtergebetet, dass doch der radikale Islam und dessen Terrorgesellen Österreich und das Abendland bedrohen.
Dieser Mythos wird ewig am Köcheln gehalten werden. So lange, bis es wirklich einmal passiert und ein Mensch stirbt.
Dann wird es „Wir haben es immer gewusst!“ heißen.

Seit 20 Jahren also gab es keinen Toten durch Terror.
Und trotzdem wurde der Überwachungsstaat massiv ausgebaut, die „Sicherheit“ zu Lasten der Privatsphäre ausgebaut, der Mensch zu einem gläsernen Etwas.

Jeden Tag wird gehetzt, gegen Menschen geschimpft, verunglimpft und die eigene Existenz als einzig wahre moralische Hoheit erhoben.
Inzwischen herrscht beinahe schon „Terror durch Worte“, den die FPÖ mit all ihren Sympathisanten offizieller Natur (und auch, wenn es nur der kleine Gemeinderat ist) praktiziert.

Seit 20 Jahren kein Toter.
Stattdessen aber – um Statistiken zu bemühen – sterben jedes Jahr dutzende Menschen durch von Alkohol verursachte Verkehrsunfälle.
Der Vergleich mag ja hinken, doch soll es nur an einem praktischen Beispiel zeigen, wie unwahrscheinlich es ist, Opfer eines Terroranschlags in Österreich zu werden.

NULL Opfer in 20 Jahren (natürlich wird es auch in Zukunft nicht zu vermeiden sein, dass immer wieder etwas passiert. Trotz Überwachung).
Genausoviele wie durch eines meiner Lieblingsthemen, dem Cannabis.
Auch hier: NULL Todesopfer.

Währenddessen wird in Bierzelten gegen den Islamismus und dessen Bedrohung, oder gegen die bösen Haschischspritzer gewettert.
Warum? Weil diese wunderbar Angst generieren, nicht greifbar sind.

Es ist psychologisch leicht nachzuvollziehen, warum die Masche mit der Angst so wunderbar funktioniert: Trainiert man die Menschen darauf, werden sie willfährig. Sie lassen sich alles gefallen, weil man ja um deren Sicherheit besorgt zu sein scheint.

Auf Wienerisch: An Schaß sind die rechten und rechtskonservativen um die Sicherheit bemüht.
Außer um die eigene.

Leider befürchte ich aber, dass das Geschäft mit der Angst und dem Bösen so schnell nicht ihre Wirkung verliert.
Dazu müssten sich die Zielgruppen nämlich mit Details auseinandersetzen.
Zuviel Aufwand in der Generation ATV und RTL…

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