So, was sind FPÖ-Wähler jetzt? Nazis? Dumm? Vergeßlich? – Teil 1


Nach all dem Wirbel um den katastrophalen Burgenland-Pakt zwischen SPÖ und FPÖ habe ich die letzten Tage nun ein wenig sacken lassen.

Im Grunde ist es mir inzwischen scheißegal, wenn die Menschen so verblendet sind, dass sie einer Fraktion wie der FPÖ zulaufen wie einem Rattenfänger.
Jeder ist seines Glückes Schmied, und scheinbar ist der gelernte Österreicher unbelehrbar.

Als jemand, der im Gemeindebau aufwuchs und auch weiterhin wohnt, stumpft man mit der Zeit bei all den Grauslichkeiten, die man von vielen Menschen (welche natürlich niemals die FPÖ wählen) hört, ab.

Es unterscheiden sich die selben Exemplare von homo sapiens sapiens bei ihrem Verhalten, wenn sie sich verbal oder schriftlich auf Facebook ergehen.

Schriftlich wird die Handbremse gezogen, denn inzwischen ist auch den naivsten unter ihnen klar, dass sie Grenzen überschreiten könnten, die ihnen einen dicken Eintrag im Strafregister einhandeln.

Das klassische Thema ist natürlich das Thema „Ausländer“ und „Asylbewerber“.

Jeder ist herzlich eingeladen, sich ein wenig in urbanen Kreisen umzuhören und den Menschen „auf’s Maul zu schauen“.

Schriftlich passt sich der klassische Rechte, der urtypische Österreicher, am Vokabular ihrer Helden von der FPÖ symbiotisch an.

Aber was ist der urtypische Österreicher?
Wir wissen, wer das ist. Es ist der Mensch, der im Jahre 1945 natürlich nie ein Nazi war, höchstens nur Befehle befolgt hat und am Heldenplatz im März 1938 selbstverständlich maximal entgeistert von sicherer Distanz die Hysterie beobachtet hat.
Der klassische Fall von Österreicher ist natürlich die einzig wahre Version des Patrioten.
Wer nicht für ihn ist, ist gegen ihn, und will das Land in den Ruin treiben.

Der FPÖ-Österreicher, den wir als Nachbarn, Kollegen, Stammtisch-Superheld kennen, ist leicht am Vokabular erkennbar.

Ein paar Klassiker, tauglich für Bullshit-Bingo, vielleicht?

„I hob jo nix gegen Ausländer, aber…“
Hinter dem „aber“ gibt es verschiedene Varianten.

.) …sie sollen sich anpassen
.) …schließlich habe ich genug Freunde oder Bekannte, die völlig in Ordnung sind.
.) …wir haben einfach schon zuviel

Man möge in den Kommentaren bitte ergänzen, wenn ich etwas vergessen sollte.

Der klassische Österreicher liest die „Kronen-Zeitung“, nörgelt, dass es anderen soviel besser geht als ihn, jammert, weil er der fleißigste Schwerarbeiter, den die Welt je gesehen hat, ist.
Er labt sich an Bier und Schnitzel, hasst Deutsche, oder spottet zumindest über sie, liebt aber deren Fußball-Bundesliga, die er wöchentlich über Sky etc. verfolgt.

Schriftlich ergötzt er sich an der gegenseitigen Bestätigung untereinander, indem er möglichst betont, dass die Ausländer (gemeint sind natürlich immer die aus den verkommenen Ländern wie der Türkei, Rumänien, Polen, Bosnien etc… Die aus dem Westen oder Norden sind ja „brav“) die Arbeitsplätze wegnehmen.

Jeder von ihnen erlebt es regelmäßig, wie er in der U-Bahn mit „Scheiß Österreicher“ betitelt wird.
(Komisch, dass ich als gewohnter Öffi-Fahrer so einen Fall noch nicht einmal bezeugen konnte)

Auch weiß jeder von einem Fall zu berichten, wo die Cousine vom Friseur des Bekannten der Urstrumpftant‘ von einem Türken als „österreichische Hure“ bezeichnet wurde.

Ganz schlimm ist natürlich die Kriminalität geworden.

Auf den Facebook-Artikeln der Boulevard-Medien wie „heute“, der „Kronen-Zeitung“ oder „oe24“ kann man bei jedem Bericht einer Straftat sofort folgendes lesen.

.) Sicher wieder ein Einzelfall
.) War sicher einer der „Kulturbereicherer“
.) Die Welt wird immer schlimmer
.) Natürlich wird nicht gesagt, woher der/die Täter kommen
.) In Wien kannst überhaupt nicht mehr auf die Straße gehen

Zero
usw.

Oft fehlt es an grammatikalischen und rechtschreiberischen Grundkenntnissen, um diese Kommentare zu posten.

Auch erkennt man den typischen Österreicher daran, dass er gerne viele Satzzeichen am Ende setzt, um sein Kommentar ordentlich zu betonen.

Das geht dann so!!!!!!

Die Helden wie HC Strache lügen dazu kräftig, dass sich die Balken biegen.
Von „steigender Kriminalität“ und „sinkender Sicherheit“ wird gern gesprochen, ohne Zahlen zu nennen.
Warum denn auch? Schließlich sinken die Deliktzahlen!

Die Zahl der Anzeigen in Österreich war 2014 erneut rückgängig und erreichte somit den Rekordtiefstand der letzten zehn Jahre. Wurden im Jahr 2005 noch über 604.000 Fälle und 2013 noch über 546.000 Fälle angezeigt, so waren es 2014 exakt 527.692 Anzeigen. Im Vergleich zum Jahr 2013 bedeutet das einen Rückgang um 3,4 Prozent.

Dieses Zitat stammt nicht von irgendwem, sondern sind die aktuellen und offiziellen Zahlen des Bundeskriminalamtes.
Anbei der Link: http://www.bmi.gv.at/cms/BK/publikationen/krim_statistik/2014/Sicherheit_2014.pdf

Aha. Man kann sich in Wien (oder Graz, Linz, Eierbach) nicht mehr auf die Straße des Nachts wagen.
Auch wird es immer schlimmer.

Soso.

Was der klassische sudernde und sich in seiner Angst, an seinem angehäuften kleinem Reichtum könnte sich jemand, der natürlich gar nicht verdient hat, soviel zu besitzen, vergreifen, nicht beachtet: Es wird nicht schlimmer, es wird besser.
Der Eindruck ist jedoch ein anderer.

Psychologisch setzen Boulevard-Medien als auch populistische Politiker jedoch auf neue Massenmedien wie Facebook, wo sich solche Nachrichten wie Lauffeuer verbreiten und auch gerne immer wieder aus der Mottenkiste hervorgegraben werden, um Ängste geschürt zu halten.
Der Vorteil, der sich langfristig daraus ziehen lässt, ist klar: die Menschen verspüren ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis.
Überwachungsmethoden wie Kameras auf den Straßen, bei den Stationen der öffentlichen Verkehrmittel, das Fallen des Bankgeheimnisses (kompletter Unsinn der SPÖ), sprich der gläserne Mensch lässt sich so Stück für Stück leichter durchsetzen.

Nicht vernachlässigbar ist auch der Umstand, dass im Jahre 2015 jede Straftat leichter erfahren wird als früher, wo die Menschen maximal zwei Zeitungen (mit oft demselben Inhalt) einmal am Tag konsumierten, anstatt ständig über alles informiert zu sein.

„Wer nichts anstellt, hat nichts zu verbergen“ ist sowieso der größte Unsinn, denn wenn man als Gesellschaft unter Präventivverdacht gestellt wird, wird man selbst irgendwann von Methoden der Überwachung überrascht, die weit in unser aller Privatsphären eindringen.

Aber zurück zum klassischen Österreicher.

Dieser ist verbal, unter Freunden, dann nicht mehr so zurückhaltend.

Um es kurz zu machen, liste ich ein paar Aussagen, die sich ganz leicht in jedermanns/-fraus Umwelt reflektieren.

.) Überall Kopftücher
.) Scheiß Tschuschen/Türken/Ausländer
.) Die Wörter „Tschusch“, „Neger“, „Schlitzauge“, „Schwuchtel“, „Kanak“, etc.
.) auch beliebt: „Wenn mein Sohn/meine Tochter mit einem Ausländer (manchmal auch auf Migranten türkischer Herkunft beschränkt) heimkommt…“

Im privaten Bereich fällt das Blatt vor dem Mund recht schnell.
Und immer fallen die selben Aussagen, die ich schon in meiner Kindheit Ende der 1970er-Jahre hörte.

Auch, dass „jetzt schon zuviele Ausländer da sind“, hörte ich schon als Knirps.

Teil 2 folgt…

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s