Jetzt sind wir alle gefordert.


TitelbildGestern geschah etwas.

Ein Massaker an eine Redaktion eines Satire-Magazins, „Charlie Hebdo“.

Die Welt ist zu Recht entsetzt, erschüttert, befindet sich seitdem ein wenig in Schockstarre: Es wurde ein feiger Anschlag auf die Meinungsfreiheit, auf Werte, die Jahrhunderte brauchten, um erkämpft zu werden.

Was in Paris passierte und nach wie vor passiert, stellt eine Zäsur für die Demokratie dar.
Jetzt sind wir alle gefordert.

Wenn wir alle, und zwar wirklich alle, von alt bis jung, von rechts bis links, von Pastafari bis Moslem, nicht aufpassen, stehen wir nicht an der Schwelle zu ungemütlichen Zeiten, sondern überschreiten sie mit eigenen Beinen.

Nachdem PEGIDA, die Rechtsparteien, ihre Sympathisanten oder einfach nur paranoide Geister den Untergang des Abendlandes (wie dies auch immer im 21. Jahrhundert auszusehen hat) vorhersagten, nein fast erhofften, geschah nun etwas, das in vielen Menschen dieser Welt Hass erzeugt, weil sie nicht differenzieren.

Nicht „der Islam“ ist dafür verantwortlich (schließlich war das Massaker, von Anders Breivik verursacht, auch nicht vom „Christentum“ verursacht), sondern ein paar wahnsinnige Bestien in Menschengestalt.

Nun gilt es aber kühlen Kopf zu bewahren, denn dieses schreckliche Ereignis könnte der Auslöser einer Kettenreaktion, eines unseligen Teufelskreises von Gewalt und Gegengewalt sein.

Feinde der Vielfalt sehen inzwischen schon eine Rechtfertigung für Sanktionen gegen alle Muslime.
Radikale Muslime sehen in manchen Hinterzimmern schon den Anlass, selbst zuzuschlagen.

Jetzt ist jeder von uns gefordert.

Sei es nur unser aller Wortwahl, die Hass erzeugen kann, oder erst recht unsere Taten…jeder von uns ist nun herausgefordert, kein bisschen vom Pfad der Menschlichkeit zu weichen und sich von Gewaltphantasien militanter Geister nicht unterdrücken zu lassen.

Hier in Europa ist nun der Terror endgültig angekommen, und nur uns allen obliegt es, sich nicht zu Gegenterror provozieren zu lassen.

Was kann ein normaler Mensch, der nur in Frieden leben will, dafür, dass manche kranke Geister nur Gewalt als Sprache verstehen?
Was die Muslima von nebenan, wenn irre Mörder jedem Sinn für Humanismus ins Gesicht spucken?

Ja, ich habe jetzt Angst.
Angst um den sozialen Frieden in Europa.
Angst vor einem wütenden Mob, der eventuell bei der nächsten PEGIDA-Demo wahllos Passanten attackiert.
Angst vor Gegenschlägen rachewütiger Islamisten, die irgendwo eine Bombe zünden.
Angst vor Straßenschlachten zwischen extremen rechten und extremen linken.
Angst vor Extremismus in jeder Form, der unsere Straßen und Gehirne infizieren könnte.
Angst vor rigorosen Einschränkungen der Meinungsfreiheit oder der Individualität im Zeichen der „Sicherheit“.

Angst vor dem Verlust der Freiheit und des Friedens.

Das muss aber nicht sein, wenn jeder von uns ruhig bleibt und die Tat von Paris als das verdammt, was sie war: Ein fürchterliches Massaker, verübt von einzelnen Bestien, denen jegliche Eskalation nur recht und teuer ist.

Wenn wir in Zukunft sorglos außer Haus gehen wollen, sollten wir uns alle am Riemen reißen.
Mit unseren Worten, mit unseren Gedanken, mit unseren Taten.

Ich will hier keinen Kontinent erleben, wo „Sicherheit“ als Maskerade für Einschränkungen unserer Freiheit verwendet wird, Demagogen Rechtfertigung für immer haltlosere Hetze oder gar den Zund für Pogrome geben.

Wir sollten alle innehalten und in uns gehen: Lassen wir uns zum jederzeit eskalierenden Bürgerkrieg provozieren oder handeln wir mit „Jetzt erst recht“, und packen erst recht unsere Menschlichkeit und den hart erkämpften Humanismus als „Waffe“ aus?

Wählen wir.

Je suis Charlie!

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4 Antworten zu Jetzt sind wir alle gefordert.

  1. Leander schreibt:

    Wenn du dazu aufrufst, uns „mit unseren Worten“ am Riemen zu reissen, solltest du selbst damit beginnen und die Terroristen nicht „Bestien“ bzw. „Bestien in Menschengestalt“ nennen.
    Es ist eines der üblichen menschenverachtenden und vielfach zum Aufwiegeln gebrauchten Meme, Tätern das Mensch-Sein abzusprechen – und sie so zu „Vogelfreien“ zu erklären, denen gegenüber die Menschenrechte nicht mehr beachtet werden müssen. Es bereitet Lynchjustiz verbal vor… das willst du sicher nicht!
    Die Täter sind keine Bestien, sondern verirrte Spinner, Gewalttäter, Mörder. Terroristen. Aber keine „Bestien“. Auch sie haben ihre Geschichte der Radikalisierung, sind nicht etwa als „Bestien“ auf die Welt gekommen.

    • Gerald Kitzmüller schreibt:

      D’accord, doch verhielten bzw. verhalten sie sich wie Bestien.
      Die Vorgeschichte kann in diesem Fall nichts beschönigen.

      Natürlich sind sie auch Menschen, natürlich soll der Rechtsstaat wirken.
      Jedoch können, wie wir alle wissen, Menschen sehr wohl Bestien und Monster sein.

    • walkner heidi schreibt:

      nein, das sehe ich nicht so. diesen bestien spreche ich das mensch-sein ab. aber eigentlich auch das tier-sein. tiere haben üblicherweise einen grund zu töten. hunger, junge versorgen müssen oder einfach jagdtrieb. aber sie bringen nicht aus irgenwelchen abgründigen ideologien artgenossen um. übrigens: auch verirrte spinner, gewalttäter, mörder sind nicht als verirrte spinner, gewalttäter und mörder auf die welt gekommen.

  2. feydbraybrook schreibt:

    „Das muss aber nicht sein, wenn jeder von uns ruhig bleibt und die Tat von Paris als das verdammt, was sie war: Ein fürchterliches Massaker, verübt von einzelnen Bestien, denen jegliche Eskalation nur recht und teuer ist.“

    Danke für diese Worte. Sapere aude! Wir, die Vernünftigen, müssen jetzt klarmachen, dass man den Anschlag verdammen kann UND gleichzeitig gegen Islamophobie auftreten.
    Das ist nicht mein Krieg. Nichts, was AfD und Pegida propagieren, wird durch diese blutige Tat wahrer, nichts.

    https://feydbraybrook.wordpress.com/2015/01/08/charlie-hebdo-ce-ne-est-pas-ma-guerre/

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