FPÖ-Propaganda und alarmierende Parallelen zur NSDAP – 3 – Sündenböcke


Ausgerechnet Österreich, eines der reichsten Länder dieses Planeten, mit Ressourcen, so reichhaltig und im Überfluss vorhanden, dass diese Nation sich leisten kann, täglich Abertonnen an Lebensmitteln wegzuwerfen, Trinkwasser für Dinge wie Auto-waschen zu verschwenden, und Luxusartikel wie Smartphones durchschnittlich fast jedes Jahr zu wechseln…ausgerechnet Österreich zeichnet sich durch ein Phänomen aus, welches mit „absurd“ noch untertrieben bezeichnet ist.

Unzufriedenheit und Neid.

Meine Vermutung, dass es in der menschlichen Natur liegt, niemals vollends zufrieden mit eigenen Errungenschaften oder materiellen Gegenständen zu sein, bestätigt sich beinahe täglich.

Obwohl auch die sogenannte „Unterschicht“, also die Menschen, die unterdurchschnittlich verdienen, mit den Grundbedürfnissen abgesichert sind, auch eine relative Sicherheit ihr Eigen nennen können, mit all dem Luxus des 21. Jahrhunderts ausgestattet ist, ist sie erstaunlich unzufrieden.

3D-Fernseher, Smartphones, Urlaube in ferne Destinationen, Autos, Motorräder, das wöchentliche Ausgehen (oft auch mehrmals die Woche)…dem durchschnittlichen Österreicher mangelt es kaum an Luxusgütern.

Abseits von den Grundbedürfnissen eines Menschen – Nahrung, Kleidung, Wohnung und Information – verfügen die Bürgerinnen und Bürger in Mitteleuropa wirklich über jeglichen Klimbin, den sie sich wünschen.

Und doch…sie begeben sich knurrig und unnahbar frühmorgens auf ihren Arbeitsplatz.
Schreien und zetern, wenn sie am Verkehr teilnehmen.
Misstrauen fast jedem, den sie nicht kennen.
Benutzen Sündenböcke als Puffer für die eigene Unzulänglichkeit…

Hier stößt die FPÖ in eine Lücke.
Eine Lücke, die seinerzeit von der NSDAP auch wohlweislich benutzt wurde, um die niedersten Instinkte dieser Menschen auszunutzen und Profit daraus zu schlagen.

Zum Unterschied von damals leben wir heutzutage in richtigem Wohlstand, ergötzen uns an einem dekadenten und ausschweifenden Leben.

In den frühen 1930er-Jahren musste die Gesellschaft eine Weltwirtschaftskrise von damals unbekannten und gigantischen Ausmaßen hinnehmen, die Arbeitslosigkeit und das Elend der Menschen war nicht enden wollend.

Dies auszunutzen für billigen Stimmenfang fiel der NSDAP nicht schwer.
Man versprach die profansten Umstände: Arbeit, Absicherung, ein wenig kleinen Wohlstand für jeden.
Damit ließen sich die potentiellen Wähler schnell ködern.

Doch hätte der Wahlkampf der Nazis keinen Erfolg verzeichnet, wäre nicht der Sündenbock vorhanden.
Derjenige, der laut Propaganda in Wohlstand badet, während der „fleißige und anständige Bürger“ dahinsiechen musste.

So war die Taktik eine simple: Man nehme einen Sündenbock, im Falle der Nazis die Juden, Roma, Homosexuellen, politischen Gegner usw., und kreiere somit einen „Feind“, den es zu bekämpfen gilt, und dessen Unterdrückung eigenen Wohlstand verspricht.

Wie wir alle aus der Geschichte wissen, funktionierte dieses Mittel zum Zweck wunderbar.
Die Juden und deren Verfolgung ging als eines der schrecklichsten Kapitel der Menschheit, als Holocaust, in die Geschichte ein.
Nicht minder furchtbar litten alle anderen Gruppierungen, die nicht ins Bild des „Herrenmenschen“ passten.

Jeder, der nicht dem „Volkskörper“ entsprach, war ein „Zersetzer“ dessen.
Jeder, der sich nicht auf NS-Linie begab, war automatisch ein „Feind“, der Schuld daran trug, dass das Volk nicht im verdienten Super-Wohlstand lebte.

Zurück in die heutige Zeit.

Die Parameter sind völlig konträr zu früher, Europa lebt einen Standard, der auf Dauer höchstwahrscheinlich nicht zu halten ist.
Vor allem, da dieser auf dem Leid der ärmsten Regionen der Welt basiert.

Unsere Gesellschaft ist es gewöhnt, billigste Kleidung (produziert durch Hungerlöhne und Ausbeutung meist in Südostasien), Nahrung (Kaffee, Bananen, Orangen etc., also alles, was hierzulande nicht wächst, wird oft unter unmenschlichsten Bedingungen in der südlichen Hemisphäre geerntet, damit wir unsere Regale in den Supermärkten prall gefüllt und billig erwerben können), Wohnung (ein Gros der Bauarbeiter arbeitet unter unwürdigen und ausbeuterischen Bedingungen, meist sind es Migranten) zu konsumieren.
Zusätzlich baden wir geradezu im Luxus und sind uns nicht mehr bewusst, auf welchen Köpfen dieser gelebt wird.

Dieses Level soll unter allen Umständen erhalten werden.
Kaum jemand wuchs inzwischen in einer Welt der Entbehrung auf, die letzte Zeit des Elends ist lange vorüber.

Dafür gibt es die Sündenböcke.
Eine FPÖ suggeriert ständig, dass Migranten, Asylbewerber, Andersdenkende etc. den Kuchen wegnehmen und einem ans Leder wollen.

Kalkuliert hetzt diese Partei mit schlichten Parolen und ausnahmslos negativen Nachrichten gegenüber jenen, die sich kaum wehren können, um politisches Kleingeld zu lukrieren.

Politische Gegner werden regelmässig als „linkslinke Hetzer“ tituliert.
Migranten und aktuell spezifisch Asylwerber (von vielen FPÖ-Wählern wird zwischen diesen beiden Begriffen kein Unterschied gesehen) sind das Übel der Welt, wollen den Bürgerinnen und Bürgern alles wegnehmen, was doch so „hart erwirtschaftet“ wurde.

Hinzu kommt ein wesentlicher Faktor: Die Faulheit der Massen, sich selbst zu informieren.
Obwohl in Zeiten des Internets jegliche Information, all das Wissen der Menschheit, durch Mausklick erreichbar ist, hat der Wohlstand eine massive Trägheit produziert.
Der Durchschnittsbürger verlässt seinen Arbeitsplatz, huscht heim, und lässt sich vom Fernsehen berieseln, der einem bequem den Denkapparat ruhen lässt.

Durch Massenmedien informiert man sich passiv, nicht aktiv.
Der Wert an Information wird selektiv, eine eigene Meinung müsste mühsam erworben werden.

Und so mutet es logisch an, dass eine Partei wie die FPÖ in diese Kerbe schlägt.

Das Grundprinzip der FPÖ: Alle anderen sind schuld am Elend(!) der Menschen.
Alle anderen, vor allem Migranten, nehmen etwas vom Kuchen weg, wo man doch selbst dem vermeintlichen Hungertod nahe steht.

Obwohl dies grotesk wirkt, verfehlt diese Art der Aufhetzung der Menschen untereinander die erhoffte Wirkung nicht.

Viel zu viele FPÖ-Wähler haben keine Lust, sich wirklich objektiv zu informieren und autonom Meinung zu lukrieren.
Es reicht, wenn man die Nachrichten einer „Kronen-Zeitung“ konsumiert, wo in die selbe Kerbe geschlagen wird und der Sündenbock „Ausländer“ wohlweislich in die Gehirne der Massen gepflanzt wird.

Dass die Realität oft völlig konträr zu den propagierten Mitteilungen steht, die Sündenböcke meist keine Lobby besitzen, ist es leicht, im Dauerfeuer auf diese loszugehen.

Eigene Unzufriedenheit wird eben gerne auf andere reflektiert, anstatt dass man diese für sich selbst zu beheben versucht.

Hand aufs Herz: Es ist menschlich, die Schuld am eigenen Versagen – immerhin ein Grundprinzip des Lebens, woran jeder Mensch Erfahrungen sammelt – bei anderen zu suchen.

Die FPÖ weiß, wie sie auf diesem Instrument spielt.

Gegenmittel?
Dieses ist, wie schon erwähnt, einfach und doch diffizil: Der Dialog mit den Menschen muss angenommen werden.

Mit den drei Grundprinzipien: Empathie, Sachlichkeit und fundierte, ruhige Argumentation.
Der Konflikt und die aggressive Differenzierung dieser Taktik ist jedoch ein Bärendienst: Statt dem Erreichen eines Zieles, nämlich das selbstständige Denken der Bürgerinnen und Bürger, wird eine „Jetzt erst recht!“-Stimmung mit gleichzeitiger Erzeugung von Märtyrer-Mythen erzeugt.

Nur der Dialog fügt die Menschen zusammen, das sollte klar sein.

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