Ein Aufruf zu mehr Menschlichkeit


Geld regiert die Welt.

Unabhängig von der Stelle, wo man sich befindet, regional wie beruflich, sozial wie ethnisch, nur noch der Mammon entscheidet, welche Möglichkeiten das Leben bietet.

Wo früher noch ein frischgebackener Handwerksgeselle in die Lande zog, um Erfahrungen abseits seiner Heimat zu sammeln, nur bepackt mit dem Nötigsten, ist es heute unmöglich, auch nur einen Fußbreit von seiner angestammten Heimat abzuweichen, wenn die Geldbörse gähnend leer ist.

In einer Zeit, wo nahezu jeder Mensch die Möglichkeit besitzt, mittels Mausklick oder Fernbedienung andere Regionen oder Welten zu bestaunen, ist es auf der anderen Seite der Medaille kaum mehr möglich, auch nur hundert Kilometer abseits der eigenen vier Wände ein neues Kapitel im Leben aufzuschlagen.

Ohne Geld geht nichts mehr, und will man gänzlich aussteigen, ist es garantiert, dass, egal, wo man sich hinwendet oder auch nur in einem verborgenen Wald ein Zelt aufstellen will, eine Besitzstörungsklage und eine Räumung als Konsequenz droht.

Alles in der Welt gehört irgendwem, und nahezu jeder passt auf materiellen Besitz auf, als würde das Leben davon abhängen.
Dabei ist materielles doch nur Schein und Lug.

Ein altes Sprichwort besagt: „Das letzte Hemd hat keine Taschen“, und Sprichwörter haben meist Bezug zu realen Tatsachen.
Noch niemand, auch nicht der reichste Mensch aller Zeiten, konnte all seinen weltlichen Besitz in den Tod mitnehmen.
Einzig pompöse Grabstätten zeugen vielleicht davon, dass der Leichnam in ihnen vielleicht mehr Geld als der Durchschnitt besaß.
Hunderte Jahre später hat auch dieses Vermögen keine Relevanz mehr.

Warum also ist es so opportun, möglichst viel Geld zu scheffeln?
Weshalb sind die Menschen dieser Welt mehrheitlich zu beruflichem und finanziellem „Erfolg“ gedrillt?

Weil wir einer Illusion nachlaufen.
Einem Mythos, dass Geld glücklich machen soll.
Sicherlich kann ein gewisses Vermögen in manchen Dingen beruhigend sein, wenn man es in der Hinterhand hält, jedoch unterliegen wir zum Glück alle den Naturgesetzen, denen das Tauschmittel, dem wir untertan sind, herzlich egal sind.

Unerheblich, wie reich man ist, so hilft Reichtum nicht für wahre Liebe, stoppt das Altern nicht, hält nicht gesund – eher im Gegenteil.
Eine Vielzahl an Herz-Kreislauferkrankungen in heutigen Tagen ist dem beruflichen Stress zu verdanken.
Stress, den wir in viel zu großer Zahl denen schulden, die in Firmen regieren und die größten Summen abkassieren, während die Menge an kleiner Angestellten zu Mindestlöhnen diese Summen erst ermöglichen.

Hektik, die uns abverlangt wird, damit Umsätze und Gewinne kontinuierlich gesteigert werden, nur um Aktionären dienlich zu sein, die Anteile kauften und Rendite verlangen.

Unterdrückung, die von Chefs ausgeübt wird, deren einziges Anliegen der Firmen-„Erfolg“ ist, der wiederum nur den mächtigen im Betrieb zu Gute kommt, während diejenigen, die diesen Erfolg erst ausmachen, froh sein sollen, überhaupt eine Arbeit ausüben zu dürfen.

Das ist unsere Welt.

Und im Gegenzug freuen wir uns auf Wochenenden, wo wir nicht annähernd die Möglichkeit besitzen, uns adäquat zu erholen, weil auch deren Tagespläne vollgepfropft mit Verpflichtungen sind.

So geht dieser Ablauf tagein-tagaus, und nebenbei freuen wir uns lange Zeit auf ein paar Wochen Urlaub, wo oft nur längst aufgeschobenes, wozu wir während des Arbeitsprozesses nicht gekommen sind, abarbeiten.

Wir bauen jahrelang an Häusern, wo wir uns glücklich wähnen, die uns aber erst im höheren Alter – wenn überhaupt – gehören, weil wir gar nicht so viel verdienen, dass wir uns bar ein Haus leisten können.

Das Hamsterrad dreht und dreht sich unaufhörlich, erschöpft uns, regiert und erniedrigt uns rund um die Uhr.
Wir aber definieren uns dadurch, weil es uns von Kindesbeinen an in unseren Geist injiziert wurde, dass wir nur etwas wert sind, wenn wir uns zur Besinnungslosigkeit für andere abnutzen.

Sollten wir nicht beginnen, dieses perpetuum mobile des Nichts zu hinterfragen?
Besinnung auf das einzige, was uns bleibt, in einziger Gerechtigkeit allen gleich schnell vergeht, das Leben, sollte eigentlich Maxime von jedem von uns werden.

Ein wenig langsamer den Alltag verbringen, links und rechts blickend, um auch die erfreulichen Dinge unseres Daseins bewusst zur Kenntnis nehmend…

Sehe ich mich des Morgens in den Straßen um, wie genervt und grimmig die Menschen in ihre Arbeit fahren, sich selbst nicht leidend, wieder nur einen Tag im Leben irgendwie runterspulend: Liebe Mitmenschen, ist das Euer Lebenszweck?

Unsere Welt bietet unendlich viel Schönes und Wundervolles, zeigt uns jeden Tag, wie lebenswert und erquickend doch die Umwelt sein kann, bringt uns auf Ideen, zeigt uns Zuneigung und Hedonismus…wir müssen nur zugreifen!

Warum in die Glotze des Abends starren und andere Geschichten widerstandslos passiv in sich saugen, wenn man selbst jeden Moment die besten Geschichten erleben kann?
Warum griesgrämig seinem Tagwerk nachgehen, von Jugend auf, weil man darauf gedrillt ist, wo man eigentlich ausnahmslos bei jedem erkennbar von Talenten beschenkt wurde, die Spaß machen und deren Ausübung persönlich weit mehr Sinn bieten als stummes Parieren von Befehlen in einer Hierarchie, die man nur duldet, weil man das Geld braucht?

Es geht anders.
Selbstversorger zeigen es vor.

Wo früher ein Familienverband solidarisch auffing, wenn es einem schlecht ging, ist heute der Fernseher die Ablenkung.
Wo früher der Partner/die Partnerin zu Hause Trost und eine tröstende Schulter bot, ist heute Egoismus und „Selbstverwirklichung“, die meist nur wieder einem illusorischen beruflichen Erfolg bedeutet, oberstes Ziel.

Wir vergessen zunehmend, wie es ist, Mensch zu sein und als Herdentier, das wir einfach sind, Glück zu empfinden.
Das eigene Ego darf nicht regieren, wenn wir uns darauf besinnen, wer wir sind und wozu wir eigentlich da sind!

Wann hat der Leser/die Leserin seine/n Gefährten/in einfach so in den Arm genommen und schöne Worte gesagt?
Den Partner einfach liebhabend, ohne eine Gegenleistung zu verlangen?

Immer seltener sind wir uns des Luxusguts der Liebe bewusst, immer mehr werden Beziehungen wie materieller Humbug schlicht konsumiert statt gelebt.
Modewort ist das mir höchst verwerflich erscheinende Wort „Lebensabschnittspartner“, das schon von Beginn an impliziert, dass die Beziehung irgendwann den Bach runtergeht.

Sind wir zufrieden damit, wenn wir unser Ding durchziehen, ohne auf andere achten zu müssen?
Die wenigsten, die schon ein langes Leben ihr eigen nennen können, und in sich blicken, sind zufrieden mit ihrer inneren Einsamkeit, nur Gefährten duldend, wenn sie sich dem eigenen Leben untergeordnet haben.

Philanthropie ist nur noch ein Schlagwort geworden, wir mutieren schleichend zu gierigen, von Neid auf den Besitz anderer dominierten Misanthropen.
Irgendwann bereut es nicht nur der einzelne, sondern auch unsere Gesellschaft, dass wir persönliche Bereicherung und Egoismus als wichtigstes Ziel eingetrichtert bekamen.

Kinder werden zu Lärmbelästigungen, Alte zu Hemmnissen, weil sie der Wirtschaft nicht mehr dienlich sind, das wachsende Heer der Arbeitslosen wird zu „Schmarotzern“ stilisiert, weil sie keinen Beitrag für eine boomende(?) Wirtschaft, die wieder nur einige wenige wirklich reich macht, leisten…die Menschlichkeit wird im 21. Jahrhundert bis dato ad absurdum geführt.

Identifikation zu Humanität wird als verschroben dargestellt, doch gehen wir in uns: Ist es nicht weitaus beschaulicher und wertvoller, mit einem geliebten Menschen einfach Arm-in-Arm eine Balustrade rauf-und-runter zu schlendern, als mit ihm am Abend stumm vor dem TV-Gerät zu zweit zu vereinsamen?
Das persönliche Gespräch nicht besser als ein unpersönlicher Kommentar auf den Social-Medias?

Wir leben immer mehr in einer gefährlichen Scheinwelt, wo wir uns ständig weniger um die ärmsten oder gar unsere nächsten kümmern, verlieren eine Lebensqualität, die uns schon die Menschen der Urzeit voraus waren.
Vereinsamung läuft schleichend und subtil, doch sie durchfließt unser Dasein mit gnadenloser Präzision, bis nur noch eine leere Hülle, ein sinnentleerter Roboter der Wirtschaft, von uns übrig ist.

Verlieren wir keine Zeit und nehmen wir unsere Mitmenschen bewusster wahr!
Herzen wir die liebsten unseres Lebens, streicheln wir unsere Haustiere, besinnen wir uns auf die Dinge, die das Leben erst lebenswert machen, und das sind nicht Smartphones, Autos, überdimensionale Fernseher, Urlaube, Häuser oder teuer eingerichtete Wohnungen.
Es sind die Menschen und Tiere, mit denen wir es lieben, gemeinsame Zeit zu verbringen.

Alles andere sind nur Dinge. Wert- und leblose Dinge.
Bevor wir auch zu solch Dingen mutieren, sollten wir innehalten und uns neu orientieren.

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