Allerheiligen-Allerseelen – oder das Geschäft mit der Angst


Dieses Wochenende war ein üblich turbulentes zu dieser Jahreszeit.
Auf wilde Feiern zum keltischen Fest „Halloween“, welches bei uns inzwischen als etabliert gesehen werden kann, folgen traditionell die beiden besinnlichen Tage Allerheiligen und Allerseelen.

Als Wiener sollte man an diesen Tagen einen Platz meiden, wenn es sich einrichten lässt: Die Friedhöfe.
Speziell der Zentralfriedhof erlebt einen Zulauf, den man fast mit dem Wurstelprater am 1. Mai vergleichen kann.

Nur ist alles ruhiger und besinnlicher. Sollte man meinen.

Sieht man jedoch hinter die Kulissen, stellt man schnell fest, dass es doch das immer gleiche Spiel von Manipulation und Hörigkeit ist, welches die Menschen motiviert, doch plötzlich ihrer toten Verwandtschaft zu gedenken: Seit Jahrhunderten wird ein perfides Spiel mit den Älteren getrieben, unsere Gesellschaft weidet sich praktisch an den Toten.

Wir alle wissen, dass Allerheiligen ein zutiefst religiöses Ritual ist, den Heiligen zu gedenken.Das Christentum glaubt, dass es nötig ist, den Heiligen zu gedenken, wer auch immer die sein sollen.

Das lasse ich den tiefgläubigen Menschen, sich darum Gedanken zu machen.

Zu Allerseelen „darf“ das Schäfchen auch den anderen gedenken.

In der Praxis jedoch, da sieht es anders aus: Massen von Menschen stürmen die Friedhöfe, die Gasthäuser und Standln im näheren Umkreis machen ein Riesengeschäft, es herrscht ein reges Kommen und Gehen, die Menschen glauben plötzlich, ihre menschliche Pflicht den Toten gegenüber einlösen zu müssen.

Naja, darüber darf man ja geteilter Meinung sein.

Meine Meinung ist in meiner Umgebung bekannt, und ich mache kein Hehl daraus, dass ich

a) die Geschäftemacherei mit den Feiertagen zutiefst widerlich finde.b) Mitleid mit den älteren Menschen habe, die ihre liebsten schon verloren haben und im Grunde nichts anderes haben als das Zwiegespräch mit Menschen, die nur noch als Symbol existieren und von denen eigentlich nichts mehr übrig ist.

Aber vor allem herrscht
c) in mir: Verwunderung.

Warum wundere ich mich?
Trivial hinterfragt kommt zuerst der klassische „Warum gerade am Feiertag?“-Gedanke, den ich schon beim Muttertag (der wirklich furchtbare Geldscheffel-Anlass für gewisse Industrien, den brav funktionierenden Bürgern, die einen fixen Kalender für gewisse Verhaltensmuster brauchen, die Kohle aus der Tasche zu ziehen).
Warum zum Geier müssen abertausende Menschen gerade an diesen zwei Tagen auf die Friedhöfe?
Das Jahr hat 365(6) Tage, und genau an diesen zweien fühlt sich die ganze Welt berufen, welche der schönsten Plätze, die die Menschheit erkoren hat, regelrecht zu belagern.

Friedhöfe sind ja wie geschaffen für den Herbst.
Der Herbst ist ein Synonym dafür, dass alles vergeht.
Die Natur stirbt für ein paar Monate, nur um im Frühling wie durch ein Wunder (natürlich durch physikalische und chemische Prozesse schon lange erklärt) wieder zu erwachen.

Unser Planet zeigt uns, dass wir vergänglich sind.
Dass nichts ewig währt.

Im Grunde natürlich eine willkommene Gelegenheit, um unseren vergangenen Mitmenschen zu gedenken, und uns ein paar Gedanken über unser eigenes Ableben, das unweigerlich ist, zu machen.

Warum aber gerade an den zwei Tagen? Weshalb müssen die Menschen von Obrigkeiten wie der Kirche Illusionen kreiert bekommen, irgendein Paradies nach dem Exitus erreichen zu können, wenn man sich nur brav und angepasst benimmt?

Ich werde hier immer und immer wieder aufrufen, nicht auf die Weltkirchen zu hören, die nur davon leben (besser gesagt ein paar wenige, die an den Hebeln sitzen), die Leute zu manipulieren und auszunutzen, indem sie ihnen Hoffnung machen.

Friedhöfe sind wunderbare, ruhige, besinnliche Orte.
An Allerheiligen und Allerseelen regiert dort plötzlich der Wahnsinn, die Menschen lassen sich vom Kalender diktieren, wann sie diese wunderschönen Plätze besuchen.
Dabei bekommen sie diesen unfassbar beruhigenden Mikrokosmos von Friedhöfen gar nicht aktiv mit, weil sie nur obskuren Traditionen blind folgen.

Bitte besucht die Friedhöfe!
Diese sind Oasen der Ruhe in unserer viel zu hektischen Welt!

Aber nicht, wenn es Euch befohlen wird!

So, jetzt ist mir leichter. 🙂

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s