Alle Substanzen ab 25 Jahren freigeben, und zwar sofort!


Am 2. Mai war es wieder soweit: Der Hanfwandertag fand in Wien statt, unter der Ägide des „Global Marihuana March“, welcher in der ganzen Welt zeitgleich zeigte, wie verbreitet der Marihuana-Konsum doch schon ist.

Ich vergleiche das Gras-rauchen immer mit den Jeanshosen in den 1970er-Jahren: Jahrzehntelang verpönt, wurde es bisweilen schon gesellschaftsfähig.

Alleine in Österreich kann man eine Dunkelziffer von ca. einer halben Million Menschen nennen, die 2014 mindestens einmal zum Joint griff oder THC in anderer Form (essen, Tropfen, medizinisch, Vaporizer etc.) zu sich nahm.
Manche Stimmen munkeln, dass nur in Wien in jedem zweiten bis dritten Wohnhaus jemand lebt, der Hanf selbst anbaut.

Und trotzdem wird rigoros dagegen vorgegangen, von einer „Einstiegsdroge“ palavert, obwohl dieser Mythos schon seit Jahrzehnten von offizieller Seite als Märchen entpuppt wurde.

Quelle: Wikipedia – Peter Cohen, Arjan Sas „Cannabiskonsum als Einstieg zu anderen Drogen? Das Beispiel von Amsterdam. Cannabis use, a stepping stone to other drugs? The case of Amsterdam“

Doch geht es nicht nur um die Hanfpflanze, deren Verbot bekanntlicherweise aus ganz anderen als den ach so „gefährlichen“ Rauschgründen vollstreckt wurde.

Es geht um jede Substanz, die mehr oder weniger gefährlich ist.

Wie schon geschrieben, ist das Wort „Droge“ ein geflügeltes und extrem dehnbares.
Jeder Mensch verwendet im Grunde eine eigene Definition darunter, meistens abhängig vom Bildungsgrad oder dem Interesse an der Thematik.

Was wirken Drogen in der Regel aus?

Ein ganz simpler Effekt wird im Gehirn ausgelöst, beginnt eine Droge zu wirken.
Im Hypothalamus, dem Bereich unseres Hauptprozessors, wo unser Belohnungssystem Einfluss auf unsere Glückseligkeit nimmt, sitzt dieser kleine Teufel, genannt „Glück“.

Durch unzählige Quellen, derer wir uns bedienen, um diesen zu stimulieren, erzeugt diese Region des Gehirns die Produktion der Neurotransmitter Dopamin und Serotonin, welche uns glücklich machen, wenn die Ausschüttung dieser stimmt.

Dies beschränkt sich nicht auf die Zunahme von Substanzen, im Gegenteil.
Auch die Zunahme von Salz hat den gleichen Effekt und birgt die Gefahr der Abhängigkeit.
Schokolade, gutes Essen, Liebe, Sex, Spiele, Religion, Arbeit, Sport oder jegliche Aktivität, die im Bereich der Hobbies anzusiedeln ist…alles wirkt chemisch gleich, ist eine Droge.

Macht uns etwas Spaß, besteht sofort die Gefahr einer psychischen Abhängigkeit.

Ist jemand Workaholic, süchtig nach Erfolg, oder auch nur im Geschwindigkeitsrausch, beim Sport, oder gar in den essentiellen Dingen des Lebens wie der Liebe (wo doch jeder von uns einen Fall von einem oder einer abhängigen kennt, die ohne Liebe nicht im Stande sind, ein genussvolles Leben zu führen)…unser Hypothalamus ist die Ursache.

Schon die Bindung zu unserer Mutter im Mutterleib hat ähnliche Auswirkung und ist ohne Zweifel im Bereich der „Droge“ zu führen.

Hier fängt der Unfug unserer Gesellschaft an, denn die Staaten dieser Welt machen seit jeher einen groben Fehler: Sie differenzieren nach Belieben, welche Drogen genehm sind und welche nicht.

Der vernünftige Weg ist ein anderer: Anstatt, dass man Menschen von Kindheit auf über die Mittel der Aufklärung, weg von Verdammung und Verurteilung bestimmter Gruppen von Mitteln, die uns Glück verschaffen (und damit im Grunde für viele erst interessant werden), zu autonomen und vernünftigen Individuen macht, warnt man vor manchen Glückseligkeiten, während andere grob verharmlost werden.

Beispiele gibt es zuhauf: Während es von der Gesellschaft fast zwanghaft eingeprägt wird, ein für die Wirtschaft funktionierender Mensch zu sein und sein Leben gefälligst der Arbeit zu widmen hat (von deren Ertrag bekanntlich nur sehr wenige wirklich profitieren), es also en vogue ist, sich zum Burn-Out knechten zu lassen, ist man gesellschaftlich sofort geächtet, wenn man verbotene Substanzen – auch, wenn es nur einmal aus Neugier geschieht – zu sich nimmt.

Die Zahlen derer, deren Existenzen durch den Konsum illegaler Drogen mittels staatlicher Repression (von der Hausdurchsuchung zum Führerscheinentzug, der Vorstrafe bis zur Haft, in manchen Ländern sogar durch die Todesstrafe) jeden Tag zerstört werden, sind alarmierend hoch.

Staaten wie Mexiko kämpfen inzwischen verzweifelt gegen Drogenkartelle, obwohl diese nur entstanden sind, weil willkürlich Substanzen verboten wurden.
Wäre dies nicht geschehen, hätten Verbrecher nie ihre Syndikate gründen und gedeihen lassen können.
Viele unschuldige Todesopfer wären nicht zu beklagen gewesen, und die Exekutive dieses Landes könnte für weit mehr Sicherheit im Land sorgen, weil die Kapazitäten und Ressourcen sinnvoller einzusetzen wären.

Nun, zur Zeit wird schon in vielen Ländern über eine Freigabe oder zumindest über eine Straffreiheit bei Marihuanakonsum diskutiert.
Oft mit Polemiken bedienen sich vernunftferne regressive Politiker, um ihr goldenes Kalb, den Alkohol (welcher bekanntlich weitaus schädlicher als die meisten illegalen Substanzen ist, sowohl für den eigenen als auch oft fremde Körper) zu verteidigen.

Hier in Österreich „glänzt“ die FPÖ mit geradezu grenzenloser Ignoranz von Fakten, um ihre Klientel, welche mit dem „Drogen sind pfui, aber das Bier und der Wein sind Kultur“-Unsinn aufwuchsen.
In Deutschland ist es die CDU, in den USA die Republikaner usw.

Das Problem betrifft aber alle Dinge, die uns Glück verschaffen.
Im Grunde ist es abartig simpel: Die Dosis macht das Gift!

Wenn man zum Beispiel seinem Kind von klein auf beim Essen beibringt, dass es nur soviel essen soll, bis es satt ist, und die unsinnigen „Du isst, was am Teller ist“- oder noch gemeiner „Wenn Du aufisst, darfst Du naschen“-Floskeln lässt, reduziert man das Risiko von Übergewicht ungemein.

Bringt man einem Kind auch bei, dass es eher dumm ist, mit dem Rauchen anzufangen, weil man dann wieder schwer loskommt, ist es ein produktiverer Zugang als das hierzulande noch immer übliche „Wehe, wenn Du rauchst!“.
Damit wird es erst interessant.

Die Dosis macht also das Gift, und das gilt für alles.

Isst man zu einseitig, bekommt man Mangelerscheinungen.
Arbeitet man zu viel, erhöht sich das Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen und psychischen Schäden enorm.
Läuft man zwanghaft der Liebe oder dem Sex nach, kann man diese auch nicht mehr genießen, sucht nur nach dem nächsten „Schuss“, der aber – dieser Effekt ist mit Heroin sehr wohl gleichzusetzen – im Grunde gar nicht mehr wirklich befriedigt.
Auch beim Sport ist die Gefahr hoch, immer neue „Kicks“ zu suchen.
Die in den letzten Jahrzehnten stark angestiegene Varianz von Extremsportarten und auch deren Opfern ist eklatant.

Der Mensch braucht also „Drogen“.
Bekommt er seine tägliche Dosis Glück nicht, wird er genauso unglücklich.

Wieso aber hebt man einige Süchte in den Himmel, während bei anderen der gnadenlose Hammer der Justiz auf einen niederbricht?
Das macht keinen Sinn und entzweite nur unsere Gesellschaft.

Deshalb ist es überfällig: ALLES sollte freigegeben werden.
Und zwar auf vernünftige Weise.

Es ist nicht zu verstehen, dass 18-jährige mit Besitz des Führerscheins jegliches PS-Monster steuern dürfen, obwohl es vielen noch an Reife fehlt.
Die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle, die durch Leichtsinn und viel zu starke Kraftfahrzeuge in fataler Mischung passierte, schmerzt.
18-jährige steuern im Grunde eine tödliche Waffe, aber…es dient ja der Wirtschaft.

Wenn es den Staaten wirklich um die Gesundheit der Menschen geht (woran ich stark zweifle), dann darf er nicht bestimmen, womit diese durch einen selbst gefährdet wird.

Hier der Ansatz: ALLES erlauben, aber erst, ab dem der Mensch 25 Jahre alt ist.
Bei diesem Alter sollte man eine grundsätzliche Reife langsam voraussetzen.

Wird einem jungen Menschen vorher etwas gegeben, was die Gesundheit gefährdet (darunter fallen auch Medikamente, die nachweislich abhängig machen – in der Psychotherapie finden sich zahllose Antidepressiva, Schlafmittel oder Tranquilizer, die weitaus schädlicher sind als viele illegale Substanzen, nur als Beispiel), ohne, dass der Staat erlaubt, dass dies geschieht -> strenge Strafen wegen Überschreitung des Jugendschutzes.

Wird einem anderen Menschen Schaden zugefügt, indem Substanzen die geistigen Fähigkeiten einschränken -> strenge Strafen und Abschaffung von Milderungsgründen.

Ab 25 sollte jeder Mensch uneingeschränkt Herr über seinen Körper sein dürfen.
Zu diesem Zeitpunkt sollte man Reife voraussetzen, die auch durch entsprechende Schulung in der Kindheit (wie schon erwähnt – maßvollen Umgang beibringen, nicht verteufeln!) gefördert werden sollte.

Warum gibt es eigentlich illegale Drogen?
Weil sie Spaß machen! Und weil es viele Menschen gibt, die diesen Spaß gerne haben.

Am Schluss des Artikels noch etwas zum Nachdenken: Ein junger Mensch fällt der Sucht nach Heroin anheim.
Was bietet der Staat als Ersatz? Methadon.
Dieses Mittel ist mindestens so gefährlich wie Heroin, doch steckt eben eine Industrie dahinter.
Wie wirkt es? http://www.drugcom.de/drogenlexikon/buchstabe-m/methadon/

Der Staat agiert sehr scheinheilig und vor allem selektiv.
Dass dies keinen Sinn macht, sollte inzwischen dem dümmsten unter uns klar werden.

Wenn die Nationen dieser Erde endlich begreifen, dass „Krieg gegen Drogen“ ein Kampf gegen (auch eigene) Windmühlen ist, sondern Aufklärung und Vernunft die Mittel der Zukunft sind…dann wird die Welt vielleicht eines Tages besser.

In Österreich sollte eher der Alkohol langsam den Nimbus des „Genussmittels“ verlieren.
Wäre schon mal ein guter Schritt gegen diese Geisel der Erde.
Und vor allem würde diese Maßnahme Leben retten.

Aber nicht verbieten, denn dann ist der Effekt der gleiche: Kartelle bilden sich, eine Verbrecherindustrie bekommt den nötigen Nährboden.
Al Capone und Pablo Escobar sollten uns allen zu denken geben.

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2 Antworten zu Alle Substanzen ab 25 Jahren freigeben, und zwar sofort!

  1. walkner heidi schreibt:

    achtung: die aussage, methadon sei mindestens so gefährlich wie heroin, kann man so nicht stehen lassen. es wird als ersatzmittel für heroin verschrieben, ist apothekenpflichtig und hat im prinzip dieselbe wirkung wie heroin, ausgenommen die starken rauschzustände. es lindert die entzugserscheinungen, so dass der konsument unter umständen in der lage ist, einer geregelten arbeit nachzugehen und ein geregeltes leben zu führen.die einnahme dieser substitution erfolgt in der ersten phase – deren dauer der arzt bestimmt – täglich und unter aufsicht.

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